Gefahr · Sicherheit

Schockanruf

Legen Sie beim geringsten Verdacht sofort auf und rufen Sie den angeblich Betroffenen oder die Bank über die bekannte, selbst gewählte Nummer zurück. Übergeben Sie niemals Bargeld, Schmuck oder Karten an Unbekannte. Die echte Polizei ruft nie von der Nummer 117 aus an und schickt keine Abholer. Melden Sie den Anruf der Polizei über 117 – die dem Schockanruf nächste Statistik hat sich 2024 fast verdreifacht.

Beim Schockanruf geben sich Täter am Telefon als Polizei, Staatsanwaltschaft oder Bankmitarbeiter aus und erfinden eine Notlage: einen schweren oder tödlichen Unfall eines Angehörigen, eine drohende Verhaftung mit Kautionsforderung oder eine betrügerische Kontoaktivität. Sie arbeiten mit den immer gleichen psychologischen Hebeln – Schock, Zeitdruck und Autorität – und lassen im Hintergrund oft eine weinende Stimme mithören. Eine automatisierte Variante spielt zunächst eine computergenerierte Ansage ab («Drücken Sie 1») und stellt empfängliche Opfer dann zu einem angeblichen Polizisten durch.

Das Ziel ist fast immer dasselbe: die Übergabe von Bargeld, Schmuck oder Bankkarten an einen «Boten» oder «Abholer», der beim Opfer zu Hause vorbeikommt. Häufig ist ein Zweierteam am Werk – ein «Drahtzieher» hält das Opfer am Telefon, während ein Komplize die Wertsachen unter dem Vorwand von «Kontrollen» entgegennimmt. Neu ist der Einsatz künstlicher Intelligenz: Schweizer Behörden – die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) und die Kantonspolizei Zürich (cybercrimepolice.ch) – bestätigen, dass die weinende Stimme eines angeblich betroffenen Angehörigen in Einzelfällen mit KI täuschend echt erzeugt wird.

Die offizielle Empfehlung ist über alle Kantone hinweg dieselbe und einfach: sich nicht unter Druck setzen lassen, beim geringsten Verdacht sofort auflegen und den angeblich Betroffenen oder eine Vertrauensperson über die bekannte, selbst gewählte Nummer zurückrufen. Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte – auch nicht an Personen in echt wirkenden Uniformen. Merken Sie sich: Die echte Polizei ruft nie von der Nummer 117 aus an, verlangt nie Geld oder Wertgegenstände und schickt keine Zivilpersonen zum Abholen. Verdächtige Anrufe melden Sie der Polizei über 117, dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und der Kantonspolizei. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, weshalb das Sensibilisieren von Angehörigen zentral ist.

Steigende Fallzahlen

Telefonbetrug mit Schockanrufen nimmt in der Schweiz zu. Die dem Schockanruf am nächsten liegende belegte Statistik – Anrufe im Namen falscher Behörden – hat sich 2024 fast verdreifacht. Die weiteren Kennzahlen stammen aus breiteren Betrugs- und Kriminalitätskategorien; sie sind hier bewusst als solche gekennzeichnet, damit keine Scheingenauigkeit entsteht.

Anrufe im Namen falscher Behörden in der Schweiz – die dem Schockanruf am nächsten liegende belegte Zahl (Quelle: BACS/NCSC, 2024).

  • 18'270 Betrugsmeldungen bei BACS/NCSC, 2. Halbjahr 2024 (rund zwei Drittel aller Meldungen) Breite Betrugskategorie, nicht nur Schockanruf BACS/NCSC-Halbjahresbericht 2024/2
  • 41'188 Betrugsversuche in der Schweiz insgesamt (2024, über 100 pro Tag) Breite Betrugskategorie, nicht nur Schockanruf SRF, 2025
  • +17,3 % Betrugsdelikte 2023 → 2024 in der Kriminalstatistik Breite PKS-Kategorie, nicht nur Schockanruf BFS – Polizeiliche Kriminalstatistik 2024
  • 2,4 → 6,7 Mio. CHF Deliktsumme Telefonbetrug im Kanton Zürich, 2021 → 2022 Regional, alle Telefonbetrugsformen Kantonspolizei Zürich

Verdacht sofort auflegen und über die bekannte Nummer zurückrufen. Melden: Polizei 117, Meldestelle des Bundes (report.ncsc.admin.ch / BACS), cybercrimepolice.ch (Kantonspolizei Zürich) und die Schweizerische Kriminalprävention (SKP). Stand der Zahlen: 2024 bzw. bis 2022 (kantonal).

Risiko-Einstufung

Risiko · Hoch (Stufe 4 von 5)

Eintrittswahrscheinlichkeit: Hoch · Schadensausmass: Mittel → Gesamtrisiko: Hoch.

Risikomatrix: senkrecht die Eintrittswahrscheinlichkeit (oben hoch), waagrecht das Schadensausmass (rechts hoch). Die markierte Zelle zeigt die Einstufung dieser Gefahr.
Schadensausmass
Gering Mittel Hoch
Hoch Einstufung dieser Gefahr
Mittel
Gering

Legende: Gering (grün) · Mittel (gelb) · Hoch (rot). Das Gesamtrisiko ergibt sich aus Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmass.

Falsche Polizisten, Staatsanwälte oder Bankmitarbeiter erfinden am Telefon eine Notlage und fordern mit Schock und Zeitdruck – zunehmend mit KI-Stimmklonen – Bargeld, Schmuck oder Bankkarten. Der beste Schutz: sofort auflegen und über die bekannte Nummer zurückrufen.

Sofortmassnahmen

  • Sofort auflegen – lassen Sie sich nicht unter Druck setzen
  • Über die bekannte, selbst gewählte Nummer zurückrufen (Angehörige oder Bank)
  • Niemals Bargeld, Schmuck oder Bankkarten an Unbekannte übergeben
  • Keine Codes, Passwörter oder Fernzugriff aufs Gerät gewähren
  • Im Verdachtsfall die Polizei über 117 anrufen

Warnanzeichen

  • Extremer Zeitdruck und die Aufforderung, sofort zu handeln
  • Ein angeblicher Polizist, Staatsanwalt oder Bankmitarbeiter am Telefon
  • Weinende oder flehende Stimme eines «Angehörigen» im Hintergrund
  • Forderung nach Bargeld, Schmuck, Bankkarten oder Codes
  • Ankündigung, ein «Bote» oder «Kollege» hole etwas ab
  • Bitte um Geheimhaltung – niemandem davon erzählen

Vorher · Während · Nachher

Vorher

  • Mit älteren Angehörigen offen über die Masche sprechen und sie sensibilisieren
  • Ein Familien-Codewort vereinbaren, um Echtheit zu prüfen (wirkt auch gegen KI-Stimmklone)
  • Den Rückruf über die bekannte Nummer als festen Reflex einüben
  • Wichtige Rückruf-Nummern (Bank, Angehörige) auf Papier griffbereit notieren

Während

  • Auflegen, sobald Geld, Wertsachen oder starker Zeitdruck ins Spiel kommen
  • Keine persönlichen Daten, Codes oder Kontoinformationen preisgeben
  • Die Geschichte über die bekannte Nummer der Person direkt gegenprüfen
  • Bei einem angekündigten «Abholer»: Tür nicht öffnen, Polizei 117 rufen

Nachher

  • Anruf und angezeigte Nummer der Polizei melden (117 / cybercrimepolice.ch)
  • Nach einer erfolgten Übergabe sofort Bank und Polizei kontaktieren
  • Den Vorfall im eigenen Umfeld teilen, um andere zu warnen
  • Verdächtige Anrufe dem BACS über report.ncsc.admin.ch melden

Das ist real passiert

  1. 2019 Erster bekannter KI-Stimmklon-Betrug

    Betrüger klonten mit KI die Stimme des deutschen Konzernchefs eines Energieunternehmens. Der Chef der britischen Tochter hielt den Anruf für echt und überwies rund 220'000 Euro (etwa 243'000 US-Dollar) auf ein Konto in Ungarn – der erste öffentlich dokumentierte Fall eines Stimmklon-Betrugs.

    Quelle
  2. 2024 Deepfake-Videocall bei Arup (Hongkong)

    Ein Finanzmitarbeiter des Ingenieurkonzerns Arup nahm an einer Videokonferenz teil, in der ausser ihm alle Teilnehmer – inklusive des angeblichen Finanzchefs – KI-generierte Deepfakes waren. Er überwies in mehreren Zahlungen rund 25 Millionen US-Dollar (HK$200 Mio.). Der Fall zeigt, dass Fälschungen längst über die reine Stimme hinausgehen.

    Quelle
  3. 2024 Ferrari: Betrug durch Rückfrage vereitelt

    Betrüger imitierten mit einer KI-Stimme den Ferrari-Chef Benedetto Vigna. Ein misstrauischer Manager stellte eine Verifikationsfrage – den Titel eines Buchs, das Vigna ihm Tage zuvor empfohlen hatte. Der Betrüger konnte nicht antworten und legte auf. Der Fall belegt das Prinzip des vereinbarten Codeworts.

    Quelle
  4. 2025 Deepfake-Video des NVIDIA-Chefs für Krypto-Scam

    Während der NVIDIA-Konferenz GTC im Oktober 2025 verbreiteten Betrüger ein KI-Deepfake-Video von Konzernchef Jensen Huang, das auf YouTube parallel livegestreamt wurde und per QR-Code für einen Krypto-Betrug warb. Wichtig zur Einordnung: Hier wurde nicht die Firma um eine Auszahlung gebracht, sondern rund 100'000 Zuschauer wurden getäuscht – ein Beispiel für Prominenten-Imitation per Deepfake, nicht für einen CEO-Auszahlungsfall.

    Quelle

Häufige Fragen

Was ist ein Schockanruf?

Ein Betrugsanruf, bei dem sich Täter als Polizei, Staatsanwaltschaft oder Bankmitarbeiter ausgeben und eine Notlage erfinden – etwa einen schweren Unfall eines Angehörigen, eine drohende Verhaftung mit Kaution oder eine betrügerische Kontoaktivität. Mit Schock, Zeitdruck und Autorität sollen Opfer dazu gebracht werden, Bargeld, Schmuck oder Bankkarten an einen «Abholer» zu übergeben.

Nutzen Betrüger künstliche Intelligenz für Schockanrufe?

Ja. Die Schweizerische Kriminalprävention und die Kantonspolizei Zürich bestätigen, dass die weinende Stimme eines angeblich betroffenen Angehörigen in Einzelfällen mit KI täuschend echt nachgeahmt wird. International belegt sind mehrere Fälle von Stimmklon- und Deepfake-Betrug – vom ersten bekannten Fall 2019 (rund 220'000 Euro) bis zum Deepfake-Videocall bei Arup 2024 (rund 25 Millionen US-Dollar).

Wie schütze ich mich und ältere Angehörige vor Schockanrufen?

Sprechen Sie ältere Angehörige aktiv auf die Masche an und vereinbaren Sie ein Familien-Codewort, um Echtheit zu prüfen – das wirkt auch gegen KI-Stimmklone (Ferrari-Prinzip). Üben Sie den Rückruf über die bekannte Nummer als festen Reflex ein. Übergeben Sie nie Geld an Unbekannte und gewähren Sie keinen Fernzugriff aufs Gerät.

Wo melde ich einen Schockanruf in der Schweiz?

Im akuten Fall rufen Sie die Polizei über 117. Verdächtige Anrufe können Sie zusätzlich der Meldestelle des Bundes über report.ncsc.admin.ch (Bundesamt für Cybersicherheit, BACS), der Kantonspolizei Zürich über cybercrimepolice.ch sowie der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) melden. Ist bereits Geld geflossen, kontaktieren Sie sofort Ihre Bank und die Polizei.

Offizielle Quellen