Gefahr · Sicherheit

Desinformation

Desinformation ist die gezielte Verbreitung falscher Inhalte, um zu täuschen und das Vertrauen in Institutionen und Medien zu untergraben. Der EU-Auswärtige Dienst zählte 2025 rund 540 Vorfälle ausländischer Informationsmanipulation – ein grosser Teil davon staatlich gesteuert, allen voran durch Russland. Prüfen Sie Quelle, Datum und Absicht einer Meldung, bevor Sie sie glauben oder teilen.

Desinformation ist die gezielte, oft koordinierte Verbreitung falscher oder irreführender Inhalte mit der Absicht zu täuschen, zu spalten oder das Vertrauen in Institutionen und Medien zu untergraben. Fachleute sprechen von ausländischer Informationsmanipulation und Einflussnahme (englisch FIMI). Typische Werkzeuge sind gefälschte oder geklonte Nachrichtenseiten, manipulierte Screenshots echter Medien, koordinierte Konten-Netzwerke und zunehmend KI-generierte Texte, Stimmen und Bilder. Anders als ein ehrlicher Irrtum (Fehlinformation) ist Desinformation absichtlich.

Das Ausmass ist messbar: Der EU-Auswärtige Dienst (EEAS) zählte 2025 rund 540 Vorfälle ausländischer Informationsmanipulation über mehr als 90 Länder, mobilisiert über rund 10'500 Kanäle; etwa 35 Prozent liessen sich Staaten zuordnen (Russland 29 Prozent, China 6 Prozent), rund ein Viertel nutzte KI-Werkzeuge. Eine zentrale, behördlich belegte Methode ist die Kampagne «Doppelgänger»: das Klonen etablierter Medien wie Der Spiegel, Le Point oder Die Welt auf Dutzenden bis Hunderten Spiegel-Websites, betrieben von den EU-sanktionierten russischen Firmen Social Design Agency und Structura.

Auch die Schweiz ist im Visier: Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) stuft Russland als grösste Bedrohung für Europa ein; der russische Staatssender RT-Deutsch verbreitete 2025 rund einen Viertel mehr Meldungen über die Schweiz, oft mit dem Narrativ eines angeblichen Niedergangs. Das Ziel ist selten, dass Sie einer einzelnen Lüge glauben – es ist die schleichende Erosion des Vertrauens. Der wirksamste Schutz ist nicht Technik, sondern eine Gewohnheit: Quelle, Datum und Absicht einer Meldung prüfen, bevor Sie sie glauben oder weiterteilen.

Risiko-Einstufung

Risiko · Hoch (Stufe 4 von 5)

Eintrittswahrscheinlichkeit: Hoch · Schadensausmass: Mittel → Gesamtrisiko: Hoch.

Risikomatrix: senkrecht die Eintrittswahrscheinlichkeit (oben hoch), waagrecht das Schadensausmass (rechts hoch). Die markierte Zelle zeigt die Einstufung dieser Gefahr.
Schadensausmass
Gering Mittel Hoch
Hoch Einstufung dieser Gefahr
Mittel
Gering

Legende: Gering (grün) · Mittel (gelb) · Hoch (rot). Das Gesamtrisiko ergibt sich aus Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmass.

Gezielt gestreute Falschinformationen sollen spalten und das Vertrauen in Institutionen und Medien untergraben. Der beste Schutz ist eine Gewohnheit: Quelle, Datum und Absicht prüfen, bevor man etwas glaubt oder teilt.

Sofortmassnahmen

  • Bei einer aufwühlenden Meldung kurz innehalten, bevor Sie sie teilen
  • Quelle prüfen: Wer sagt das, seit wann gibt es die Seite, wird ein echtes Medium nur nachgeahmt?
  • Die Behauptung über eine zweite, unabhängige und offizielle Quelle gegenprüfen

Warnanzeichen

  • Sehr emotionale, empörende Meldungen, die zu sofortigem Teilen drängen
  • Bekannte Medien werden «zitiert», doch der Link führt auf eine unbekannte oder leicht abgewandelte Domain
  • Screenshots angeblicher Artikel, die sich auf der echten Medienseite nicht finden lassen
  • Viele fast gleichlautende Konten verbreiten denselben Inhalt zeitgleich (koordiniertes Verhalten)
  • Perfekt wirkende, aber quellenlose Bilder, Stimmen oder Videos (mögliche KI-Fälschung)

Vorher · Während · Nachher

Vorher

  • Wenige verlässliche Quellen (Behörden, etablierte Medien) kennen und direkt ansteuern
  • Erkennen lernen, wie geklonte Seiten und gefälschte Screenshots aussehen (falsche Domains, Tippfehler)
  • Offizielle Faktencheck-Angebote sowie die Melde- und Warnkanäle der Behörden kennen
  • Familie und ältere Angehörige für Falschinformation und KI-Fälschungen sensibilisieren

Während

  • Laterales Lesen: die Seite verlassen und die Behauptung in anderen Quellen prüfen, statt nur auf der Seite selbst
  • Bilder und Videos mit einer Rückwärts-Bildersuche auf Herkunft und Datum prüfen
  • Auf typische Muster achten: extreme Emotion, Zeitdruck, angebliche Insider, runde Zahlen ohne Beleg
  • Unbelegte Behauptungen nicht weiterverbreiten – auch nicht «zur Warnung»

Nachher

  • Eine einmal geglaubte Falschmeldung bewusst korrigieren, auch im eigenen Umfeld
  • Fälschungen und Fake-Konten bei der Plattform und – bei Bezug zur Schweiz – den Behörden melden
  • Die eigenen Quellen überdenken: Woher kam die Meldung, und wem hat sie genützt?

Das ist real passiert

  1. 2023 Pariser Bettwanzen-Panik

    Im Herbst 2023 verbreitete sich eine Panik über Bettwanzen in Paris; auch Schweizer Medien wie 20 Minuten trugen sie zunächst dramatisierend mit (3. Oktober 2023) und ordneten sie am 15. März 2024 selbst als russische Propaganda-Kampagne ein. Belegt ist die Amplifikation und Fälschung durch das pro-russische Netzwerk «Portal Kombat» (laut der französischen Behörde VIGINUM mindestens 193 Websites), das gefälschte Screenshots echter französischer Medien in Umlauf brachte, welche die Bettwanzen mit dem Ukraine-Krieg verknüpften. Nicht russisch ist dagegen die reale Zunahme selbst: Laut der Behörde Anses waren 2017 bis 2022 über 10 Prozent der Haushalte betroffen – Ursache waren Reiseverkehr und Insektizid-Resistenz.

    Quelle
  2. 2024 «Doppelgänger»: geklonte Medien

    Die russische Kampagne «Doppelgänger» klont etablierte Nachrichtenseiten wie Der Spiegel, Le Point oder Die Welt und verbreitet auf Dutzenden bis Hunderten Spiegel-Websites gefälschte Artikel. Betrieben wird sie von den EU-sanktionierten russischen Firmen Social Design Agency und Structura. Das US-Justizministerium beschlagnahmte am 4. September 2024 32 zugehörige Internet-Domains; die EU führt die beiden Firmen seit 2023 auf ihrer Sanktionsliste.

    Quelle
  3. 2025 NDB: Russland als grösste Bedrohung

    Der Nachrichtendienst des Bundes stuft im Lagebericht 2025 Russland als grösste und akuteste Bedrohung für Europa ein; die hybride Konfliktführung inklusive Desinformation betreffe die Schweiz direkt. Der russische Staatssender RT-Deutsch verbreitete 2025 rund einen Viertel mehr Meldungen über die Schweiz, häufig mit dem Narrativ, das Land sei im Niedergang. «Wer das Vertrauen in die Institutionen schwächt, schwächt die Widerstandsfähigkeit eines Landes.»

    Quelle

Häufige Fragen

Wer steckt hinter organisierter Desinformation in Europa?

Vor allem staatliche und staatsnahe Akteure. 2025 liessen sich rund 35 Prozent der vom EU-Auswärtigen Dienst erfassten Vorfälle Staaten zuordnen, vor allem Russland (29 Prozent) und China (6 Prozent). Behördlich belegte Strukturen sind die russischen Firmen Social Design Agency und Structura hinter der Klon-Kampagne «Doppelgänger» sowie das Netzwerk «Portal Kombat», das die französische Behörde VIGINUM mit mindestens 193 Websites dokumentierte.

Ist die Schweiz von Desinformation betroffen?

Ja. Der Nachrichtendienst des Bundes stuft Russland als grösste Bedrohung für Europa ein; die hybride Beeinflussung inklusive Desinformation betrifft die Schweiz direkt. Der russische Staatssender RT-Deutsch verbreitete 2025 rund einen Viertel mehr Meldungen über die Schweiz, oft mit dem Narrativ eines angeblichen Niedergangs. Das Ziel ist die schleichende Erosion des Vertrauens in Behörden und Medien.

War die Pariser Bettwanzen-Panik komplett erfunden?

Nein – und diese Unterscheidung ist wichtig. Die reale Zunahme war echt: Laut der französischen Behörde Anses waren 2017 bis 2022 über 10 Prozent der Haushalte von Bettwanzen betroffen, Ursache waren Reiseverkehr und Insektizid-Resistenz. Belegt ist nicht die Urheberschaft dieser Zunahme, sondern die russische Amplifikation und Fälschung: Das Netzwerk «Portal Kombat» streute gefälschte Screenshots echter Medien, die Bettwanzen mit dem Ukraine-Krieg verknüpften.

Wird Desinformation mit künstlicher Intelligenz erstellt?

Zunehmend. Rund ein Viertel der 2025 vom EU-Auswärtigen Dienst erfassten Vorfälle nutzte KI-Werkzeuge, etwa für Stimmen, Bilder oder ganze Fake-Medieninhalte. Perfekt wirkende, aber quellenlose Bilder, Stimmen oder Videos sind ein Warnzeichen. Prüfen Sie im Zweifel die Herkunft – bei Bildern zum Beispiel über eine Rückwärts-Bildersuche.

Offizielle Quellen