Amateurfunk
Amateurfunk ist die belastbarste Kommunikationsform im Katastrophenfall: unabhängig, weltweit, mit eigener Notfunk-Community. In der Schweiz brauchst du dafür eine Prüfung beim BAKOM und ein Rufzeichen – der Einstieg (HB3) ist gut machbar.
HB3 oder HB9? Die zwei Lizenzwege
In der Schweiz gibt es zwei Amateurfunk-Lizenzklassen. Die HB3-Einsteigerlizenz entspricht der CEPT-Novice-Lizenz (T/R 61-02) und ist der schnellste Weg in den Funk. Die HB9-Lizenz ist die volle CEPT-/HAREC-Lizenz (T/R 61-01) und wird im Ausland breit anerkannt.
Beide Prüfungen nimmt das BAKOM (Bundesamt für Kommunikation, Biel) ab – nicht die Vereine. Geprüft werden die Fächer Technik sowie Vorschriften und Betrieb. Eine Morse-Prüfung ist seit Jahren keine Pflicht mehr und nur noch freiwillig.
- HB3 (Einsteiger): max. 50 W auf UKW (2 m und 70 cm), max. 100 W auf den Kurzwellenbändern 160 m, 80 m, 15 m und 10 m. Nur kommerzielle, unveränderte Geräte.
- HB9 (volle Lizenz): Zugang zu allen Schweizer Amateurbändern, bis zu 1000 W (band-/regelabhängig, oft tiefere Standardgrenzen), Selbstbau von Geräten erlaubt.
- Für Einsteiger: Mit HB3 darfst du auf Kurzwelle bereits andere Kontinente erreichen – der Einstieg ist also kein „Light-Funk“.
- Experten-Tipp: Die HB3→HB9-Aufstockung erfordert nur die volle Technikprüfung; das Fach Vorschriften ist für beide Klassen identisch und entfällt bei der Aufstockung.
Rufzeichen verstehen
Ein Schweizer Rufzeichen beginnt mit dem Landeskenner HB plus Klassenziffer und individuellem Suffix (ein bis drei Buchstaben), z. B. HB9XYZ.
- HB9 – volle Lizenz und Klubstationen
- HB3 – Einsteigerlizenz
- HB4 – militärische Amateurfunkstationen
- HE9 – Empfangsamateure (SWL), vergeben durch die USKA
- Achtung: HB0 gehört zu Liechtenstein, nicht zur Schweiz.
Simplex, Relais und Anruffrequenzen
Im Simplex-Betrieb funken zwei Stationen direkt auf derselben Frequenz – Reichweite etwa Sichtweite. Ein Relais (Repeater) steht meist erhöht, empfängt auf einer Frequenz und sendet zeitgleich auf einer zweiten wieder aus (Duplex). Dadurch verbindet es auch schwache Handgeräte über grosse Distanzen.
Dein Funkgerät sendet beim Relaisbetrieb mit einer Frequenz-Ablage (Shift). In der IARU-Region 1 – also auch in der Schweiz – beträgt die Ablage im 2-m-Band 600 kHz und im 70-cm-Band 7,6 MHz. Viele Relais öffnen zusätzlich nur mit einem unhörbaren CTCSS-Subton (z. B. 88,5 Hz).
- 2 m FM Anruf: 145,500 MHz – schweizweiter erster Anlaufpunkt auf UKW
- 70 cm FM Anruf: 433,500 MHz – lokal bis regional
- 2 m SSB Anruf: 144,300 MHz – grössere Distanzen ohne Relais (HB9)
- Für Einsteiger: Programmiere die Ablage und den CTCSS-Ton deines lokalen Relais einmal korrekt ein – danach genügt das Drücken der PTT-Taste.
- Experten-Tipp: Notfunk-Verkehr läuft bevorzugt über Simplex, um nicht von der Verfügbarkeit (Strom, Standort) eines Relais abzuhängen.
Notfunk in der Schweiz
Die USKA (Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure, gegründet 1929) ist der nationale Dachverband mit regionalen Sektionen und vertritt rund 3500 von etwa 5000 lizenzierten Funkamateuren. Sie koordiniert Notfunk – Funkverbindungen ohne öffentliches Strom- und Telekomnetz – und bildet dafür aus.
- Relaisstationen decken weite Teile der Schweiz ab; Kurzwelle erreicht ohne jede Infrastruktur andere Kontinente.
- Reichweiten sind Erfahrungswerte: 2 m/70 cm simplex wenige Kilometer (bebaut) bis über 30 km bei Sicht; über ein gut platziertes Relais regional bis rund 100 km; Kurzwelle kontinental bis weltweit, abhängig von Band, Tageszeit und Ausbreitung.
- Im echten Notfall darf jede Person – auch ohne Lizenz – einen Notruf über Funk absetzen. Im Alltag ist das Senden ohne Konzession nicht erlaubt.
- Für Einsteiger: Besuche eine Notfunk-Übung deiner USKA-Sektion, bevor du sie brauchst – Routine entscheidet im Ernstfall.
So startest du
- Einsteigerlizenz HB3 anpeilen (BAKOM-Prüfung)
- Kurs bei einer USKA-Sektion besuchen
- Mit UKW-Handfunkgerät & lokalem Relais starten
- Notfunk-Übungen der Sektionen mitmachen
Gut zu wissen
- Relaisstationen decken weite Teile der Schweiz ab
- Kurzwelle erreicht ohne Infrastruktur andere Kontinente
- Im Notfall dürfen auch Nicht-Funkamateure einen Notruf absetzen
Weiterführende Quellen
- USKA Verband & Notfunk
- BAKOM Lizenz & Prüfung
- Satellitenkommunikation Kommerzielle Satelliten-Alternative ohne Lizenz-/Aufbau-Aufwand