Anleitung · GUIDE 33

Beschäftigung in Krisen: Struktur und Halt ohne Strom

Auf Aktualität geprüft am 04.07.2026

Weil eine feste Tagesstruktur und sinnvolle Beschäftigung Halt geben, Stress abfedern und Kindern beim Verarbeiten helfen. Da Bildschirme bei einem Stromausfall ausfallen, brauchst du analoge Alternativen: Bücher, Brett- und Kartenspiele, Basteln, Musik, Gespräche. Lege dafür vorab ein kleines Beschäftigungs-Set bereit – ein Kartenspiel wiegt fast nichts.

Beschäftigung in einer Krise ist kein Zeitvertreib, sondern Stabilisierung. Eine verlässliche Tagesstruktur und sinnvolle Aktivität geben Halt, stärken den Zusammenhalt und helfen besonders Kindern, das Erlebte zu verarbeiten – anerkannte Fachstellen zählen «Beruhigung», «Verbundenheit» und «Selbstwirksamkeit» zu den Kernelementen psychischer Erster Hilfe. Weil bei einem längeren Stromausfall Fernseher, Konsole und irgendwann auch das Handy ausfallen, brauchst du analoge, stromunabhängige Alternativen: Bücher, Brett- und Kartenspiele, Basteln, Musik und Gespräche. Lege dafür vorab ein kleines «Beschäftigungs-Set» bereit. Dieser Guide ersetzt keine fachliche Beratung.

Warum ist Beschäftigung in der Krise wichtig?

In einer Krise bricht der gewohnte Alltag weg: keine Schule, keine Arbeit, kein Strom, viel ungefüllte Zeit und Ungewissheit. Genau dann gibt eine bewusst gestaltete Tagesstruktur Halt. Feste Zeiten für Essen, Aktivität und Ruhe schaffen Vorhersehbarkeit und ein Stück Normalität – das wirkt stabilisierend, für Erwachsene wie für Kinder.

Sinnvolle Beschäftigung, gemeinsame Aktivitäten und soziale Kontakte sind anerkannte Schutzfaktoren der psychischen Belastbarkeit (Resilienz). Sie sind keine Garantie gegen Angst oder Anspannung, aber sie geben Struktur, lenken von belastendem Grübeln ab und stärken das Gefühl, etwas selbst in der Hand zu haben. Fachstellen der psychischen Ersten Hilfe nennen «Beruhigung», «Verbundenheit» und «Selbstwirksamkeit» als Kernelemente.

Für Kinder ist Beschäftigung zusätzlich ein Weg der Verarbeitung: Sie erfassen belastende Ereignisse oft nicht über Worte, sondern über Spiel. Vertraute Spiele und Routinen signalisieren «die Welt ist im Kern noch in Ordnung» und helfen, das Erlebte einzuordnen.

Der praktische Haken bei einem Blackout: Die gewohnte Ablenkung läuft fast ausschliesslich über Bildschirme. Fällt der Strom aus, sind Fernseher und Spielkonsole sofort weg, und nach wenigen Stunden bis Tagen sind auch Handy- und Tablet-Akkus leer – gerade dann, wenn Zeit überbrückt werden muss. Deshalb braucht es analoge, stromunabhängige Alternativen.

Was kann ich ohne Strom gegen Langeweile tun?

  1. Bücher lesen und Kindern vorlesen; Geschichten und Erlebnisse erzählen
  2. Brett- und Kartenspiele (Jassen, Uno, «Eile mit Weile», Schach, Memory)
  3. Rätsel: Kreuzworträtsel, Sudoku, Rätselhefte, Wörter- und Ratespiele
  4. Zeichnen, Malen, Basteln, Handarbeit (Stricken, Falten, Werken)
  5. Schreiben: Tagebuch, Briefe, Geschichten – hilft auch beim Ordnen der Gedanken
  6. Musik: singen, ein Instrument spielen, gemeinsam musizieren
  7. Gemeinsam kochen und den Tisch decken – Aufgaben verteilen
  8. Einfache Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele (drinnen wie draussen)
  9. Für den Abend Licht einplanen: Stirnlampe, Kerzen oder Campinglampe (Brandschutz beachten)

Altersgerecht: was passt für wen

Kleinkinder und Kinder: einfache Spiele, Malen, Vorlesen, Singen. Wichtig sind vertraute Dinge – das Kuscheltier, das Lieblingsbuch – und feste Routinen (Essens-, Spiel-, Schlafenszeit). Nähe und ein ruhiger Tonfall der Bezugsperson beruhigen mehr als jede Erklärung.

Jugendliche: anspruchsvollere Spiele, Bücher, kreative Projekte. Es hilft, ihnen echte Verantwortung und Aufgaben zu übertragen (Geschwister betreuen, Vorrat organisieren, kochen) – das gibt Sinn und das Gefühl, gebraucht zu werden.

Erwachsene: Lesen, Karten- und Brettspiele, Handwerk, Gespräche. Bewusst Pausen von Nachrichten und Lageberichten einlegen; feste «Info-Zeiten» am Radio statt dauernder Beschäftigung mit der Bedrohung.

Seniorinnen und Senioren: vertraute Aktivitäten und vor allem Gesellschaft. Ältere Menschen – besonders allein Lebende – nicht isolieren: gemeinsam spielen, erzählen, nach ihnen sehen. Wer Sehen oder Hören eingeschränkt hat, profitiert von einfachen, gut greif- und hörbaren Aktivitäten.

Kinder: Krise gemeinsam durchstehen und verarbeiten

Kinder spüren die Stimmung der Erwachsenen sehr genau und richten sich danach. Bist du selbst ruhig und präsent, überträgt sich das – deine Verfassung wirkt oft stärker als deine Worte. Sorge zuerst für deine eigene Ruhe, dann für die des Kindes.

Erkläre altersgerecht und ehrlich, was los ist, statt das Geschehen zu verschweigen. Einfache, wahre Worte und Raum für Fragen geben mehr Sicherheit als Beschönigen. Falsche Vorstellungen ruhig richtigstellen.

Behalte vertraute Routinen so weit wie möglich bei – feste Essens-, Spiel- und Schlafenszeiten geben in unsicheren Zeiten Halt. Lass Zeit und Raum zum Spielen; über das Spiel verarbeiten Kinder das Erlebte.

Nähe, Zuwendung und körperliche Präsenz beruhigen. Kleine, altersgerechte Aufgaben («hilf mir, den Tisch zu decken», «du bist für die Taschenlampe zuständig») geben dem Kind ein Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit, wenn vieles unkontrollierbar wirkt.

  1. Selbst ruhig bleiben – Kinder orientieren sich an deiner Verfassung
  2. Altersgerecht und ehrlich erklären, was passiert, und Fragen zulassen
  3. Vertraute Routinen und feste Zeiten beibehalten (Essen, Spiel, Schlaf)
  4. Zeit zum Spielen geben – Spiel ist kindliche Verarbeitung
  5. Nähe und Zuwendung anbieten; vertraute Dinge (Kuscheltier, Lieblingsbuch) griffbereit
  6. Kleine, altersgerechte Aufgaben übertragen (stärkt Selbstwirksamkeit)
  7. Bei anhaltenden Auffälligkeiten Fachstelle beiziehen (siehe Abschnitt zu Warnzeichen)

Das analoge Beschäftigungs-Set vorbereiten

  1. Ein bis zwei Gesellschafts- oder Brettspiele bereitlegen, die alle kennen und mögen
  2. Ein Kartenspiel ergänzen – klein, leicht, für viele Runden geeignet
  3. Ein paar Bücher und ein Vorlesebuch für Kinder einplanen
  4. Mal- und Bastelmaterial: Papier, Stifte, Schere, Klebstoff
  5. Notizbuch und Stifte für Tagebuch, Briefe, Rätsel
  6. Ein Rätselheft (Kreuzworträtsel/Sudoku) und einen Ball oder Ähnliches für Bewegung
  7. Licht für den Abend nicht vergessen: Stirnlampe/Campinglampe plus Ersatzbatterien
  8. Für Kinder ein vertrautes Kuscheltier oder Lieblingsspielzeug bereithalten
  9. Fürs Notgepäck eine leichte Minivariante: ein Kartenspiel und ein Taschenbuch

Warnzeichen ernst nehmen: wann fachliche Hilfe?

Stress-, Angst- und Trauerreaktionen sind in und nach einer Krise normal und klingen meist mit der Zeit, mit Nähe und wiederkehrender Struktur ab. Beschäftigung und Routine unterstützen das, ersetzen aber keine fachliche Hilfe, wenn Belastungen bestehen bleiben.

Halten deutliche Veränderungen über die akute Phase hinaus an oder verstärken sie sich mit der Zeit – etwa dauerhafter Rückzug, anhaltende starke Angst, Schlafprobleme oder ein längeres Zurückfallen in frühere Verhaltensweisen bei Kindern –, und beeinträchtigen sie den Alltag, dann ist das ein Grund, eine Fachperson oder Fachstelle beizuziehen. Dies ist ein neutraler Hinweis, keine Diagnose.

Anlaufstellen in der Schweiz: Für Kinder und Jugendliche berät Pro Juventute rund um die Uhr und kostenlos unter 147 (Telefon 24/7; Chat und weitere Kanäle mit festen Zeiten). Erwachsene erreichen die Telefonseelsorge Die Dargebotene Hand rund um die Uhr unter 143 (Gespräch kostenlos, je nach Anbieter können Verbindungsgebühren anfallen). Bei einem medizinischen Notfall gilt der Sanitätsnotruf 144, bei akuter Gefahr die Polizei 117.

Häufige Fehler

  1. Sich allein auf Bildschirme und Akkus verlassen – sie fallen beim Blackout genau dann aus, wenn man die Ablenkung am dringendsten braucht
  2. Kein analoges Material vorbereitet: keine Spiele, Bücher oder Bastelsachen im Haus
  3. Den Tag ohne jede Struktur laufen lassen – das führt zu Langeweile, Reizbarkeit und Konflikten
  4. Kinder mit ihrer Angst allein lassen oder das Geschehen totschweigen, statt altersgerecht zu erklären
  5. Selbst angespannt und gehetzt wirken und meinen, die eigene Unruhe bleibe für die Kinder unbemerkt
  6. Ältere oder allein lebende Menschen vergessen und isolieren, statt sie einzubeziehen
  7. Beschäftigung als «Reparatur» missverstehen: Sie stabilisiert, ersetzt aber bei anhaltenden Auffälligkeiten keine fachliche Hilfe
Analoge Beschäftigung nach Altersgruppe
Altersgruppe Passende Aktivitäten Was besonders hilft
Kleinkinder / Kinder Vorlesen, Malen, einfache Spiele, Singen Vertraute Routinen, Kuscheltier, Nähe
Jugendliche Anspruchsvollere Spiele, Bücher, kreative Projekte Echte Aufgaben und Verantwortung
Erwachsene Lesen, Karten-/Brettspiele, Handwerk, Gespräche Feste «Info-Zeiten», bewusste Pausen von Lageberichten
Seniorinnen / Senioren Vertraute Aktivitäten, gemeinsames Spielen, Erzählen Gesellschaft, nicht isolieren

Grundprinzip für alle Altersgruppen: feste Tagesstruktur, gemeinsame Aktivität und soziale Nähe. Psychische Erste Hilfe für Laien – bei anhaltenden Auffälligkeiten Fachstelle beiziehen.

Häufige Fragen

Warum ist Beschäftigung bei einem Blackout wichtig?

Weil eine feste Tagesstruktur und sinnvolle Aktivität in einer Krise Halt geben, den Zusammenhalt stärken und helfen, mit Stress umzugehen. Da bei einem Stromausfall zuerst Fernseher und Konsole und bald auch Handy-Akkus ausfallen, brauchst du analoge, stromunabhängige Alternativen.

Was mache ich mit Kindern ohne Strom?

Vorlesen, Malen, einfache Brett- und Kartenspiele, Basteln, Singen und gemeinsam Geschichten erzählen. Wichtig sind vertraute Dinge und feste Zeiten. Über das Spiel verarbeiten Kinder das Erlebte, deshalb lohnt es sich, bewusst Zeit zum Spielen einzuräumen.

Wie helfe ich meinem Kind, eine Krise zu verarbeiten?

Bleib selbst möglichst ruhig – Kinder orientieren sich an deiner Verfassung. Erkläre altersgerecht und ehrlich, was passiert, behalte Routinen bei, gib Nähe und lass Zeit zum Spielen. Kleine Aufgaben stärken das Gefühl, etwas selbst tun zu können.

Welche Spiele und Bücher gehören ins Krisen-Set?

Ein bis zwei bekannte Gesellschafts- oder Brettspiele, ein Kartenspiel, ein paar Bücher und ein Vorlesebuch, dazu Mal- und Bastelmaterial sowie ein Notizbuch. Fürs Notgepäck genügt eine leichte Minivariante: ein Kartenspiel und ein Taschenbuch.

Wie behalte ich in einer Krise eine Tagesstruktur?

Halte feste Zeiten für Essen, Aktivität und Ruhe ein, so nah wie möglich am gewohnten Rhythmus. Plane den Tag grob, verteile Aufgaben und lege bewusst Pausen von Nachrichten ein – lieber feste «Info-Zeiten» am Radio als dauernde Beschäftigung mit der Bedrohung.

Wann sollte ich fachliche Hilfe suchen?

Wenn deutliche Reaktionen über die akute Phase hinaus anhalten oder sich verstärken – etwa dauerhafter Rückzug, anhaltende starke Angst oder Schlafprobleme – und den Alltag beeinträchtigen. In der Schweiz berät Pro Juventute Kinder und Jugendliche unter 147, Erwachsene erreichen die Dargebotene Hand unter 143; im medizinischen Notfall gilt 144.

Offizielle Quellen