Schutz bei Gefahren: richtig reagieren
Auf Aktualität geprüft am 04.07.2026
Der Allgemeine Alarm – ein auf- und absteigender Sirenenton von einer Minute – bedeutet immer dasselbe: Radio hören oder sich via Alertswiss informieren und den Anweisungen der Behörden folgen. Ob du im Gebäude Schutz suchst oder ein Gebiet verlässt, hängt von der konkreten Gefahr ab; die Behörden geben es im Ereignisfall bekannt.
So verschieden Gefahren sind – das richtige Grundverhalten ist fast immer gleich. Wer in der Schweiz einen Sirenenalarm hört oder eine Meldung über die Alertswiss-App erhält, tut zuerst dreierlei: Radio hören oder sich via Alertswiss informieren, die Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte befolgen und Nachbarn sowie hilfsbedürftige Personen informieren. Notruf- und Kommunikationsnetze nutzt man nur für dringende Bedürfnisse. Ob du drinnen Schutz suchst oder ein Gebiet verlässt, hängt von der konkreten Gefahr ab – die Behörden sagen im Ereignisfall, was gilt. Dieser Guide erklärt die gefahrenübergreifenden Prinzipien und verlinkt für jede der 13 Gefahren die passende Detail-Anleitung.
Der rote Faden: informieren, Anweisungen befolgen, helfen
Der Bevölkerungsschutz baut auf einem einfachen Grundmuster auf, das bei fast jeder Gefahr gilt. Alertswiss (Bundesamt für Bevölkerungsschutz, BABS) fasst es unter „Bei Gefahr richtig reagieren“ zusammen: sich informieren, den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte folgen, Nachbarn und hilfsbedürftige Personen unterstützen.
Nach einem Allgemeinen Alarm erfolgt immer eine Information über Radio und Alertswiss. Deshalb ist der erste Reflex nicht Aktionismus, sondern Informationsbeschaffung: Radio einschalten oder die Alertswiss-App öffnen und dort erfahren, was passiert ist und was zu tun ist.
Notruf- und Kommunikationsnetze bleiben im Ereignisfall knapp. Nutze Telefon und andere Netze nur für wichtige und dringende Bedürfnisse und rufe Notfalldienste nur im echten Notfall an, damit die Leitungen für Verletzte und Einsatzkräfte frei bleiben.
Wie erkenne ich eine offizielle Alarmierung?
Sirene. Der Allgemeine Alarm ist ein regelmässig auf- und absteigender Ton. Er dauert bei stationären Sirenen eine Minute und wird innerhalb von fünf Minuten wiederholt. Er bedeutet: eine Gefahr droht – Radio hören oder sich via Alertswiss informieren, Anweisungen befolgen, Nachbarn informieren. Der Wasseralarm – zwölf tiefe Dauertöne von je 20 Sekunden in Abständen von zehn Sekunden – ertönt nur unterhalb von Stauanlagen und bedeutet: das gefährdete Gebiet sofort verlassen. Der Sirenentest findet jährlich am ersten Mittwoch im Februar statt.
Alertswiss. Die offizielle Warn-App und Website (alert.swiss) von Bund und Kantonen verbreitet Meldungen in drei Stufen (Alarm, Warnung, Information) mit konkreten Verhaltensanweisungen. Die App ist gratis für iOS und Android und funktioniert unabhängig von der Sirene.
Radio. Über UKW und DAB+ verbreiten SRG-Radios und konzessionierte Lokalradios die amtlichen Meldungen. Für den Krisenfall betreibt das BABS das System IBBK (Information der Bevölkerung durch den Bund in Krisenlagen): Es sendet über verstärkte UKW-Signale, die bis ins zweite Untergeschoss von Kellern und Schutzräumen empfangen werden können, und ist weitgehend unabhängig von Internet-, WLAN- und Mobilfunknetzen. Deshalb gehört ein batteriebetriebenes Radio (DAB+/UKW) mit Ersatzbatterien in jeden Notvorrat.
Die drei Alertswiss-Stufen unterscheiden
Alarm (höchste Stufe): Die Behörden informieren über eine unmittelbar bestehende Gefahr und geben zwingend zu befolgende Verhaltensanweisungen aus. Was konkret zu tun ist, steht in der Alarmmeldung selbst.
Warnung: Die Behörden melden eine mögliche Gefahr oder ein mögliches Ereignis und empfehlen ein Verhalten, ohne es verbindlich vorzuschreiben. Zeit, um Vorbereitungen zu treffen.
Information: Ein bevölkerungsschutzrelevantes, aber nicht per se gefährliches Ereignis – beispielsweise verunreinigtes Trinkwasser in einer Gemeinde.
Soll ich drinnen bleiben oder evakuieren?
Bei den meisten Gefahren lautet die Wahl: im Gebäude Schutz suchen oder ein Gebiet verlassen. Welche der beiden gilt, hängt von der Gefahr ab und wird von den Behörden im Ereignisfall angeordnet. Handle nicht nach eigenem Gutdünken gegen eine amtliche Anweisung.
Drinnen Schutz suchen ist typisch bei luftgetragenen Gefahren – etwa dem Austritt giftiger Stoffe aus einem Chemiebetrieb oder der Freisetzung radioaktiver Stoffe. Dann gilt: ins Gebäude, Fenster und Türen schliessen, Lüftungen ausschalten.
Ein Gebiet verlassen ist typisch bei Wasseralarm unterhalb von Stauanlagen (gefährdetes Gebiet sofort verlassen) und immer dann, wenn die Behörden eine Evakuierung anordnen. Bei Überschwemmungsgefahr gilt zusätzlich: nicht in Keller oder Tiefgaragen gehen.
Luftgetragene Gefahr: ins Gebäude, Fenster zu, Lüftung aus
- Sofort ins nächste Gebäude gehen und dort bleiben
- Alle Fenster und Aussentüren schliessen
- Lüftungen ausschalten (dazu zählen auch Klimaanlagen und Abluftventilatoren)
- Radio einschalten oder Alertswiss öffnen und auf Anweisungen warten
- Nicht ins Freie gehen, bis die Behörden Entwarnung geben
Erdbeben: in Deckung gehen
Bei einem Erdbeben lautet die offizielle Schweizer Empfehlung (SED/ETH Zürich, Alertswiss, Naturgefahrenportal): in Deckung gehen, zum Beispiel unter einem stabilen Tisch, und den Kopf schützen. Das entspricht dem international anerkannten Prinzip „Drop – Cover – Hold On“ (in Deckung gehen, sich schützen, festhalten).
Wer sich bereits im Gebäude befindet, bleibt drinnen und rennt nicht ins Freie – herabfallende Fassadenteile und Glas sind draussen die grösste Gefahr. Wer bereits draussen ist, bleibt draussen und flüchtet nicht in ein Gebäude, sondern sucht Abstand zu Bauten, Masten und Bäumen. Das Gebäude erst verlassen, wenn die Umgebung sicher ist.
Vorsorge ist die Basis
- Notvorrat anlegen: Wasser und Lebensmittel, damit du einige Tage bis rund eine Woche autark bist
- Batteriebetriebenes Radio (DAB+/UKW) mit Ersatzbatterien bereithalten – für Meldungen bei Stromausfall
- Notgepäck packen: griffbereit, falls du das Haus rasch verlassen musst
- Wichtige Dokumente griffbereit halten (ID/Pass, Versicherungen, Familiendokumente)
- Etwas Bargeld im Haus halten – bei Stromausfall fallen Bancomaten und Kartenzahlung aus
- Alertswiss-App installieren und den Standort der Notfalltreffpunkte deiner Gemeinde kennen
- Mit der Familie einen Treffpunkt und ein Vorgehen vereinbaren, falls die Kommunikation ausfällt
Notfalltreffpunkte: die Anlaufstelle deiner Gemeinde
Notfalltreffpunkte dienen der Bevölkerung als erste Anlaufstelle bei Schadenereignissen von grosser Tragweite, Katastrophen und Notlagen. Dort erhältst du im Ereignisfall Informationen über die aktuelle Lage – und kannst Notrufe absetzen, wenn die üblichen Kommunikationsmittel (Mobiltelefon, Radio, Fernsehen) nicht mehr funktionieren, etwa bei einem längeren Stromausfall oder einer Strommangellage.
Betrieben werden die Notfalltreffpunkte von den Kantonen. Das BABS koordiniert sie und publiziert die Standorte auf der Bundeskarte (map.geo.admin.ch). Weil die Standorte je nach Gemeinde variieren, lohnt es sich, den nächsten Notfalltreffpunkt schon vor einem Ereignis herauszusuchen.
Der behördliche Notfalltreffpunkt ist etwas anderes als ein privat vereinbarter Familien-Treffpunkt. Beide sind sinnvoll: der eine als amtliche Anlaufstelle, der andere, damit sich deine Familie bei Ausfall der Kommunikation wiederfindet.
Welche Gefahr – wo weiterlesen
Naturgefahren: Für Wetter- und Naturereignisse führen die Detail-Anleitungen zu Sturm und Unwetter, Hochwasser, Erdbeben, Lawinen und Rutschungen, Hitze und Dürre, Waldbrand sowie Sonnensturm. Die zugehörigen Warnungen laufen über MeteoSchweiz und das Naturgefahrenportal des Bundes (naturgefahren.ch).
Technische und gesellschaftliche Gefahren: Eigene Anleitungen behandeln Gasaustritt, Chemieunfall, Staudammbruch, Cyberangriff sowie Terror und Gewalt.
Gesundheit: Für Krankheitswellen gibt es die Anleitung zur Pandemie.
Jede dieser 13 Anleitungen vertieft das hier beschriebene Grundverhalten mit den spezifischen Schritten für die jeweilige Gefahr. Die aktuelle Gefahrenlage der Schweiz findest du zudem im Lagebild.
Häufige Fehler / Missverständnisse
- Bei Sirenenalarm nach draussen laufen oder aus dem Fenster schauen, statt zuerst Radio zu hören und sich zu informieren
- Annehmen, der Allgemeine Alarm heisse „sofort evakuieren“ – er heisst „informieren und Anweisungen abwarten“; Wasseralarm dagegen heisst „gefährdetes Gebiet sofort verlassen“
- Bei einer Chemie- oder Strahlengefahr Fenster zum Lüften öffnen – richtig ist: Fenster und Türen zu, Lüftung aus
- Bei Überschwemmungsgefahr in Keller oder Tiefgarage gehen, um Dinge zu retten
- Während eines Erdbebens aus dem Gebäude ins Freie rennen – dort fallen Fassadenteile und Glas
- Notruf 112/144/118 aus Neugier oder für Lageauskünfte anrufen und damit Leitungen blockieren
- Sich allein auf Mobilfunk und Internet verlassen – bei Stromausfall bleibt nur das netzunabhängige Radio (IBBK) und der Notfalltreffpunkt der Gemeinde
- Vorsorge aufschieben: ohne Notvorrat, Notgepäck und geladenes Radio nützt das beste Wissen im Ernstfall wenig
| Signal / Stufe | Bedeutung | Was tun |
|---|---|---|
| Allgemeiner Alarm (Sirene) | auf-/absteigender Ton, 1 Min., Wdh. in 5 Min. | Radio/Alertswiss, Anweisungen befolgen, Nachbarn informieren |
| Wasseralarm (Sirene) | 12 tiefe Dauertöne à 20 s, Abstand 10 s (unterhalb Stauanlagen) | gefährdetes Gebiet sofort verlassen |
| Alertswiss „Alarm“ | unmittelbare Gefahr | zwingende Anweisungen der Meldung befolgen |
| Alertswiss „Warnung“ | mögliche Gefahr | empfohlenes Verhalten, Vorbereitungen treffen |
| Alertswiss „Information“ | relevant, nicht per se gefährlich | zur Kenntnis nehmen, informiert bleiben |
| Luftgetragene Gefahr (Chemie/KKW) | giftige/radioaktive Stoffe in der Luft | ins Gebäude, Fenster/Türen zu, Lüftung aus |
| Erdbeben | Erschütterung, fallende Objekte | in Deckung gehen (stabiler Tisch), Kopf schützen |
| Kommunikationsausfall | Strom-/Netzausfall | Notfalltreffpunkt der Gemeinde aufsuchen |
Quellen: BABS/Alertswiss (Sirenen, Alarmstufen, Verhalten, Notfalltreffpunkte, IBBK-Radio) und BAFU-Naturgefahrenportal (Hochwasser). Stand Juli 2026. Die konkret gültige Anweisung im Ereignisfall hat immer Vorrang vor dieser allgemeinen Übersicht.
Häufige Fragen
Was mache ich zuerst, wenn ich einen Sirenenalarm höre?
Radio einschalten (UKW/DAB+) oder die Alertswiss-App öffnen und dich informieren. Nach dem Allgemeinen Alarm folgt immer eine Meldung über Radio und Alertswiss mit den Anweisungen der Behörden. Diese befolgst du und informierst Nachbarn sowie hilfsbedürftige Personen.
Was bedeutet der Unterschied zwischen Allgemeinem Alarm und Wasseralarm?
Der Allgemeine Alarm ist ein auf- und absteigender Ton von einer Minute und bedeutet: informieren und Anweisungen abwarten. Der Wasseralarm besteht aus zwölf tiefen Dauertönen, ertönt nur unterhalb von Stauanlagen und bedeutet: das gefährdete Gebiet sofort verlassen.
Was heissen die drei Alertswiss-Stufen?
Alarm bedeutet unmittelbare Gefahr mit zwingend zu befolgenden Anweisungen. Warnung meldet eine mögliche Gefahr, bei der ein Verhalten empfohlen, aber nicht vorgeschrieben wird. Information berichtet über ein relevantes, aber nicht per se gefährliches Ereignis, etwa verunreinigtes Trinkwasser.
Soll ich im Haus bleiben oder flüchten?
Das hängt von der Gefahr ab, und die Behörden ordnen es an. Bei luftgetragenen Gefahren wie einem Chemieunfall suchst du Schutz im Gebäude (Fenster und Türen schliessen, Lüftung aus). Bei Wasseralarm oder angeordneter Evakuierung verlässt du das gefährdete Gebiet.
Warum brauche ich ein batteriebetriebenes Radio, wenn ich ein Smartphone habe?
Weil Mobilfunk und Internet bei einem Stromausfall ausfallen können. Die Radioinfrastruktur ist weitgehend netzunabhängig; das BABS-System IBBK sendet über verstärkte UKW-Signale bis in Keller und Schutzräume. Ein DAB+/UKW-Radio mit Ersatzbatterien gehört deshalb in den Notvorrat.
Was ist ein Notfalltreffpunkt?
Eine von den Kantonen betriebene Anlaufstelle bei Katastrophen und Notlagen. Dort erhältst du Informationen zur Lage und kannst Notrufe absetzen, wenn Mobiltelefon, Radio und Fernsehen nicht mehr funktionieren, etwa bei längerem Stromausfall. Die Standorte findest du auf map.geo.admin.ch.
Wie bereite ich mich allgemein auf Gefahren vor?
Mit einem Notvorrat (Wasser und Lebensmittel für einige Tage bis rund eine Woche), einem batteriebetriebenen Radio mit Ersatzbatterien, einem gepackten Notgepäck, griffbereiten Dokumenten, etwas Bargeld und der Alertswiss-App. Vereinbare zudem einen Treffpunkt mit deiner Familie.
Offizielle Quellen
- Anleitung: Schutz bei Sturm & Unwetter Verhalten bei Sturm und Unwetter
- Anleitung: Schutz bei Hochwasser Verhalten bei Hochwasser
- Anleitung: Schutz bei Erdbeben In Deckung gehen, Kopf schützen
- Anleitung: Schutz bei Lawinen & Rutschen Verhalten bei Lawinen und Rutschungen
- Anleitung: Schutz bei Hitze & Dürre Verhalten bei Hitze und Dürre
- Anleitung: Schutz bei Pandemie Verhalten bei einer Krankheitswelle
- Anleitung: Schutz bei Gasaustritt Verhalten bei Gasgeruch
- Anleitung: Schutz bei Waldbrand Verhalten bei Waldbrand
- Anleitung: Schutz bei Chemieunfall Drinnen Schutz suchen, abdichten
- Anleitung: Schutz bei Staudammbruch Wasseralarm, Gebiet verlassen
- Anleitung: Schutz bei Cyberangriff Verhalten bei einem Cyberangriff
- Anleitung: Schutz bei Terror & Gewalt Verhalten bei Terror und Gewalt
- Anleitung: Schutz bei Sonnensturm Verhalten bei einem Sonnensturm
- Anleitung: Bergnotfall alarmieren Notfall im Gebirge: 1414, Wallis 144
- Anleitung: Notvorrat anlegen Wasser und Lebensmittel für rund eine Woche
- Anleitung: Notgepäck packen Griffbereit, wenn es schnell gehen muss
- Anleitung: Verhalten bei Sirenenalarm Sirenensignale unterscheiden
- Anleitung: Schutzraum Schweiz Schutzräume und Zuweisung
- Aktuelle Gefahrenlage: Lagebild Aktuelle Gefahrenlage der Schweiz
- Alertswiss Bei Gefahr richtig reagieren
- Alertswiss Gefahren kennen
- Alertswiss FAQ – Alarmstufen
- BABS Die Sirenen zur Alarmierung
- BABS Notfalltreffpunkte
- BABS Radio im Krisenfall (IBBK)
- BWL Kluger Rat, Notvorrat
- Naturgefahrenportal Verhalten bei Hochwasser
- SED/ETH Zürich Verhalten bei Erdbeben