Szenarien-Spiele

Blackout — 72 Stunden

«Blackout — 72 Stunden» ist ein kostenloses, textbasiertes Entscheidungsspiel, in dem du einen dreitägigen Stromausfall in der Schweiz durchspielst. Jede Entscheidung — Kerze oder LED, drinnen kochen oder frieren, losfahren oder bleiben — hat realistische Folgen. Das Szenario basiert auf dem Gefährdungsdossier Stromausfall des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) sowie auf ausgewerteten realen Stromausfällen; die Todesursachen im Spiel sind keine Erfindung, sondern die statistisch häufigsten.

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  • 12 Liter Wasser + Filter
  • 6 Tage Essen
  • Stirnlampe & LED-Laterne
  • Schlafsack, Wolle, Campingkocher
  • Kurbelradio & PMR-Funk
  • CHF 200 Bargeld
  • 1,5 Liter Mineralwasser
  • Essen für gut einen Tag
  • Handy als einzige Lampe
  • Duftkerzen & ein Kugelgrill
  • Kein Funk, kein Radio
  • CHF 12.50 in Münz

Warum 72 Stunden?

72 Stunden sind kein Zufall, sondern die kritische Schwelle. Das BABS-Referenzszenario rechnet mit einem grossflächigen Stromausfall von 2 bis 4 Tagen — lang genug, dass Kommunikation, Wasser, Zahlungsverkehr und Kühlkette nacheinander zusammenbrechen, aber kurz genug, dass die staatliche Notversorgung gerade erst anläuft. Die deutsche TAB-Studie zeigt: Erst gegen Ende der ersten Woche kippt die Lage endgültig ins Katastrophale. Das Spiel endet bewusst kurz vor diesem Kipppunkt — an Tag 3, wenn sich entscheidet, wer vorbereitet war.

Das Phasenmodell dahinter.

Der österreichische Zivilschutzverband (ÖZSV) beschreibt einen Blackout in drei Phasen: Phase 1 (Stunden) — kein Strom. Phase 2 (Tage) — zusätzlich keine Kommunikation, kein Zahlungsverkehr, keine normale Wasserversorgung. Phase 3 (Wochen bis Monate) — das Wiederhochfahren dauert weit länger als der Ausfall selbst. Das Spiel spielt in Phase 1 und 2, wo die individuellen Entscheidungen den grössten Unterschied machen.

Was in 72 Stunden wirklich passiert

  1. Stunde 0–4: Der stille Zusammenbruch.

    Zuerst wirkt alles harmlos — kein Licht, sonst Ruhe. Doch das täuscht. Das Mobilfunknetz fällt schon nach rund 30 Minuten aus: Die Batterien der Swisscom-Hauptantennen halten nur etwa eine Stunde. Das Festnetz überbrückt rund 4 Stunden, danach ist für die meisten Menschen jede Kommunikation weg — auch der Notruf. Die Notrufzentralen sind bereits in den ersten Minuten überlastet; wer mehrere Verletzte hat, wartet zu lange auf Hilfe. Zahlungsverkehr und Tanken sind sofort tot: Karten, Bancomaten, Kassen und Zapfsäulen brauchen Strom — nur Bargeld zählt. Und weil die Ampeln aus sind, häufen sich Verkehrsunfälle vor allem an Tag 1. (Quellen: BABS-Dossier; real bestätigt Berner Oberland/Wallis, April 2024.)

  2. Nacht 1: Kerzen und trockene Hähne.

    Mit der Dunkelheit kommt der erste vermeidbare Fehler: Kerzen. Das BABS-Dossier führt für das Stromausfall-Szenario mehrere Brände durch unsachgemäss genutzte Kerzen auf — abends und nachts, mit Rauchvergiftungen als Folge. Der österreichische Zivilschutzverband stuft Kerzen als hohe Brandgefahr ein und rät zu Lichtquellen ohne Feuer. Gleichzeitig versiegt das Wasser in oberen Stockwerken und Hanglagen zuerst: Ohne Pumpstrom trägt der Druck nur begrenzt nach oben (rund 1 bar pro 10 Höhenmeter), Reservoirs überbrücken nur Stunden. (Quellen: BABS-Dossier; ÖZSV-Ratgeber.)

  3. Tag 2: Das System bröckelt.

    Nach 24 Stunden ist das Gesundheitswesen erheblich beeinträchtigt — Spitäler laufen im Notbetrieb, Dialysezentren und Heime werden teils geräumt, Praxen und Apotheken bleiben zu. Im BABS-Szenario sind rund 700'000 Personen zwei Tage ohne normale Versorgung. Jetzt beginnt auch die Kühlkette zu kippen: Kühl- und Gefriergut verdirbt, Lebensmittelvergiftungen nehmen zu. (Quellen: TAB-Studie — die 24-Stunden-Aussage stammt von dort; BABS-Dossier für die 700'000 — Projektion.)

  4. Nacht 2: Die Versuchung wächst.

    Es wird kälter, die Nerven liegen blank — und genau jetzt kommt die gefährlichste Idee auf: das Notstromaggregat oder den Grill nach drinnen zu holen. Die NEJM-Studie zeigt, dass die Verzweiflung genau in dieser Phase (Tag 2–3) zur tödlichen Handlung wird. (Quelle: Worsham et al., NEJM 2022.)

  5. Tag 3: Der Peak — und die erste Hilfe.

    Der dritte Tag ist statistisch der gefährlichste für Kohlenmonoxid-Vergiftungen: Bei grossen, mehrtägigen Stromausfällen peaken CO-Notaufnahmen an Tag 3 — rund 9-fach über dem Normalwert. Gleichzeitig läuft die staatliche Notwasserversorgung spätestens nach 3 Tagen an. Für viele ist es das Ende des Ausnahmezustands — für die Unvorbereiteten der gefährlichste Moment. (Quellen: NEJM 2022; BABS-Dossier.)

Die tödlichsten Fehler

  • Verbrennungsgeräte in Innenräumen (Kohlenmonoxid).

    Der stille Killer. Notstromaggregate, Holzkohlegrills, Gaskocher und Autos in geschlossenen Räumen produzieren geruchloses Kohlenmonoxid. Die NEJM-Studie belegt den CO-Peak an Tag 3 grosser, mehrtägiger Ausfälle; in Texas 2021 gingen 19 Todesfälle (7,7 % von 246 bestätigten Toten) auf CO zurück. Nie drinnen, nie in der Garage, nie im Keller.

  • Die brennende Kerze beim Einschlafen.

    Das BABS-Dossier nennt für das Stromausfall-Szenario mehrere Brände durch unsachgemäss genutzte Kerzen — abends und nachts, mit Rauchvergiftungen als Folge. Eine vergessene Kerze reicht. Der ÖZSV stuft Kerzen als hohe Brandgefahr ein und empfiehlt LED-Leuchten als sichere Alternative: «Bevorzugen Sie Lichtquellen ohne Feuer!» — sie brennen tagelang und setzen nichts in Brand.

  • Der Sturz im dunklen Treppenhaus.

    Ohne Licht wird jede Treppe zur Falle. In Texas 2021 entfielen 3,7 % der Todesfälle auf Stürze — inklusive tödlicher Spätfolgen wie Lungenembolie und Hirnblutung, die Tage später auftraten. Eine Stirnlampe am Griffbereit-Ort und markierte Stufen verhindern das.

  • Losfahren bei toten Ampeln (Tag 1).

    Wenn die Ampeln ausfallen, steigen die Verkehrsunfälle sprunghaft — im BABS-Szenario ein Haupttreiber der Opferzahlen, besonders am ersten Tag. In Texas 2021 waren 8,9 % der Todesfälle Verkehrsunfälle. Jede unnötige Fahrt ist ein Risiko: Bleib, wenn du kannst.

  • Die verdorbene Kühlware.

    Ab Tag 2 kippt die Kühlkette. Wer verdorbenes Kühl- oder Gefriergut isst, riskiert eine Lebensmittelvergiftung — im BABS-Szenario eine der genannten Todesursachen, und ohne funktionierendes Gesundheitswesen doppelt gefährlich. Kühlschrank geschlossen halten, im Zweifel wegwerfen, auf haltbaren Vorrat setzen.

  • Der stille Tod der Verletzlichen.

    Die meisten Blackout-Opfer sterben nicht spektakulär, sondern still an Krankheit. Die Auswertung des New Yorker Blackouts von 2003 (Anderson & Bell, Epidemiology 2012) fand rund 90 Übersterblichkeits-Tote während des Blackouts (Gesamtsterblichkeit +28 %) — offiziell gezählt waren nur 6. Krankheitstote stiegen um 25 %, und die meisten Toten starben an verschlimmerten Vorerkrankungen. Betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Personen mit strombetriebenen Medizingeräten.

Funk im Blackout — deine Rückfallebene

Wenn Mobilfunk nach 30 Minuten und Festnetz nach 4 Stunden weg sind, bleibt Funk. Vier Ebenen, die im Spiel wie in der Realität zählen:

  • UKW-Notradio (Empfang). Das Wichtigste zuerst: ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio. Der Bund betreibt die geschützte Notfallradio-Infrastruktur IBBK über gehärtete UKW-Sender — empfangbar sogar in Kellern und Schutzräumen. Erster Informationskanal in der Deutschschweiz: Radio SRF 1. Die SRG sendet seit Ende 2024 nicht mehr auf UKW, Privatsender und das Bundes-Notfallradio nutzen UKW aber weiter.
  • PMR446 (lizenzfrei, sprechen). Handliche Geräte ohne Lizenz, 16 Kanäle, Reichweite im Dorf 1–3 km. Konvention: Kanal 8 mit Subton 16 (CTCSS 114,8 Hz) ist der europäische Wander-Notrufkanal — eine Konvention, keine amtliche Vorgabe.
  • CB-Funk (lizenzfrei, mehr Reichweite). Seit 2013 bewilligungsfrei. Kanal 9 (27,065 MHz) ist der traditionelle Not- und Anrufkanal (in der Romandie dient Kanal 4 als Anrufkanal). Grössere Reichweite als PMR446, dafür grössere Geräte.
  • Amateurfunk (Lizenz nötig). Die belastbarste Ebene: 145,500 MHz ist die schweizweite 2-m-FM-Anruffrequenz. Senden erfordert eine BAKOM-Lizenz (HB3/HB9) — nur im echten Notfall darf jede Person einen Notruf über Funk absetzen.

OPSEC-Merksatz (im Spiel wie im Ernstfall): Funk ist offen — jeder in Reichweite hört mit. Gib nie deine Adresse zusammen mit deinen Vorräten im Klartext durch. Vereinbare Treffpunkte und Codewörter vorab, nenne Positionen neutral, und trenne die Information «wo ich bin» von «was ich habe».

Mehr dazu in unserem Funk-Bereich: Notradio PMR446 & CB Amateurfunk

Häufige Fragen

Ist das Szenario realistisch?

Ja — soweit ein Spiel das sein kann. Der Ablauf folgt dem Gefährdungsdossier Stromausfall des BABS (Referenzszenario 2–4 Tage), die Todesursachen entsprechen den statistisch häufigsten aus realen Ausfällen. Transparenz-Hinweis: Das BABS-Referenzszenario spielt im August; unser Winter-Setting entspricht eher der Intensität «extrem» (5–7 Tage), und die Kälte-Todesarten stammen aus dem Texas-Wintersturm 2021 — die Kombination ist bewusst gewählt und im Methodik-Kasten offengelegt. Wichtig: Die Opferzahlen des BABS sind eine Szenario-Projektion, keine gemessenen Schweizer Ereigniszahlen. Bewusst weggelassen haben wir «Mad Max»-Klischees: Selbst beim italienischen Blackout 2003 (55 Mio. Betroffene) gab es nur vereinzelte Plünderungen, keine flächigen.

Woher stammen die Zahlen?

Aus fünf verifizierten Quellen: dem BABS-Gefährdungsdossier Stromausfall, der deutschen TAB-Studie (2011), dem Ratgeber des österreichischen Zivilschutzverbands (ÖZSV) sowie zwei empirischen Auswertungen realer Ereignisse — dem Texas-Wintersturm 2021 (DSHS-Abschlussbericht) und den New-York-Blackouts 1977/2003 (Anderson & Bell 2012; Worsham et al., NEJM 2022). Jede Zahl im Spiel ist attribuierbar.

Warum stirbt man im Spiel?

Weil man im echten Blackout stirbt — an denselben Ursachen. Die Todesarten im Spiel bilden die reale Statistik ab: Kohlenmonoxid (Peak an Tag 3 grosser Ausfälle), Kälte und verschlimmerte Vorerkrankungen, Brände durch offene Flammen, Verkehrsunfälle bei toten Ampeln, Stürze im Dunkeln. Das Spiel bestraft nicht willkürlich — es zeigt Konsequenzen.

Was bringt ein 72-Stunden-Vorrat wirklich?

Viel — aber sieh ihn als Untergrenze. Der ÖZSV empfiehlt sogar 10 bis 14 Tage Vorrat; die «vorbereitete» Figur im Spiel mit 72-Stunden-Vorrat ist also eher konservativ. Der Bund empfiehlt einen Notvorrat für rund eine Woche und 9 Liter Wasser pro Person. Notstromaggregate für Privathaushalte rät der ÖZSV wegen Brand- und CO-Gefahr ausdrücklich ab — LED-Leuchten und ein netzunabhängiges Radio bringen mehr Sicherheit.

Speichert das Spiel Daten?

Nein. Das Spiel speichert nichts: kein Cookie, kein Konto, keine Anmeldung, kein Tracking. Dein Spielstand steckt ausschliesslich in der Adresse (URL) dieser Seite — schliesst du den Tab, ist er weg. Du kannst die URL teilen oder als Lesezeichen sichern, um genau an dieser Stelle weiterzuspielen; sie enthält keine persönlichen Daten, nur deine bisherigen Entscheidungen.

Kommen weitere Szenarien?

Ja. In Vorbereitung sind eine Berg-Wanderung, die in den Ernstfall kippt, ein Hochwasser-Szenario im Mittelland und ein Dürre-/Waldbrand-Szenario. Alle nach demselben Prinzip: erst die Fakten, dann das Spiel.