Familien-Notfallplan erstellen: Vorlage & Anleitung
Auf Aktualität geprüft am 05.07.2026
Ein Familien-Notfallplan hält schriftlich fest: zwei Treffpunkte (nah und ausserhalb), eine Kontaktliste mit Angehörigen, Schule und Nachbarn, wer die Kinder holt, verteilte Rollen für Kinder, ältere und hilfsbedürftige Personen, Haustiere und Medikamente sowie die Notrufnummern. Erstelle ihn einmal gemeinsam über die kostenlose Alertswiss-Vorlage, drucke ihn aus und übe ihn einmal pro Jahr.
Ein Familien-Notfallplan ist ein schriftliches Dokument, das die wichtigsten Fragen einer Notlage im Voraus klärt: Treffpunkte (einen in der Nähe, einen ausserhalb), wichtige Kontakte, wer die Kinder holt, wer welche Aufgabe übernimmt und was bei einer Evakuierung gilt. Das Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) stellt dafür über Alertswiss eine kostenlose Vorlage bereit, die drei Grundfragen beantwortet: «Wie kontaktiere ich meine Angehörigen? Wo gehe ich hin? Was nehme ich mit?». Wichtig ist, den Plan einmal gemeinsam zu erstellen, ihn auszudrucken (er muss auch ohne Strom lesbar sein) und ihn einmal pro Jahr mit allen – auch den Kindern – durchzuspielen.
Warum ein schriftlicher Plan?
Im Ereignisfall ist die Familie selten am gleichen Ort: Arbeit, Schule, unterwegs. Wenn dann etwas passiert, bleibt keine Zeit, in Ruhe zu überlegen, wer wen holt und wo man sich trifft. Ein Plan, der vorher gemeinsam abgemacht wurde, nimmt in genau diesem Moment den Druck heraus.
Der Plan muss auf Papier vorliegen. Genau in den Lagen, für die man ihn braucht – Stromausfall, überlastetes oder ausgefallenes Handynetz –, ist ein Plan, der nur auf dem Smartphone liegt, nicht abrufbar. Ausgedruckt gehört er in die Dokumentenmappe und ins Notgepäck.
Ein Plan ist kein einmaliges Papier für den Ordner, sondern ein lebendiges Dokument: Er wird gemeinsam erstellt, damit ihn alle kennen, und regelmässig aktualisiert, wenn sich Adressen, Telefonnummern, die Schule oder die Familiensituation ändern.
Dieser Plan ist die dauerhafte Grundlage für jede Lage. Wie ihr die konkreten ersten drei Tage einer Notlage organisiert und warum «72 Stunden» eine EU-Empfehlung ist (die offizielle Schweizer Vorratsempfehlung zielt auf rund eine Woche), steht in der Anleitung «72-Stunden-Plan für die Familie».
Welche Treffpunkte sollte ein Notfallplan festlegen?
Legt zwei Treffpunkte fest. Der erste liegt in der Nähe – etwa vor dem Haus oder an einer bekannten Ecke im Quartier – für den Fall, dass ihr die Wohnung rasch verlassen müsst und euch dort wiederfindet.
Der zweite liegt ausserhalb des Quartiers oder der Gemeinde, für den Fall, dass die nähere Umgebung nicht zugänglich ist (Sperrung, Evakuierung, Schadenlage). Wählt einen Ort, den alle kennen und der auch zu Fuss oder mit dem Velo erreichbar ist.
Notiert jeden Treffpunkt mit Adresse und einer einfachen Wegbeschreibung, die auch Kinder verstehen. Legt fest, wie lange man am Treffpunkt wartet, bevor man zum zweiten wechselt.
Kennt zusätzlich den Notfalltreffpunkt eurer Gemeinde: Das ist eine amtliche Anlaufstelle, die von Kanton und Gemeinde bei grösseren Ereignissen betrieben wird – dazu mehr in der Sektion zur Kommunikation.
Kontakte und die Person ausserhalb der Region
Führt eine Kontaktliste auf Papier: Familienmitglieder, Telefonnummern von Schule und Kita bzw. Betreuungspersonen, Nachbarn, Hausarzt, Arbeitgeber. Diese Angaben sind auch feste Bestandteile der Alertswiss-Notfallplan-Vorlage.
Eine Person ausserhalb der Region als zentrale Anlaufstelle: Bestimmt zusätzlich eine Kontaktperson, die weiter entfernt wohnt und bei der sich alle Familienmitglieder melden, sobald sie in Sicherheit sind. So laufen alle Informationen an einer Stelle zusammen, auch wenn sich die Familie nicht direkt erreicht. Der Gedanke dahinter: Bei einem lokalen Ereignis sind die Leitungen vor Ort oft überlastet, während eine Verbindung aus dem betroffenen Gebiet heraus eher zustande kommt. (Diese Praxis stammt aus internationalen Notfall-Ratgebern – US-Katastrophenschutz FEMA/Ready.gov – und ist in der Schweiz nicht amtlich vorgeschrieben; sie ist eine bewährte, einfache Ergänzung.)
Haltet die Notrufnummern griffbereit auf dem Plan: 112 (europäischer Notruf), 117 (Polizei), 118 (Feuerwehr), 144 (Sanität), 1414 (Rega), 145 (Tox Info Suisse, Vergiftungen).
Rollen und Verantwortlichkeiten verteilen
Wer holt die Kinder? Legt fest, wer im Ereignisfall die Kinder von Schule oder Kita holt – und wer als Zweites einspringt, falls die erste Person verhindert ist. Hinterlegt die Nummern von Schule und Betreuung im Plan und sprecht euch mit Nachbarn oder Bekannten ab; wo sinnvoll, könnt ihr Fahrgemeinschaften für die Kinder vereinbaren. (Eine formelle behördliche Vorgabe, wer abholberechtigt ist, gibt es in der Schweiz nicht einheitlich – die Abholregeln der Schule/Kita klärt ihr direkt mit der Institution.)
Ältere und hilfsbedürftige Personen: Wer kümmert sich um Angehörige, die auf Hilfe angewiesen sind? Notiert, wer sie im Ereignisfall kontaktiert oder aufsucht. Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen – etwa Medikamentenabhängigkeit, eingeschränkte Mobilität oder Hörbehinderung – gibt es eine eigene Anleitung.
Medikamente und Dokumente: Bestimmt, wer die persönlichen Medikamente und die Dokumentenmappe mitnimmt, und wo beides im Alltag liegt, damit es im Ernstfall schnell greifbar ist.
Haustiere: Klärt, wer sich um Haustiere kümmert, wer Transportbox und etwas Futter mitnimmt. In Notunterkünften sind Tiere nicht überall zugelassen – überlegt vorab eine Lösung.
Notgepäck: Legt fest, wer im Fall einer Evakuierung das Notgepäck nimmt. Was hineingehört, steht in der Anleitung «Notgepäck packen».
Wie kommuniziert die Familie, wenn das Netz weg ist?
Auf den Treffpunkt verlassen, nicht aufs Telefon: Der wichtigste Grund für feste Treffpunkte ist, dass ihr euch auch dann findet, wenn niemand erreichbar ist. Verlasst euch im Zweifel auf die abgemachte Treffpunkt-Regel statt auf eine Verbindung, die vielleicht nicht zustande kommt.
Kurze Textnachrichten statt Anrufe: Ist das Netz überlastet, kommt eine SMS eher durch als ein Sprachanruf, und man belegt die Leitungen weniger, die Rettungskräfte brauchen. Haltet Anrufe kurz und weicht auf Kurznachrichten aus. (Auch diese Regel stammt aus dem internationalen Katastrophenschutz FEMA/FCC; die Schweiz nennt sie nicht wörtlich, aber Alertswiss rät im Ereignisfall ebenfalls, die Telefonleitungen nicht unnötig zu belasten.)
Radio und Alertswiss für die Lage: Verhaltensanweisungen und Alarme laufen über Sirenen, Radio (UKW/DAB+) und Alertswiss (App und Website). Ein batteriebetriebenes Radio gehört deshalb in den Plan bzw. ins Notgepäck.
Notfalltreffpunkt der Gemeinde: Fällt die Kommunikation grossflächig aus – etwa bei langem Stromausfall –, ist der Notfalltreffpunkt die amtliche Anlaufstelle. Dort informiert die Gemeinde über die Lage, und es lassen sich Notrufe absetzen, wenn die üblichen Wege nicht funktionieren. Die Standorte sind auf der Karte des Bundes-Geoportals (map.geo.admin.ch, Ebene «Notfalltreffpunkte») abrufbar; sucht euren jetzt heraus und tragt ihn in den Plan ein.
Den Plan erstellen — Schritt für Schritt
- Alertswiss-Notfallplan-Vorlage holen (kostenloses PDF oder in der Alertswiss-App unter «Vorsorge»)
- Zwei Treffpunkte festlegen: einen in der Nähe, einen ausserhalb – je mit Adresse und einfacher Wegbeschreibung
- Kontaktliste ausfüllen: Familie, Schule/Kita, Nachbarn, Hausarzt, Arbeitgeber, Notrufnummern
- Person ausserhalb der Region als zentrale Anlaufstelle bestimmen und eintragen
- Rollen verteilen: wer holt die Kinder, wer kümmert sich um hilfsbedürftige Personen und Haustiere, wer nimmt Notgepäck, Medikamente und Dokumente
- Notfalltreffpunkt der Gemeinde heraussuchen (map.geo.admin.ch) und eintragen
- Plan ausdrucken – in die Dokumentenmappe und ins Notgepäck legen, jede Person kennt den Standort
- Plan gemeinsam durchgehen, damit alle ihn verstehen – danach einmal pro Jahr üben und aktualisieren
Üben und aktuell halten
- Einmal pro Jahr mit allen durchspielen – gerade mit Kindern: den Weg zum Treffpunkt gemeinsam ablaufen, die Rollen benennen
- Kindern altersgerecht erklären: welchen Treffpunkt sie ansteuern, wen sie anrufen, wie eine Notrufnummer funktioniert
- Plan aktualisieren, wenn sich Adressen, Nummern, Schule oder die Familiensituation ändern
- Ausgedruckten Plan im Notgepäck und in der Dokumentenmappe ersetzen, wenn er veraltet ist
- Persönlichen Notfallplan zusätzlich in der Alertswiss-App hinterlegen – Papier bleibt aber die verlässliche Grundlage
Häufige Fehler
- Den Plan nur im Kopf haben – im Ernstfall erinnert sich unter Stress niemand an alle Details
- Den Plan nur digital ablegen – bei Stromausfall oder leerem Akku nicht abrufbar
- Den Plan erstellen, aber nie mit den Kindern üben – ungeübt bleibt er im Ernstfall wirkungslos
- Nur einen einzigen Treffpunkt festlegen, der dann gesperrt oder unzugänglich ist
- Im Ereignisfall alle gleichzeitig telefonieren und das Netz zusätzlich überlasten
- Den Notfalltreffpunkt der eigenen Gemeinde nicht kennen
- Den Plan nie aktualisieren – veraltete Nummern und Adressen sind im Ernstfall wertlos
| Plan-Bestandteil | Inhalt / Beispiel |
|---|---|
| Treffpunkt nah | Ort im Quartier, mit Adresse + einfacher Wegbeschreibung (z. B. vor dem Haus) |
| Treffpunkt ausserhalb | Ort ausserhalb der Gemeinde, zu Fuss/Velo erreichbar, allen bekannt |
| Kontaktliste | Familie, Schule/Kita, Nachbarn, Hausarzt, Arbeitgeber – auf Papier |
| Person ausserhalb der Region | Zentrale Anlaufstelle, bei der sich alle melden (bewährte Praxis, nicht CH-amtlich) |
| Notrufnummern | 112 Euronotruf · 117 Polizei · 118 Feuerwehr · 144 Sanität · 1414 Rega · 145 Tox Info |
| Rolle: Kinder | Wer holt sie von Schule/Kita, wer springt ersatzweise ein |
| Rolle: hilfsbedürftige Personen | Wer kontaktiert/versorgt ältere oder pflegebedürftige Angehörige |
| Rolle: Haustiere | Wer nimmt Tier, Transportbox und Futter |
| Rolle: Notgepäck & Dokumente | Wer nimmt Rucksack, Medikamente und Dokumentenmappe |
| Notfalltreffpunkt Gemeinde | Amtliche Anlaufstelle, Standort via map.geo.admin.ch heraussuchen |
| Format & Pflege | Ausgedruckt in Dokumentenmappe + Notgepäck; jährlich üben und aktualisieren |
Vorlage und Bestandteile: Alertswiss-Notfallplan des BABS (alert.swiss). Notfalltreffpunkte: BABS / map.geo.admin.ch. Stand: Juli 2026.
Häufige Fragen
Was gehört in einen Notfallplan?
Zwei Treffpunkte (einer in der Nähe, einer ausserhalb), eine Kontaktliste mit Angehörigen, Schule/Kita und Nachbarn, die Festlegung, wer die Kinder holt, verteilte Rollen für hilfsbedürftige Personen, Haustiere, Notgepäck und Medikamente sowie die Notrufnummern (112, 117, 118, 144, 1414, 145). Das BABS stellt über Alertswiss eine kostenlose Vorlage bereit. Wichtig: ausdrucken und jährlich üben.
Warum eine Kontaktperson ausserhalb der Region?
Weil bei einem lokalen Ereignis die Telefonverbindungen vor Ort oft überlastet sind, während eine Verbindung aus dem betroffenen Gebiet heraus eher zustande kommt. Meldet sich jedes Familienmitglied bei einer entfernt wohnenden Person, laufen alle Informationen an einer Stelle zusammen, auch wenn ihr euch untereinander nicht direkt erreicht. Diese Praxis stammt aus internationalen Notfall-Ratgebern und ist eine einfache, bewährte Ergänzung.
Wie üben wir das mit Kindern?
Spielt den Plan einmal pro Jahr gemeinsam durch: den Weg zum Treffpunkt zusammen ablaufen, damit die Kinder ihn kennen. Erklärt altersgerecht, welchen Treffpunkt sie ansteuern, wen sie anrufen und wie eine Notrufnummer funktioniert. Regelmässiges, ruhiges Üben gibt Sicherheit – der Plan wird so vertraut, dass er im Ernstfall abrufbar ist.
Was, wenn das Handynetz ausfällt?
Verlasst euch dann auf die abgemachten Treffpunkte statt aufs Telefon – genau dafür sind sie da. Ist das Netz überlastet, aber nicht ganz tot, kommt eine kurze SMS eher durch als ein Anruf und belastet die Leitungen weniger. Für Lageinformationen dienen ein batteriebetriebenes Radio und Alertswiss; bei grossflächigem Ausfall ist der Notfalltreffpunkt der Gemeinde die amtliche Anlaufstelle.
Offizielle Quellen
- Alertswiss: Notfallplan (Vorlage & App) Kostenlose Vorlage des BABS
- Alertswiss: Notfallplan (PDF) Plan zum Ausdrucken
- BABS: Notfalltreffpunkte Amtliche Anlaufstellen erklärt
- Notfalltreffpunkte-Karte Standort der eigenen Gemeinde finden
- ch.ch: Notfälle und Notrufnummern Notrufnummern im Überblick
- Anleitung: 72-Stunden-Plan für die Familie Die ersten drei Tage konkret organisieren
- Anleitung: Notgepäck packen Was bei Evakuierung mitkommt
- Anleitung: Verhalten bei Sirenenalarm Den Alarm erkennen und richtig reagieren
- Anleitung: Spezielle Gruppen Hilfsbedürftige Personen, Medikamente, Alarmierung
- Anleitung: Beschäftigung in Krisen Struktur und Beschäftigung für Kinder
- Notfallkontakte Notrufnummern und wichtige Kontakte im Überblick