Anleitung · GUIDE 34

Hygiene & Notfalltoilette ohne fliessend Wasser

Auf Aktualität geprüft am 05.07.2026

Halte die fäkal-orale Infektionskette an drei Stellen an: Hände sauber halten (Händedesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol, oder Seife und wenig Wasser – bei sichtbar schmutzigen Händen immer Seife), die WC-Schüssel bei Ausfall der Kanalisation nicht mehr spülen, sondern eine Notfalltoilette nutzen (Eimer, Müllbeutel, Einstreu, Deckel), und Ausscheidungen dicht verpackt, getrennt und abseits von Lebensmitteln lagern, bis die Entsorgung wieder funktioniert.

Wenn Wasser oder Strom ausfallen, wird Hygiene schnell zum kritischen Punkt: Ohne funktionierende Toilette und ohne Händewaschen verbreiten sich Krankheitserreger auf dem sogenannten fäkal-oralen Weg – aus dem Stuhl über Hände, Wasser und Lebensmittel zurück in den Mund. Die Weltgesundheitsorganisation nennt genau diese Kette als Hauptursache für Durchfallerkrankungen in Notlagen. Drei Dinge halten sie auf: Hände sauber halten (Händedesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol oder Seife und wenig Wasser), eine Notfalltoilette statt der nicht mehr spülbaren WC-Schüssel, und Ausscheidungen sicher verpacken und getrennt lagern. Der offizielle Schweizer Notvorrat listet Hygiene (Seife, WC-Papier) als eigene Kategorie – konkrete Mengen für ein Toiletten-Set gibt aber keine Behörde vor; die Richtwerte hier sind Erfahrungswerte.

Warum Hygiene in der Krise schnell kritisch wird

Ohne fliessendes Wasser und ohne funktionierende Toilette bricht die Sanitärkette – also Toilette, Sammlung und Entsorgung von Ausscheidungen. Dann können Krankheitserreger aus dem Stuhl über Hände, Wasser, Lebensmittel und Oberflächen zurück in den Mund gelangen. Diesen fäkal-oralen Übertragungsweg nennt die Weltgesundheitsorganisation als Kern des Problems: Durchfallerkrankungen entstehen meist dadurch, dass Ausscheidungen nicht sauber entsorgt werden.

Das Gegenmittel ist einfach und wirksam: Händewaschen mit Seife nach dem Toilettengang und vor dem Umgang mit Lebensmitteln unterbricht die Kette am zuverlässigsten. Zusammen mit einer sauberen Toilettenlösung und sicherer Entsorgung senkt es das Risiko für Durchfallerkrankungen deutlich.

Deshalb gehört Hygiene gleichrangig neben Wasser, Nahrung und Wärme in die Notfallvorsorge. Der Schweizer Notvorrat führt Hygiene (Seife, WC-Papier) ausdrücklich als eigene Kategorie – plane sie von Anfang an mit ein, nicht erst, wenn die Wasserversorgung schon steht.

Wie halte ich meine Hände ohne fliessendes Wasser sauber?

Regel für die Wahl: Sind die Hände sichtbar schmutzig oder fettig, oder hattest du Kontakt mit Ausscheidungen oder Erbrochenem, dann wasche mit Seife und wenig – notfalls abgefülltem oder abgekochtem – Wasser. Ist kein sauberes Wasser verfügbar und sind die Hände nicht sichtbar schmutzig, überbrücke mit alkoholbasiertem Händedesinfektionsmittel.

Alkoholgehalt: Händedesinfektionsmittel muss mindestens 60 Prozent Alkohol enthalten (Empfehlung der US-Gesundheitsbehörde CDC). Trage genug Produkt auf alle Handflächen auf und reibe es rund 20 Sekunden ein, bis die Hände trocken sind.

Grenzen der Desinfektion: Händedesinfektionsmittel wirken nicht zuverlässig bei sichtbar schmutzigen oder fettigen Händen und erfassen nicht alle Erreger – etwa Noroviren oder Cryptosporidien, typische Durchfallkeime. Gerade dann ist Seife und Wasser überlegen.

Wasser sparen: Eine behelfsmässige Handwaschstation aus einem grossen Wasserkanister mit Hahn spart Wasser – ein dünner Strahl genügt zum Einseifen und Abspülen. Für den Umgang mit Ausscheidungen und Abfall gehören Einweg- oder Haushaltshandschuhe ins Set.

Körper- und Zahnhygiene mit minimalem Wasser

Körper: Für die tägliche Reinigung reichen Feuchttücher, ein feuchter Waschlappen oder eine Katzenwäsche mit wenig Wasser (Gesicht, Achseln, Intimbereich, Füsse). Das hält Haut und Wohlbefinden intakt und verbraucht nur einen Bruchteil des Wassers einer Dusche.

Zähne: Zähneputzen ist auch mit sehr wenig Wasser möglich – ein kleiner Becher zum Ausspülen genügt. Zahnbürste und Zahnpasta gehören auf die Vorratsliste; im Notfall reinigt trockenes Putzen oder ein Kaugummi immer noch besser als gar nichts.

Wasser einplanen: Der offizielle Schweizer Richtwert von rund 3 Litern pro Person und Tag deckt Trinken und Kochen ab – Wasser für Körper- und Händehygiene ist darin nicht enthalten. Plane dafür zusätzliches Brauchwasser ein (Regen- oder Abwaschwasser reicht für die Körperwäsche; für die Hände vor dem Essen nach Möglichkeit sauberes Wasser).

Die Toilette bei Ausfall: spülen oder nicht?

Kurzer Stromausfall, Kanalisation intakt: Die Schwerkraft-Kanalisation funktioniert oft noch eine Weile. Der Spülkasten lässt sich einmalig mit Brauchwasser (Regen-, Abwaschwasser) von Hand füllen und auslösen. Das ist eine Übergangslösung, kein Dauerbetrieb.

Kanalisation oder Abwassersystem betroffen: Dann gilt: nicht mehr spülen und kein Wasser nachgiessen. Die Kanalisation braucht viel Durchfluss, um Fäkalien und Papier abzutransportieren; bei zu wenig Wasser drohen Verstopfung und im Extremfall Rückstau von Abwasser ins Haus. Stelle in diesem Fall auf eine Notfall- oder Campingtoilette um (nächste Sektion).

Hinweis zur Quellenlage: Die Umstellung auf eine beutelbasierte Ersatztoilette bei Kanalausfall ist fachlicher und behördlicher Konsens (deutsches BBK, US-Behörde CDC). Eine ausdrückliche «nicht spülen»-Regel der Schweizer Behörden (BABS/Alertswiss) gibt es dazu nicht – die Empfehlung stützt sich auf die Sanitär-Logik und auf ausländische Krisenratgeber.

Wie baue ich eine Notfalltoilette?

  1. Stabilen Eimer bereitstellen – ein Haushalts- oder Baueimer, üblich ist ein 5-Gallonen-Eimer (rund 19 Liter)
  2. Einen aufsetzbaren Toilettensitz oder Deckel auflegen, damit man sicher und bequem sitzt
  3. Den Eimer mit einem stabilen, reissfesten Müll- oder Plastiksack auskleiden (für Feststoff besser doppelt)
  4. Eine dünne Grundschicht Einstreu einfüllen: Katzenstreu, Sägemehl/Sägespäne, Rindenmulch, Sand, Holzasche oder fein zerkleinertes Zeitungspapier
  5. Nach jedem Gang eine Handvoll Einstreu darüberstreuen – das bindet Feuchtigkeit, deckt ab und hält Geruch und Fliegen zurück
  6. Den Deckel möglichst dicht schliessen, wenn die Toilette nicht benutzt wird
  7. Den Beutel bei etwa zwei Dritteln Füllung fest zuknoten und durch einen neuen ersetzen (nicht überfüllen – der Sack muss noch tragen)

Fest und flüssig trennen: das Zwei-Eimer-Prinzip

Wer es geruchsärmer und sauberer will, trennt Urin und Stuhl in zwei Eimer (von US-Behörden als «twin bucket»-System empfohlen): ein Eimer nur für Urin, ein zweiter – mit Beutel und Einstreu – nur für den Stuhl.

Warum trennen: Der grösste Teil des Geruchs entsteht erst, wenn Urin und Stuhl sich mischen. Getrennt bleibt der Feststoff trockener und lässt sich luftdicht verschliessen. Urin ist in der Regel keimarm und fällt in grösserer Menge an; er lässt sich verdünnt einfacher entsorgen. Der Stuhl enthält den Hauptteil der Bakterien und muss besonders sorgfältig behandelt werden.

Praktisch: Den Urin-Eimer regelmässig leeren (er braucht keinen Beutel); den Stuhl-Eimer nur mit Beutel und Einstreu betreiben und dicht verschlossen halten. Das reduziert Volumen, Geruch und Infektionsrisiko zugleich.

Ausscheidungen und Abfall sicher lagern und entsorgen

Verpacken: Vollen Beutel entnehmen, Luft herausdrücken und fest zuknoten; Feststoff-Beutel möglichst doppelt einpacken. Ziel ist ein geruchsdichter, reissfester Verschluss.

Zwischenlagern: Beutel nicht offen liegen lassen. In einem geschlossenen Behälter (z. B. einer eigens dafür bestimmten Tonne mit reissfestem Sack), kühl, abseits von Menschen, Lebensmitteln und Trinkwasser aufbewahren, bis die reguläre Entsorgung wieder funktioniert. So bleiben Geruch und Fliegen draussen und es kommt zu keiner Kontamination.

Nicht in den normalen Hausmüll: Menschliche Ausscheidungen gehören nicht einfach in den Restmüll – bestimme im Ernstfall einen separaten Behälter. Optional kann etwas Desinfektionsmittel zugegeben werden. Nach jedem Umgang mit Ausscheidungen oder Abfall die Hände waschen oder desinfizieren.

Menstruation, Babys und kranke Angehörige

Menstruation: Menstruationsprodukte gehören in den Vorrat – die humanitäre Nothilfe zählt sie ausdrücklich zur Basishygiene und weist darauf hin, dass der Nachschub oft vergessen wird. Plane den Bedarf für mehrere Zyklen, mit privater Möglichkeit zum Wechseln und diskreter, dichter Entsorgung. Auch das deutsche BBK führt «Monatshygiene» ausdrücklich auf seiner Hygiene-Vorratsliste.

Babys und Kleinkinder: Windeln, Feuchttücher und zusätzliche Hygieneartikel bevorraten. Schon kleinste Stuhlmengen enthalten sehr viele Keime – benutzte Windeln dicht verpacken, separat entsorgen und danach die Hände gründlich reinigen.

Kranke: Bei Durchfall oder Erbrechen im Haushalt konsequent Hände desinfizieren und Flächen reinigen, eigene Handtücher und wenn möglich eine eigene Toilettenlösung nutzen, um die fäkal-orale Weitergabe zu unterbrechen. Menschen mit besonderen Bedürfnissen: siehe die Anleitung für spezielle Gruppen.

Häufige Fehler

  1. Die WC-Schüssel bei ausgefallener Kanalisation weiterspülen oder Wasser nachgiessen – das führt zu Verstopfung und kann Abwasser ins Haus zurückdrücken
  2. Volle Beutel offen stehen lassen – zieht Fliegen an, verbreitet Geruch und Keime
  3. Menschliche Ausscheidungen in den normalen Hausmüll geben, statt einen separaten Behälter zu bestimmen
  4. Auf Händedesinfektionsmittel allein vertrauen, obwohl die Hände sichtbar schmutzig sind oder Kontakt mit Stuhl bestand – dann ist Seife und Wasser nötig
  5. Händedesinfektionsmittel mit zu wenig Alkohol verwenden (unter 60 Prozent) – wirkt unzuverlässig
  6. Urin und Stuhl im selben Eimer mischen – erzeugt den meisten Geruch und macht die Entsorgung schwerer
  7. Hygiene beim Notvorrat vergessen – Seife, WC-Papier, Müllbeutel und Einstreu gehören von Anfang an dazu
  8. Menstruationsprodukte, Windeln und Medikamente nur knapp bevorraten – gerade hier ist der Nachschub im Ereignisfall nicht garantiert
Was ins Hygiene- und Toiletten-Set gehört (Richtwerte pro Person)
Gegenstand Richtwert pro Person / Woche Zweck
Händedesinfektionsmittel (≥ 60 % Alkohol) 1 Flasche im Haushalt Hände, wenn kein sauberes Wasser da ist
Seife / Flüssigseife laufender Vorrat Händewaschen (wirksamster Schutz)
WC-Papier 1–2 Rollen Toilettenhygiene
Stabile Müll-/Plastiksäcke (reissfest) mehrere pro Tag Auskleidung Notfalltoilette, Entsorgung
Einstreu (Katzenstreu, Sägemehl, Sand, Holzasche) einige Liter Feuchtigkeit binden, Geruch abdecken
Feuchttücher / Haushaltspapier 1 Packung Körperwäsche, Reinigung ohne Wasser
Einweg- oder Haushaltshandschuhe 1 Packung Umgang mit Ausscheidungen und Abfall
Zahnbürste / Zahnpasta Grundausstattung Zahnhygiene
Menstruationsprodukte Bedarf mehrerer Zyklen Monatshygiene
Windeln / Babyhygiene (falls nötig) Tagesbedarf hochrechnen Säuglingshygiene

Mengen sind Erfahrungs- und Planungswerte, keine amtlichen Vorgaben. Der Schweizer Notvorrat (BABS/Alertswiss) nennt unter Hygiene qualitativ «Seife, WC-Papier», jedoch keine Stückzahlen; auch das deutsche BBK gibt eine Positivliste ohne Mengen. Grundhaltung: Vorrat für rund eine Woche, laufend verbrauchen und ersetzen.

Häufige Fragen

Darf ich die Toilette bei Stromausfall spülen?

Bei einem kurzen Stromausfall mit intakter Kanalisation kannst du den Spülkasten einmalig von Hand mit Brauchwasser füllen und auslösen. Ist die Kanalisation selbst betroffen oder droht Rückstau, spüle nicht mehr und giesse kein Wasser nach – zu wenig Durchfluss führt zu Verstopfung und kann Abwasser ins Haus zurückdrücken. Stelle dann auf eine Notfalltoilette um.

Wie baue ich eine Notfalltoilette?

Einen stabilen Eimer (üblich rund 19 Liter) mit einem aufsetzbaren Toilettensitz versehen, mit einem reissfesten Müllsack auskleiden und eine dünne Schicht Einstreu (Katzenstreu, Sägemehl, Sand, Holzasche oder zerkleinertes Zeitungspapier) einfüllen. Nach jedem Gang eine Handvoll Einstreu darüberstreuen und den Deckel schliessen. Bei etwa zwei Dritteln Füllung den Beutel zuknoten und ersetzen.

Wie werden Hände ohne fliessendes Wasser sauber?

Sind die Hände nicht sichtbar schmutzig, nutze ein Händedesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol und reibe es rund 20 Sekunden ein. Bei sichtbar schmutzigen oder fettigen Händen und nach Kontakt mit Ausscheidungen ist Seife und wenig Wasser überlegen – Desinfektionsmittel erfasst nicht alle Erreger, etwa Noroviren. Eine Handwaschstation aus einem Kanister mit Hahn spart Wasser.

Wie entsorge ich Ausscheidungen sicher?

Den Beutel fest zuknoten, Feststoff möglichst doppelt einpacken und in einem geschlossenen Behälter kühl, abseits von Lebensmitteln und Trinkwasser lagern, bis die reguläre Entsorgung wieder funktioniert. Menschliche Ausscheidungen nicht in den normalen Hausmüll geben – im Ernstfall einen separaten Behälter bestimmen. Danach Hände waschen oder desinfizieren.

Warum sollte ich Urin und Stuhl trennen?

Weil der meiste Geruch erst beim Mischen von Urin und Stuhl entsteht. Getrennt bleibt der Feststoff trockener und lässt sich dicht verschliessen, während der keimärmere Urin verdünnt einfacher entsorgt wird. Das Zwei-Eimer-Prinzip reduziert Volumen, Geruch und Infektionsrisiko zugleich.

Wie lange hält ein Hygiene-Vorrat?

Als Faustregel gilt – wie beim übrigen Notvorrat – ein Vorrat für rund eine Woche, der laufend verbraucht und ersetzt wird. Feste Mengen schreibt keine Schweizer Behörde vor; die Richtwerte in der Tabelle oben sind Erfahrungswerte. Menstruationsprodukte, Windeln und Medikamente grosszügiger planen, weil ihr Nachschub im Ereignisfall nicht garantiert ist.

Offizielle Quellen