Verhalten

Psychische Erste Hilfe und wo es professionelle Hilfe gibt

Selbsthilfe, kein Ersatz für ärztliche oder psychologische Behandlung. Bei akuter Lebensgefahr oder medizinischem Notfall zuerst 144 (Sanität) oder 112 anrufen. Bei akuter seelischer Not: 143 (Die Dargebotene Hand), für Kinder und Jugendliche 147.

Psychische Erste Hilfe ist die unmittelbare, menschliche Unterstützung nach einem belastenden Ereignis. Sie braucht keine Ausbildung — nur Aufmerksamkeit, Zuhören und das Wissen, wohin man weiterverweisen kann. Sie ist ausdrücklich kein therapeutisches Gespräch und kein „Debriefing".

Das Prinzip „Schauen – Zuhören – Verbinden" (WHO)

Das Schweizerische Rote Kreuz bietet hierzu Kurse im Programm ensa „Erste Hilfe für psychische Gesundheit" an (mit Pro Mente Sana). Das ensa-Programm nutzt einen eigenen Handlungsplan — gemeint ist dieselbe Idee: hinsehen, zuhören, verbinden.

  • Schauen: Auf Sicherheit achten, erkennen, wer Unterstützung braucht und wer ernsthaft (auch körperlich) gefährdet ist.
  • Zuhören: Auf Betroffene zugehen, präsent sein, zuhören und beruhigen — ohne zu drängen, das Erlebte zu erzählen.
  • Verbinden: Mit Grundbedürfnissen (Wasser, Wärme, Information), mit Angehörigen und mit passenden Diensten verbinden.
Achtung: Was psychische Erste Hilfe NICHT ist: keine Therapie, kein erzwungenes Nacherzählen, keine Diagnose. Niemand muss reden, der nicht will.

Care-Teams und Notfallpsychologie in der Schweiz

Nach grösseren oder besonders belastenden Ereignissen gibt es organisierte psychologische Nothilfe. Das Nationale Netzwerk Psychologische Nothilfe (NNPN) koordiniert im Auftrag des Bundes Standards für Care-Teams, Notfallseelsorge und Notfallpsychologie. Care-Teams werden über die Einsatzkräfte (z. B. Polizei) aufgeboten und betreuen Betroffene und Angehörige in der Akutphase.

Schweizer Anlaufstellen

  • 143 — Die Dargebotene Hand: rund um die Uhr, vertraulich und auf Wunsch anonym. Telefon, Chat, E-Mail. (Der Anruf kostet wenige Rappen; Chat und E-Mail sind kostenlos.)
  • 147 — Pro Juventute: für Kinder und Jugendliche, rund um die Uhr, kostenlos (erscheint nicht auf der Rechnung). Telefon, SMS, Chat, App.
  • Pro Mente Sana: kostenlose psychosoziale und rechtliche Beratung rund um psychische Gesundheit (zu festen Zeiten, nicht rund um die Uhr).
  • Hausärztin/Hausarzt: erste medizinische Anlaufstelle für anhaltende Belastung.
  • Seelsorge: in vielen Gemeinden und Spitälern verfügbar.
Achtung: Bei akuter Lebensgefahr (auch bei akuter Suizidgefahr): 144 (Sanität) oder 117 (Polizei) — sofort.

Nach dem Ereignis — was normal ist und wann du Hilfe holst

In den Tagen danach sind Reaktionen wie Schlafprobleme, wiederkehrende Bilder, Reizbarkeit, Rückzug oder Erschöpfung normal und klingen meist von selbst ab. Hole Hilfe, wenn Beschwerden über mehrere Wochen anhalten oder stärker werden, wenn Alltag/Arbeit/Beziehungen leiden, oder wenn Gedanken auftauchen, sich oder anderen etwas anzutun — dann sofort 143 anrufen, bei akuter Gefahr 144/117.

  • Für Einsteiger: Du musst nichts „richtig" sagen. Dableiben, zuhören und auf die richtige Nummer hinweisen ist echte Hilfe.
  • Experten-Tipp: Verzichte auf erzwungenes „Debriefing" direkt nach dem Ereignis. Stabilisieren, Grundbedürfnisse sichern, verbinden — und bei Bedarf an Profis weitergeben.

Weiterführende Verweise

Diese Inhalte dienen der Information und ersetzen keine ärztliche oder psychologische Behandlung. Halten Beschwerden an oder verschlimmern sie sich, hole Hilfe — bei akuter seelischer Not 143, bei akuter Lebensgefahr 144 oder 117.