Schutz bei Erdbeben
Auf Aktualität geprüft am 30.06.2026
Bei einem Erdbeben gilt: Ducken, Schützen, Festhalten – sofort auf Hände und Knie, unter einen stabilen Tisch, Kopf und Nacken schützen und festhalten, bis die Erschütterung vorbei ist. Nicht ins Freie rennen und keinen Lift benutzen. Die meisten der jährlich rund 20–30 in der Schweiz spürbaren Beben sind harmlos; gefährlich sind herabfallende Gegenstände.
Erdbeben sind in der Schweiz häufiger als viele denken, starke aber selten. Am stärksten exponiert sind das Wallis, die Region Basel, Graubünden und das St. Galler Rheintal. Verletzungen entstehen fast immer durch herabfallende Objekte – Regale, Schränke, Glas – nicht durch das Beben selbst. Erdbeben sind nicht vorhersagbar; deshalb zählt, im entscheidenden Moment richtig zu reagieren.
Aktuelle Lage: Prüfen Sie im Lagebild, ob derzeit Warnungen zu dieser Gefahr bestehen.
Vorher: Wohnung sichern
- Schwere Regale, Schränke und den Boiler an der Wand verankern
- Keine schweren Gegenstände über Betten und Sofas hängen/stellen
- Schwere Objekte auf untere Regalbretter, Fluchtwege frei halten
- Familien-Treffpunkt und Notfallplan vereinbaren
- Wissen, wo Gas-, Wasser- und Stromabsperrung sind
- Notgepäck und Notvorrat bereithalten
Während: die Regel «Ducken, Schützen, Festhalten»
Das Prinzip Ducken, Schützen, Festhalten wird von Fachstellen wie FEMA, USGS, dem Roten Kreuz und der Erdbebenübung ShakeOut empfohlen; Alertswiss beschreibt dasselbe Vorgehen. Der Grund: Bei modernem Baustandard sind herab- und umherfliegende Gegenstände die häufigste Verletzungsursache – Kopf und Nacken zu schützen ist deshalb die wichtigste Einzelmassnahme. Ein starkes Beben kann das Gehen unmöglich machen, weshalb Hinlegen und Festhalten sicherer ist als der Versuch, zu fliehen.
Hält sich der Tisch in Bewegung, mit ihm mitrücken. Verrutscht das Möbel, weiter festhalten und den Kopf geschützt halten.
- DUCKEN: sofort auf Hände und Knie hinunter
- SCHÜTZEN: unter einen stabilen Tisch, Kopf und Nacken schützen
- FESTHALTEN: am Möbel festhalten, bis das Beben vorbei ist
- Nicht ins Freie rennen, keine Lifte benutzen
- Im Freien: Abstand zu Gebäuden, Mauern und Leitungen halten
| Wo du bist | Richtiges Verhalten |
|---|---|
| Drinnen | Ducken, Schützen, Festhalten unter stabilem Tisch; weg von Fenstern; im Gebäude bleiben |
| Im Bett | Liegen bleiben, Kopf mit Kissen schützen |
| Hochhaus / Obergeschoss | Auf der Etage bleiben, keinen Lift, nicht ins Treppenhaus drängen |
| Im Auto | Anhalten – weg von Brücken, Masten, Bäumen und Leitungen; Handbremse, im Auto bleiben |
| Im Freien | Auf offene Fläche, weg von Gebäuden, Bäumen und Leitungen |
| Im Rollstuhl | Räder und Bremse arretieren, Kopf und Nacken schützen |
Grundprinzip überall: Kopf und Nacken schützen und während des Bebens nicht ins Freie rennen. In Kino oder Stadion nicht zu den Ausgängen drängen, sondern an Ort ducken.
Nachher: nach dem Beben
Nach dem Hauptbeben ist mit Nachbeben zu rechnen – bei einem Nachbeben wieder Ducken, Schützen, Festhalten. Bei Gasgeruch keine Flamme entzünden und keinen Lichtschalter betätigen.
- Auf Verletzungen prüfen und Erste Hilfe leisten; festes Schuhwerk gegen Glasbruch anziehen
- Gas, Wasser und Strom prüfen, bei Schaden oder Gasgeruch abstellen
- Über Batterieradio und Alertswiss informieren; auf Nachbeben gefasst sein
- Beschädigte Gebäude verlassen und nicht wieder betreten
- Telefonnetz für Notrufe freihalten, per SMS melden
- Verschüttete nur bergen, wenn es gefahrlos möglich ist
Was tun, wenn ich verschüttet bin?
Bleibst du nach einem Einsturz eingeschlossen, zählt vor allem Ruhe: Energie und Atemluft sparen. Schütze Mund und Nase mit einem Tuch gegen Staub und wirble keinen Staub auf. Schreie nicht herum – das kostet Kraft und lässt Staub einatmen.
Mache mit einem Gegenstand in Intervallen Klopfzeichen an ein Rohr oder eine Wand; Rettungskräfte orten Klopfen zuverlässig. Eine Pfeife ist besser als Rufen, und versuche eine SMS abzusetzen. Stosse nichts weg, das die Struktur stützt. Schreien ist nur das letzte Mittel, wenn Retter in Hörweite sind.
Die oft genannten 72 Stunden sind eine operative Rettungs-Faustregel (die ersten 48–72 Stunden gelten als kritischstes Fenster) – keine Naturkonstante. Auch danach werden noch Überlebende gefunden. Diese 72 Stunden sind nicht mit dem 72-Stunden-Selbstversorgungsvorrat zu verwechseln.
Hinweis zum Crush-Syndrom (medizinischer Hinweis, ersetzt keine ärztliche Beratung): Wird ein Körperteil lange eingeklemmt (ab etwa einer Stunde), kann Muskelgewebe zerfallen (Rhabdomyolyse). Ein plötzliches Befreien schwemmt dann Kalium und Myoglobin in den Kreislauf und kann lebensbedrohliche Herzrhythmus-, Nieren- und Kreislaufstörungen auslösen. Laien sollten eine länger eingeklemmte Person daher NICHT eigenmächtig rasch befreien, sondern den Notruf 144 wählen – die Rettungskräfte treffen die nötige medizinische Vorbereitung.
Widerlegte Mythen
- «Triangle of Life» (sich neben statt unter ein Möbel legen): vom USGS ausdrücklich als irreführende Idee zurückgewiesen und von FEMA und dem Roten Kreuz abgelehnt. Sie beruht auf einem Pancake-Einsturz in der Türkei und lässt sich nicht auf moderne Bauten übertragen.
- Türrahmen als Schutz: überholt. Moderne Türrahmen sind nicht stabiler als der Rest des Gebäudes, eine schwingende Tür kann verletzen und vor herabfallenden Objekten schützt der Rahmen nicht.
- Während des Bebens nach draussen rennen oder den Lift nehmen: gefährlich – Fassadenteile und Glas fallen herab, Lifte können blockieren.
Was gehört zur Notausrüstung bei Erdbeben?
Vieles ist Befestigung statt Ausrüstung – der beste Erdbebenschutz im Haushalt ist gesichertes Mobiliar.
- Möbelwinkel, Spanngurte und Sicherungsketten für Regale, Schränke, Boiler
- Feste Schuhe und Handschuhe griffbereit neben dem Bett (Glasbruch!)
- Stirnlampe und Pfeife am Bett (Aufmerksamkeit auf sich ziehen)
- Staubmaske (FFP) gegen Staub bei einem Einsturz
- Notgepäck mit Wasser, Verpflegung, Erste-Hilfe-Set und Powerbank
- Werkzeug, um Gas-/Wasserhaupthahn zu schliessen
Häufige Fehler
- Während des Bebens nach draussen rennen (Gefahr durch herabfallende Fassaden/Glas)
- Den Lift benutzen
- In einen Türrahmen stellen statt unter einen stabilen Tisch (in modernen Bauten überholt)
- Eine lange eingeklemmte Person eigenmächtig rasch befreien (Crush-Syndrom) statt 144 zu rufen
- Schwere Möbel und den Boiler nie gesichert zu haben
- Beschädigte Gebäude trotz Nachbebengefahr wieder betreten
Häufige Fragen
Was tun während eines Erdbebens?
Drinnen: in Deckung (stabiler Tisch), festhalten, weg von Fenstern, im Gebäude bleiben. Draussen: draussen bleiben, Abstand zu Gebäuden/Masten/Bäumen. Im Auto: anhalten, drinnen bleiben, nicht auf Brücken/in Tunneln.
Ist die Schweiz überhaupt erdbebengefährdet?
Ja, überall möglich. Erhöht laut SED vor allem Wallis (höchste), Region Basel, Graubünden, St. Galler Rheintal. Stärkstes historisches Beben: Basel 1356.
Was mache ich unmittelbar nach dem Beben?
Mit Nachbeben rechnen, auf Verletzungen prüfen, beschädigte Gebäude vorsichtig verlassen, Aufzüge meiden, über Alertswiss/Radio informieren.
Soll ich mich in einen Türrahmen stellen?
Nein, das ist überholt. Moderne Türrahmen sind nicht stabiler als der Rest des Gebäudes, eine schwingende Tür kann verletzen und vor herabfallenden Objekten schützt sie nicht. Besser unter einen stabilen Tisch ducken. Auch die «Triangle of Life»-Methode ist vom USGS widerlegt.
Was tun, wenn ich verschüttet bin?
Ruhe bewahren, Energie sparen, Mund und Nase gegen Staub schützen und in Intervallen an ein Rohr oder eine Wand klopfen – Rettungskräfte orten Klopfen. Nicht herumschreien. Eine lange eingeklemmte Person sollte wegen des Crush-Syndroms nicht eigenmächtig rasch befreit, sondern über 144 gemeldet werden.
Offizielle Quellen
- Übersicht: Schutz bei Gefahren Alle Schutz-Anleitungen im Überblick
- Erdbebendienst SED Aktuelle Beben & Vorsorge
- BABS Vorsorge Erdbeben
- Szenario: Erdbeben Hintergrund & historische Beben