Gefahr · Gesundheit

Trinkwasser-Kontamination

Befolgen Sie ein behördliches Abkochgebot strikt: Kochen Sie Wasser zum Trinken, Kochen und Zähneputzen mindestens 3 Minuten sprudelnd ab oder nutzen Sie Flaschenwasser. Wichtig – Abkochen tötet nur Krankheitserreger; besteht Verdacht auf eine chemische Verunreinigung, verwenden Sie das Leitungswasser gar nicht, sondern weichen auf sicheres Wasser aus anderer Quelle aus.

Trinkwasser kann durch Krankheitserreger (etwa E. coli, Enterokokken, Campylobacter, Noroviren) oder durch chemische Stoffe verunreinigt werden. Die häufigsten Auslöser in der Schweiz sind Starkregen und Hochwasser, die Schwemmstoffe und Abwasser in die Fassung spülen, sowie Leitungsdefekte und Rohrbrüche. Weil das Wasser oft erst auffällt, wenn schon viele Menschen erkrankt sind, ist eine Kontamination tückisch.

Verantwortlich für die Sicherheit sind der Wasserversorger, die Gemeinde und die kantonalen Labors bzw. der Kantonschemiker. Stellen sie eine Belastung fest, erlassen sie ein Abkochgebot und informieren die betroffene Zone; aufgehoben wird es erst, wenn das Wasser nachweislich wieder einwandfrei ist.

Wichtig zu wissen: Abkochen tötet Krankheitserreger zuverlässig ab, hilft aber NICHT gegen chemische Schadstoffe oder Schwermetalle. Bei einer chemischen Verunreinigung ist sicheres Wasser aus anderer Quelle (Flaschenwasser, Wasserwagen) nötig. Wie viel Wasser man vorrätig halten sollte und wie man es aufbereitet, zeigen die Anleitungen «Trinkwasser aufbereiten» und «Notvorrat anlegen».

Risiko-Einstufung

Risiko · Mittel (Stufe 3 von 5)

Eintrittswahrscheinlichkeit: Mittel · Schadensausmass: Mittel → Gesamtrisiko: Mittel.

Risikomatrix: senkrecht die Eintrittswahrscheinlichkeit (oben hoch), waagrecht das Schadensausmass (rechts hoch). Die markierte Zelle zeigt die Einstufung dieser Gefahr.
Schadensausmass
Gering Mittel Hoch
Eintritts­wahrscheinlichkeit Hoch
Mittel Einstufung dieser Gefahr
Gering

Legende: Gering (grün) · Mittel (gelb) · Hoch (rot). Das Gesamtrisiko ergibt sich aus Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmass.

Krankheitserreger oder Schadstoffe im Leitungswasser können ganze Versorgungszonen krank machen. Bei einem Abkochgebot zählt: Wasser abkochen oder auf sicheres Wasser ausweichen.

Sofortmassnahmen

  • Behördliches Abkochgebot strikt befolgen
  • Wasser sprudelnd abkochen oder Flaschenwasser nutzen
  • Bei chemischem Verdacht: Leitungswasser gar nicht verwenden

Warnanzeichen

  • Offizielles Abkochgebot von Wasserversorger, Gemeinde oder Kanton
  • Trübes, verfärbtes Wasser oder ungewöhnlicher Geruch/Geschmack (faulig, chemisch)
  • Gehäufte Magen-Darm-Erkrankungen (Durchfall, Erbrechen) in der Nachbarschaft
  • Vorausgehendes Hochwasser, Starkregen oder ein Rohrbruch im Versorgungsnetz
  • Bauarbeiten oder Reparaturen am Leitungsnetz mit anschliessend verändertem Wasser

Vorher · Während · Nachher

Vorher

  • Trinkwasservorrat anlegen (Empfehlung des Bundes beachten)
  • Aufbereitung kennen: Abkochen, Filter, Entkeimungsmittel (z. B. Micropur)
  • Informationskanäle des lokalen Wasserversorgers/der Gemeinde kennen

Während

  • Wasser zum Trinken/Kochen mindestens 3 Minuten sprudelnd abkochen (in grosser Höhe erst recht)
  • Auch Zähneputzen und Geschirrspülen mit abgekochtem oder sicherem Wasser
  • Bei chemischer Verunreinigung NICHT abkochen, sondern sicheres Wasser verwenden
  • Anweisungen von Wasserversorger und Behörden befolgen
  • Säuglingsnahrung nur mit sicherem Wasser zubereiten

Nachher

  • Abkochgebot erst nach offizieller Aufhebung beenden
  • Wasserhähne und Leitungen nach Anweisung gut durchspülen
  • Bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden ärztliche Hilfe suchen

Das ist real passiert

  1. 2022 Abkochbefehle in Berner Gemeinden

    Im Sommer 2022 mussten nach Starkregen mehrere Gemeinden im Berner Oberaargau (u. a. Herzogenbuchsee) wegen E.-coli- und Enterokokken-Befunden im Trinkwasser Abkochbefehle erlassen.

    Quelle
  2. 2019 Chlorothalonil im Grundwasser

    2019 wurden landesweit Abbauprodukte des Pestizids Chlorothalonil im Grundwasser nachgewiesen, vielerorts über dem Höchstwert von 0,1 µg/l. Das BLV stufte sie als gesundheitlich relevant ein; das Mittel ist seit 1. Januar 2020 verboten. Rund 80 % des Schweizer Trinkwassers stammen aus Grundwasser.

    Quelle
  3. 2015 Norovirus-Ausbruch über Trinkwasser

    Ein aussergewöhnliches Gewitter mit rund 60 mm Niederschlag in 75 Minuten führte zu einer Trinkwasser-Kontamination mit Noroviren; rund 1194 Menschen erkrankten, fünf mussten hospitalisiert werden.

    Quelle
  4. 2008 Campylobacter-Ausbruch über Trinkwasser

    Ein Trinkwasser-bedingter Campylobacter-jejuni-Ausbruch in der Schweiz führte zu rund 185 Erkrankten, eine Person musste hospitalisiert werden.

    Quelle

Häufige Fragen

Wie bereite ich mich auf eine Trinkwasser-Kontamination vor?

Legen Sie einen Trinkwasservorrat nach der Empfehlung des Bundes an und lernen Sie die Aufbereitung kennen: Abkochen, Filter und Entkeimungsmittel wie Micropur. Machen Sie sich mit den Informationskanälen Ihres lokalen Wasserversorgers und Ihrer Gemeinde vertraut, damit Sie ein Abkochgebot rasch mitbekommen.

Warum hilft Abkochen nicht gegen chemische Verunreinigungen?

Abkochen tötet Krankheitserreger wie E. coli, Enterokokken, Campylobacter oder Noroviren zuverlässig ab. Chemische Schadstoffe und Schwermetalle werden dabei aber nicht entfernt – durch das Verdampfen von Wasser können sie sich sogar aufkonzentrieren. Bei chemischem Verdacht ist deshalb sicheres Wasser aus anderer Quelle (Flaschenwasser, Wasserwagen) nötig, nicht abgekochtes Leitungswasser.

Woran erkenne ich, dass mein Trinkwasser belastet sein könnte?

Das wichtigste Signal ist ein offizielles Abkochgebot von Versorger, Gemeinde oder Kanton. Weitere Hinweise sind trübes oder verfärbtes Wasser, ungewöhnlicher Geruch oder Geschmack, gehäufte Magen-Darm-Erkrankungen in der Nachbarschaft sowie vorausgehendes Hochwasser, Starkregen oder ein Rohrbruch im Netz. Rund 80 % des Schweizer Trinkwassers stammen aus Grundwasser.

Offizielle Quellen