Wertsachen in Krisen: Was wirklich zählt
Stand: 29.09.2026
Das ändert sich mit der Dauer der Krise. Früh (Stunden bis Tage) zählen Bargeld in kleinen Noten, Trinkwasser, Licht, Treibstoff und ein batteriebetriebenes Radio. Spät (Wochen bis Monate) rücken Medikamente, Hygiene, Tauschgüter und Fertigkeiten in den Vordergrund. Bei einer Geldentwertung wie in Venezuela verliert Bargeld selbst seinen Wert – dann zählen Sachwerte und Tauschhandel.
Der Wert eines Gutes hängt nicht am Preisschild, sondern an der Lage. In einer normalen Woche zählt Geld; in einer Krise zählt, was Geld gerade nicht kaufen kann. Diese Rangfolge verschiebt sich mit der Zeit: In den ersten Stunden sind Bargeld, Treibstoff und Information gefragt, nach Wochen Medikamente, Tauschgüter und praktische Fertigkeiten. Im Extremfall – wie in Venezuela zwischen 2016 und 2021 – verliert das Geld selbst fast seinen ganzen Wert. Dieser Beitrag ordnet diese Werteverschiebung nüchtern ein. Er ist keine Anlageberatung, sondern eine Vorsorge-Perspektive: Wer versteht, was wann knapp wird, bevorratet gezielter. Es geht um Vorsorge, nicht um Panik.
Warum sich Werte in einer Krise verschieben
Wert ist relativ. Er hängt davon ab, wie knapp ein Gut im Verhältnis zum Bedarf ist. Im Alltag ist ein Liter Wasser praktisch gratis und ein voller Tank eine Selbstverständlichkeit. Fällt die Versorgung aus, kehrt sich das um: Dinge, die gestern nichts galten, werden zum Engpass – und Dinge, die als sicher galten (etwa der Saldo auf der Bankkarte), sind plötzlich nicht mehr erreichbar.
Entscheidend ist die Zeitachse. Menschen erkennen erst nach und nach, dass ein Problem ein grösseres Ausmass hat. Deshalb verschiebt sich auch der «Wert» von Gütern stufenweise: Zuerst wird gehortet, was den ersten Schock überbrückt (Bargeld, Wasser, Licht), später zählt, was eine länger andauernde Knappheit ausgleicht (Medikamente, Tauschgüter, Fertigkeiten).
Man muss zwei sehr unterschiedliche Krisentypen auseinanderhalten. Bei einer Versorgungskrise (z. B. langem Stromausfall) behält der Franken seinen Wert – nur die Güter werden knapp. Bei einer Geldkrise (Hyperinflation, Währungszusammenbruch) verliert das Geld selbst seinen Wert; dann zählen Sachwerte und Tauschhandel. Für die Schweiz ist der erste Fall die realistische Vorsorge-Perspektive, der zweite eher ein historisches Lehrbeispiel.
Geld kann wertlos werden: das Beispiel Venezuela
Venezuela erlebte von rund 2016 bis Ende 2021 eine Hyperinflation – über vier Jahre, in denen die Preise sich vielfach pro Monat verdoppelten. Auf dem Höhepunkt 2018/2019 lag die Jahresteuerung in der Grössenordnung von mehreren hunderttausend bis über einer Million Prozent (Schätzungen gehen je nach Quelle weit auseinander – der Internationale Währungsfonds nannte für 2018 rund 930'000 Prozent, die oppositionelle Nationalversammlung sogar rund 1,7 Millionen Prozent). Eine exakte Zahl gibt es nicht; belegbar ist nur die Grössenordnung.
Was das praktisch bedeutet: Bargeld verlor seinen Wert schneller, als man es ausgeben konnte. Der Staat strich in drei Währungsreformen (2008, 2018, 2021) über die Jahre insgesamt 14 Nullen von der Währung. Menschen wichen auf US-Dollar aus – bis September 2019 wurde rund die Hälfte aller Transaktionen im Land in Dollar abgewickelt – und auf Tauschhandel (spanisch trueque): Fisch gegen Mehl, Dienstleistung gegen Lebensmittel.
Wer tiefer einsteigen will: Der Journalist William Neuman, langjähriger Andenkorrespondent der New York Times, hat den Zusammenbruch in einem Sachbuch aufgearbeitet: Things Are Never So Bad That They Can't Get Worse: Inside the Collapse of Venezuela (St. Martin's Press, 2022). Es beschreibt Hyperinflation, Versorgungsengpässe und Alltag im wirtschaftlichen Kollaps aus erster Hand.
Einordnung für die Schweiz: Ein solcher Zusammenbruch ist hierzulande sehr unwahrscheinlich – der Schweizer Franken gilt als stabile Währung. Venezuela ist deshalb kein Schreckensszenario für den Alltag, sondern ein Lehrbeispiel dafür, dass «Wert» nichts Fixes ist. Die praktische Lehre ist nüchtern: etwas Bargeld zu Hause zu haben ist sinnvoll – aber Vermögensschutz gegen Geldentwertung ist eine Frage der Finanzplanung und nicht Gegenstand dieses Beitrags.
Wenn Alltagsgüter plötzlich knapp werden: Toilettenpapier 2020
Man braucht keinen Staatszerfall, damit sich Werte verschieben – eine Nachricht genügt. Im Frühjahr 2020 wurden auch in der Schweiz die Regale leergeräumt, besonders bei Toilettenpapier, aber auch bei Mehl, Hefe, Teigwaren, Reis, Konserven und Desinfektionsmittel. Die Hefe Schweiz AG produzierte in der dritten Märzwoche das Sechsfache ihrer üblichen Menge.
Wie heftig die Welle war, zeigen die Scannerdaten des deutschen Statistikamts (für die Schweiz gibt es keine veröffentlichten Wochenwerte je Produkt): Der Absatz von Toilettenpapier lag in der Woche vom 16. bis 22. März 2020 um 211 % über dem Durchschnitt der sechs Monate davor, Seife um 337 %, Desinfektionsmittel eine Woche früher sogar um 751 %. Drei Wochen später lag der Toilettenpapier-Absatz 29 % unter dem Normalwert. Die Haushalte hatten also nicht mehr verbraucht, sondern früher gekauft.
Migros und Coop betonten, die Lager seien voll; alle Lebensmittelhändler schalteten am 16. März 2020 gemeinsam ein Inserat: «Hamsterkäufe sind absolut unnötig». Offiziell rationiert wurde in der Schweiz nicht – die Detailhändler priorisierten in Absprache mit dem BWL ein Basissortiment.
Warum ausgerechnet Toilettenpapier? Der Mechanismus einer Panikwelle
Die Fabriken liefen 2020 weiter. Knapp wurde Toilettenpapier aus mehreren Gründen zugleich: Läden und Lieferketten halten nur wenig Vorrat (in den USA rund zwei bis drei Wochen), das Produkt ist sperrig und billig und wird deshalb knapp nachgefüllt, und wer zu Hause statt im Büro oder in der Schule ist, braucht tatsächlich mehr Haushaltsrollen. Gewerberollen lassen sich nicht einfach umlenken.
Dazu kommt die Psychologie. Die Welle entsteht nicht durch wenige Extremkäufer, sondern weil viele Haushalte gleichzeitig etwas mehr kaufen – Mengenlimits pro Einkauf helfen deshalb kaum. Bilder leerer Regale machen die Knappheit sichtbar und verstärken sie. Am stärksten erklärt das Gefühl der Bedrohung, wer hortet; die Persönlichkeit spielt nur eine kleine Rolle.
Solche Wellen sind kurz: Eine Studie über 54 Länder fand, dass die Panik nach einer Lockdown-Ankündigung nach etwa 7 bis 10 Tagen weitgehend abklang. Ohne echten Produktionsausfall dauern Engpässe Tage bis wenige Wochen. Monate dauern sie nur bei einem echten Angebotsschock – etwa bei Säuglingsnahrung in den USA 2022, als ein Werk mit rund 40 % Marktanteil stillstand.
Das Muster ist nicht neu: Japan erlebte 1973 eine Toilettenpapier-Panik ohne Papiermangel, China 2011 einen Run auf Salz, das angeblich vor Strahlung schütze (es schützt nicht), Grossbritannien 2021 leere Tankstellen ohne Treibstoffmangel.
Die Schweiz 2022: Kerzen, Holz und Powerstations
Dasselbe Muster zeigte sich im Herbst 2022, als vor einer möglichen Strommangellage gewarnt wurde. Ein grosser Onlinehändler meldete im September 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat Powerstations plus 1581 %, Brennholz plus 406 % und Kerzen plus 380 %. Pellets verteuerten sich innert eines Jahres von rund 400 auf rund 650 Franken pro Tonne. Nach den Kämpfen um das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja fragten viele in Apotheken nach Jodtabletten.
Die Strommangellage trat nicht ein. Die Lehre ist dieselbe wie 2020: Was in einer Warnung erwähnt wird, wird knapp – nicht weil es fehlt, sondern weil alle gleichzeitig kaufen.
Knapp im Laden ist nicht dasselbe wie wertvoll
2020 wurde vereinzelt Toilettenpapier gegen Eier oder Küchenpapier getauscht, und im Internet tauchten Angebote zu Wucherpreisen auf – die Plattformen löschten sie. Ein echtes Tauschgut wurde Toilettenpapier nicht: Das Geld funktionierte weiter, und nach wenigen Wochen war das Regal wieder voll.
In langen Krisen hatten andere Güter Tauschwert: Zigaretten und Tabak, Alkohol, Konserven, Kerzen, Treibstoff, Eier und Grundnahrung. Gemeinsam ist ihnen, dass sie haltbar, einheitlich, teilbar und fast überall begehrt sind – und dass sie nicht in wenigen Wochen nachproduziert werden. Tauschwert entsteht zudem erst, wenn Geld nicht mehr funktioniert oder die Läden dauerhaft leer bleiben. Wie Tausch, Warengeld und andere Systeme dann funktionieren, erklärt der Beitrag «Alternative Handelssysteme in Krisen».
Die Schweiz hat es schon erlebt: Vorrat und Rationierung 1939–1948
Am 5. April 1939 rief das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement die Haushalte auf, einen Vorrat für zwei Monate anzulegen. Bei Kriegsbeginn folgte vom 28. August bis 29. Oktober 1939 eine Bezugssperre: Wichtige Lebensmittel durften nicht mehr verkauft werden, die Haushalte lebten von ihren Vorräten, bis die Rationierung lief. Der Vorrat war also die Brücke – der direkte Vorläufer des heutigen Notvorrats.
Gleichzeitig war Hamstern verboten. Ein Bundesratsbeschluss vom 1. September 1939 richtete sich gegen «Hamster-, Wucher-, Schieber- und Kettengeschäfte»; untersagt war unter anderem der «Warenaufkauf im Inland, Eindeckung von Inlandware, alles über den normalen laufenden Bedarf». Vorsorge vorher war erwünscht, Eindecken danach verboten.
Die Rationierung dauerte bei Mehl, Reis, Öl und Fett bis Ende Juni 1948. Monatlich waren landesweit bis zu 700 Millionen Coupons im Umlauf; sie gaben nur ein Recht zum Kauf, bezahlt wurde weiter in Franken. Der unbefristete, bis auf Viertel teilbare Mahlzeitencoupon wurde zu einer Art zweitem Geld, und der Bund erlaubte den Umtausch zwischen Coupon-Arten. Trotz Anbauschlacht hatte ein Zürcher Normalverbraucher 1945 nur rund 1977 statt der benötigten 2160 Kalorien pro Tag.
Als im Februar 1946 die Eier freigegeben wurden, verkaufte die Migros bis zu 200 000 Eier pro Tag statt 12 500 – auch das Ende einer Knappheit löst eine Kaufwelle aus.
Die Werteverschiebung über die Zeit
Je länger eine Krise dauert, desto mehr verschiebt sich, was gebraucht wird. Grob und als plausible Illustration (keine amtliche Prognose): In den ersten Stunden und Tagen zählt, was den Schock überbrückt – Bargeld in kleinen Noten (weil Bancomaten und Kartenterminals bei Stromausfall ausfallen), Trinkwasser, Licht und Batterien, Treibstoff und ein batteriebetriebenes Radio für Informationen.
Nach Tagen bis Wochen rücken Kochmöglichkeit, Hygiene, eine verlässliche Energiequelle und der Ersatz für Verderbliches in den Vordergrund. Nach Wochen bis Monaten zählen Medikamente und medizinische Versorgung, Tauschgüter und praktische Fertigkeiten (reparieren, kochen, versorgen) am meisten – Dinge, die man nicht kurzfristig herbeikaufen kann.
Die genaue Reihenfolge im Zeitstrahl unten ist eine erfahrungsbasierte Illustration, keine von einer Behörde publizierte Rangfolge. Belegt sind die einzelnen Bausteine (z. B. dass Bargeld bei Stromausfall wichtig wird, weil Kartenzahlung ausfällt); die zeitliche Staffelung ist eine plausible Synthese, die dir hilft, deinen Vorrat gezielter zu planen.
Was das für deine Vorsorge heisst
Die offizielle Schweizer Vorsorge deckt die frühen Phasen bereits ab. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) empfiehlt einen Notvorrat für rund eine Woche: unter anderem 9 Liter Trinkwasser pro Person, haltbare Lebensmittel, ein batteriebetriebenes Radio mit Ersatzbatterien, Taschenlampe und Kerzen, Toilettenpapier und Seife, persönliche Medikamente und so viel Bargeld in kleinen Scheinen, dass ein Wocheneinkauf und allenfalls eine Tankfüllung bar bezahlt werden können. Das ist die konkrete, nüchterne Antwort auf die abstrakte Werteverschiebung.
Fast alles, was 2020 und 2022 knapp wurde, steht bereits auf dieser Liste. Der Vorrat hilft aber nur, wenn man in der Welle zu Hause bleibt: Eine Schweizer Studie von Agroscope fand, dass gerade Haushalte, die schon vorher einen Notvorrat hielten, im Lockdown 2020 eher zusätzlich einkauften. Gleichzeitig hat fast die Hälfte der Bevölkerung (48 %) zu wenig oder gar keinen Vorrat. Vorsorge heisst also beides: vorher anlegen und im Ereignis nicht nachkaufen.
Für Einsteiger: Fang mit dem offiziellen Wochenvorrat an (Wasser, haltbare Lebensmittel, Radio, Bargeld, Medikamente). Damit bist du für die häufigsten und wahrscheinlichsten Lagen – Stromausfall, Versorgungsunterbruch – gut aufgestellt. Mehr braucht es für den Anfang nicht.
Experten-Tipp: Denk in Zeithorizonten statt in Produktlisten. Prüfe für die späten Phasen gezielt, was bei dir nicht kurzfristig ersetzbar ist: verschreibungspflichtige Dauermedikamente (Reservevorrat mit dem Arzt/der Ärztin besprechen), Ersatzbrille, spezielle Nahrung, Ersatzteile. Tauschgüter und Fertigkeiten sind kein Ersatz für den Grundvorrat, sondern eine Ergänzung für lange Lagen. Halte Bargeld in kleinen Stückelungen – im Ereignisfall kann niemand grosse Noten wechseln.
Häufige Denkfehler
- «Ich habe Geld, also bin ich versorgt» – Geld nützt nichts, wenn Bancomaten und Kartenterminals stromlos sind oder die Regale leer. Wert entsteht aus Verfügbarkeit, nicht aus dem Kontostand.
- Erst beim ersten Anzeichen einer Krise einkaufen gehen – dann sind die Regale schon leer (Corona 2020). Vorsorge funktioniert nur, wenn sie vorher da ist.
- Nur an die erste Phase denken (Wasser, Licht) und Medikamente, Hygiene und länger haltbare Lösungen vergessen – gerade diese werden in langen Lagen am schwersten ersetzbar.
- Bargeld nur in grossen Noten halten – im Ereignisfall kann niemand wechseln; kleine Stückelung zählt.
- Aus dem Venezuela- oder Hyperinflations-Beispiel eine Anlage-«Strategie» ableiten (Gold, Krypto, Fremdwährung als Spekulation). Das ist Finanzplanung, kein Notvorrat – und nicht Thema dieses Beitrags.
- Tauschgüter horten statt Grundbedarf decken – Tauschhandel ist ein Phänomen langer Krisen, nicht der Startpunkt der Vorsorge.
- Aus Angst hamstern statt planvoll bevorraten – Panikkäufe erzeugen die Knappheit, die man fürchtet.
- Trotz vollem Vorrat in der Welle nachkaufen – genau das taten 2020 viele gut vorbereitete Haushalte (Agroscope). Der Vorrat nützt nur, wenn man dann zu Hause bleibt.
- Toilettenpapier oder andere Panikgüter als «Tauschwährung» horten – sie verlieren ihren Wert, sobald der Nachschub kommt.
Zeitstrahl der Werteverschiebung
| Zeit | Lage / Situation | Was wird knapp / gebraucht | Werteverschiebung |
|---|---|---|---|
| 1 Tag | Erster Schock; viele halten das Problem für vorübergehend | Erste Hamsterkäufe (WC-Papier, Wasser, Brot); bei Stromausfall fallen Bancomat/Kartenzahlung aus | Kleine Bargeldnoten, ein voller Tank und Information (Radio) gewinnen an Wert |
| 3 Tage | Klar, dass es länger dauert; Nachschub stockt | Frischware und Kühlgut verderben; Treibstoff, Batterien, Kerzen, Trinkwasser | Wasser, Licht, Treibstoff und haltbare Lebensmittel rücken vor Bargeld |
| 1 Woche | Regale vielerorts leer, Lieferketten belastet | Haltbare Lebensmittel, Gaskartuschen/Kochmöglichkeit, Hygiene, Strom für Geräte (Powerbank) | Kochmöglichkeit, Hygiene und eine verlässliche Energiequelle zählen |
| 2 Wochen | Versorgungslücken verfestigen sich | Medikamenten-Nachschub in Apotheken stockt; Spezialnahrung; frische Lebensmittel | Medikamente, vorhandene Vorräte und eine funktionierende Nachbarschaft gewinnen an Wert |
| 1 Monat | Normalversorgung teils unterbrochen | Medikamente, Ersatzteile, Brennstoff/Heizung (je nach Saison), Hygiene | Medizinische Güter und erste Tauschbeziehungen; praktische Fertigkeiten werden wertvoll |
| 2 Monate | Informelle Versorgung und Tauschhandel bilden sich | Industriegüter ohne Lieferkette; alles Nachschub-Abhängige | Tauschgüter (Grundnahrung, Hygiene), Handwerk und verlässliche Netzwerke; bei Geldkrise verliert Bargeld an Wert |
| 3 Monate | Anpassung; lokale Versorgung und Tausch etablieren sich | Saatgut, Werkzeug, Ersatzteile, Medikamente | Produktive Güter und Fertigkeiten; bei Geldentwertung Sachwerte/Fremdwährung statt Bargeld |
| 6 Monate | Neuer Alltag mit langfristiger Knappheit | Nachhaltige Nahrungsversorgung, medizinische Versorgung, Ersatzteile | Fertigkeiten und produktive Mittel zählen am meisten; im Kollaps-Szenario ist reines Bargeld am wenigsten wert |
| Zeitstufen und Reihenfolge sind eine plausible, erfahrungsbasierte Darstellung, keine behördlich publizierte Sequenz. Die Einzelbausteine (Bargeld bei Stromausfall, Wasser-/Radio-Bedarf, Tauschhandel bei Geldkrise) sind belegt; die Staffelung ist eine Synthese zur Vorsorgeplanung. | |||
| Punkt | Fakt | Quellenbezug |
|---|---|---|
| Venezuela-Hyperinflation | ca. 2016–2021; Höhepunkt 2018/19; Grössenordnung Hunderttausende bis >1 Mio. %/Jahr | IWF / Nationalversammlung VE (Grössenordnung) |
| Währungsreformen VE | 3 Redenominierungen (2008/2018/2021), kumulativ 14 Nullen gestrichen | Banco Central de Venezuela / Medien |
| Ausweichbewegung VE | ~50 % der Transaktionen in US-Dollar (Sept. 2019); Tauschhandel (trueque) | Berichterstattung 2019 |
| Sachbuch | W. Neuman, «Things Are Never So Bad…», St. Martin's Press, 2022, ISBN 978-1-250-47374-5 | Verlag / Rezensionen |
| Corona 2020 CH | Hamsterkäufe, leere Regale (v. a. WC-Papier); Versorgung gesichert | Migros/Coop-Stellungnahmen, CH-Medien |
| Toilettenpapier 2020 (DE) | +211 % in KW 12, drei Wochen später −29 % ggü. Vorkrisenschnitt | Destatis PM 112/130 |
| Vorrat Schweiz | 48 % mit zu wenig oder keinem Vorrat; Vorbereitete kauften 2020 eher zusätzlich | Agroscope 2021/2022 |
| Schweiz 1939–1948 | Aufruf Zweimonatsvorrat 5.4.1939; Hamstern verboten (BRB 1.9.1939); Rationierung bis 30.6.1948 | Zürcher Statistische Nachrichten 1948 |
| Bargeld-Grund | Bancomaten/Kartenzahlung fallen bei Stromausfall aus → kleine Noten wichtig | BWL / Alertswiss |
| Offizieller Notvorrat CH | rund 1 Woche; u. a. 9 L Wasser/Person, Radio+Batterien, Medikamente, Bargeld für Wocheneinkauf und Tankfüllung | BWL «Kluger Rat – Notvorrat» |
| Werteverschiebungs-Timeline | plausible Illustration, KEINE amtliche Rangfolge | eigene Synthese (Einzelbausteine belegt) |
Fakten durch zwei unabhängige Recherchen bestätigt (Abruf 2026-07-04); nur Übereinstimmendes übernommen. Venezuela-Spitzenrate nur als Grössenordnung (Quellen weichen stark ab).
Häufige Fragen
Welche Wertsachen sind in einer Krise wirklich wertvoll?
Das verschiebt sich mit der Dauer. Früh (Stunden bis Tage) zählen Bargeld in kleinen Noten, Trinkwasser, Licht, Treibstoff und ein batteriebetriebenes Radio. Spät (Wochen bis Monate) rücken Medikamente, Hygiene, Tauschgüter und praktische Fertigkeiten in den Vordergrund. Bei einer Geldentwertung verliert Bargeld selbst seinen Wert.
Kann Geld wirklich wertlos werden?
In extremen Fällen ja. Venezuela erlebte von rund 2016 bis 2021 eine Hyperinflation mit einer Jahresteuerung in der Grössenordnung von Hunderttausenden bis über einer Million Prozent. Bargeld verlor rasend an Wert; die Menschen wichen auf US-Dollar und Tauschhandel aus. Für die Schweiz mit dem stabilen Franken ist das sehr unwahrscheinlich – es zeigt aber, dass «Wert» nichts Fixes ist.
Warum ist Bargeld in einer Krise wichtig, wenn es doch wertlos werden kann?
Das sind zwei verschiedene Lagen. Bei einem Stromausfall behält der Franken seinen Wert, aber Bancomaten und Kartenterminals funktionieren nicht – dann ist Bargeld in kleinen Noten das einzige funktionierende Zahlungsmittel. Nur bei einer Geldentwertung (Hyperinflation) verliert das Bargeld selbst seinen Wert. Für die Schweiz ist der erste Fall der relevante.
Wie viel Bargeld soll ich zu Hause haben?
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung empfiehlt in seiner Broschüre «Kluger Rat – Notvorrat» so viel Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen, dass man einen Wocheneinkauf und allenfalls eine Tankfüllung bar bezahlen kann. Einen festen Frankenbetrag nennt es nicht. Kleine Stückelungen sind wichtig, weil im Ereignisfall niemand grosse Noten wechseln kann.
War die Toilettenpapier-Knappheit 2020 ein echter Mangel?
Nein. Die Fabriken liefen weiter, Migros und Coop meldeten volle Lager. Knapp wurde es, weil viele Haushalte gleichzeitig vorzogen, die Läden nur wenig Vorrat halten und zu Hause tatsächlich mehr gebraucht wurde. In Deutschland lag der Absatz drei Wochen nach dem Höhepunkt (+211 %) bereits 29 % unter normal.
Warum werden gerade einfache Produkte wie Toilettenpapier knapp?
Weil sie billig, sperrig und knapp nachgefüllt sind, weil viele Haushalte gleichzeitig etwas mehr kaufen und weil Bilder leerer Regale die Knappheit sichtbar machen. Ohne echten Produktionsausfall dauern solche Engpässe Tage bis wenige Wochen.
Gab es in der Schweiz schon einmal eine Rationierung?
Ja. Von 1939 bis 1948 waren wichtige Lebensmittel rationiert, am längsten Mehl, Reis, Öl und Fett bis Ende Juni 1948. Vorher hatte der Bund 1939 zu einem Haushaltsvorrat für zwei Monate aufgerufen; Hamstern war per Bundesratsbeschluss vom 1. September 1939 verboten.
Soll ich Gold, Krypto oder Fremdwährung als Krisenvorsorge kaufen?
Das ist eine Frage der Finanzplanung und keine Notvorsorge – und dieser Beitrag gibt keine Anlageberatung. Notvorsorge heisst: Wasser, Lebensmittel, Medikamente, Licht, Radio und etwas Bargeld für die realistischen Lagen (Stromausfall, Versorgungsunterbruch). Vermögensfragen gehören zu einer separaten, individuellen Finanzberatung.
Was bedeutet «Werteverschiebung über die Zeit» konkret für meinen Vorrat?
Denk in Zeithorizonten. Der offizielle Wochenvorrat deckt die frühen Phasen ab (Wasser, Licht, Radio, Bargeld, haltbare Lebensmittel). Für lange Lagen prüfe zusätzlich, was bei dir nicht kurzfristig ersetzbar ist – vor allem verschreibungspflichtige Dauermedikamente, Ersatzbrille und Hygiene. Diese werden mit der Zeit am schwersten ersetzbar.
Weiterführende Links
- BWL – Kluger Rat, Notvorrat
- Alertswiss – Notvorrat
- Wikipedia – Hyperinflation in Venezuela
- St. Martin's Press – Neuman-Buch
- Luzerner Zeitung – WC-Papier als Symbol des Lockdowns
- Anleitung: Notvorrat anlegen Die konkrete Umsetzung der Vorsorge
- Finanzen: Alternative Handelssysteme in Krisen Tausch, Warengeld, WIR, Hawala und Treuhand erklärt
- Anleitung: Stromausfall überstehen Die häufigste frühe Krisenlage
- Anleitung: Notgepäck packen Wertsachen und Bargeld fürs schnelle Verlassen
- Finanzen: KI-Blase an den Märkten Verwandter Finanzen-Beitrag
- Anleitung: Gold & Edelmetalle als Krisenreserve Physische Edelmetalle nüchtern eingeordnet
- Lagebild Aktuelle Gefahren- und Ereignislage
Quellen
- BWL (Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung): Kluger Rat – Notvorrat (2026-07-04) Originalquelle
- Alertswiss (BABS): Notvorrat (2026-07-04) Originalquelle
-
Wikipedia:
Hyperinflation in Venezuela
(2026-07-04)
Order of magnitude only: estimates for 2018 range from six figures to over one million percent per year.
Originalquelle Archiv -
William Neuman / St. Martin's Press:
Things Are Never So Bad That They Can't Get Worse: Inside the Collapse of Venezuela (ISBN 978-1-250-47374-5)
(2022-01-01)
First-hand account of hyperinflation, shortages and everyday life during Venezuela's economic collapse.
Originalquelle Archiv -
Luzerner Zeitung:
Wie das WC-Papier zum Symbol des Lockdowns wurde
(2020-07-23)
Migros und Coop bestätigten volle Lager und gesicherte Landesversorgung – die Knappheit entstand durch Hamsterkäufe.
Originalquelle Archiv - Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL): Kluger Rat – Notvorrat (Broschüre: Wasser, Bargeld für Wocheneinkauf und Tankfüllung) (2025-02-17) Originalquelle
- Destatis (Statistisches Bundesamt): Absatz von Toilettenpapier, Seife, Mehl u. a. im März/April 2020 (PM Nr. 130) (2020-04-08) Originalquelle
- Destatis (Statistisches Bundesamt): Absatz von Toilettenpapier im Oktober 2020 (PM Nr. 438) (2020-11-01) Originalquelle
-
Ritzel, Ammann, Mack & El Benni (Agroscope), Appetite 175:
Consumer stockpiling and panic buying during the first COVID-19 lockdown in Switzerland
(2022-08-01)
Respondents who knew the recommendations and always kept stocks were more likely to stockpile additionally during the first lockdown.
Originalquelle Archiv - Kanton Zürich, Amt für Wirtschaft: Der Notvorrat der Schweizer Bevölkerung vor, während und nach der Covid-19-Pandemie (Agroscope Science 2021) (2021-12-01) Originalquelle
- Statistisches Amt der Stadt Zürich: Unsere Lebensmittelrationen im zweiten Weltkrieg (Zürcher Statistische Nachrichten 1948, Heft 4) (1948-12-01) Originalquelle
- Preisüberwacher: Jahresbericht 2020 (Masken, Desinfektionsmittel, Ethanol in der Corona-Krise) (2021-02-01) Originalquelle
- Bundesversammlung (fedlex): Landesversorgungsgesetz (LVG, SR 531) – Art. 31, 33, 49, 54 (2025-11-01) Originalquelle
-
O'Connell, de Paula & Smith, Fiscal Studies:
Preparing for a Pandemic: Spending Dynamics and Panic Buying during the COVID-19 First Wave
(2021-06-01)
The spike in demand was driven mainly by more households than usual buying storable goods, not by extreme quantities per trip.
Originalquelle Archiv -
Keane & Neal, Journal of Econometrics 220(1):
Consumer panic in the COVID-19 pandemic
(2021-01-01)
Announcements of internal movement restrictions caused sharp but short-lived panic that largely dissipated within about 7 to 10 days.
Originalquelle Archiv -
Nau.ch:
Energiekrise: Schweizer hamstern Kerzen, Powerbanks und Brennholz
(2022-10-05)
Digitec Galaxus: Power Stations plus 1581 Prozent im Vergleich zum September 2021; Kerzen plus 380 Prozent.
Originalquelle Archiv