Anleitung · GUIDE 46

Richtig melden mit SALUTE & W-Fragen

Auf Aktualität geprüft am 26.09.2026

Eine SALUTE-Meldung ordnet eine Beobachtung nach einem Merkschema der US Army in sechs feste Punkte, damit nichts Wesentliches fehlt. Rufst du in der Schweiz eine Notrufnummer an, antwortest du stattdessen auf die Fragen der Zentrale; sie ähneln den W-Fragen aus dem Nothelferkurs. SALUTE brauchst du für Notizen, Funk und Boten. Melde erst aus sicherer Distanz und folge niemandem.

SALUTE ist ein Meldeschema aus den Handbüchern der US Army; seine sechs Buchstaben stehen für Size (Anzahl), Activity (Tätigkeit), Location (Ort), Unit (Einheit, in einzelnen Ausgaben Uniform), Time (Zeitpunkt der Beobachtung) und Equipment (Ausrüstung). Die sechs Punkte sorgen dafür, dass eine Meldung kurz bleibt und das Wesentliche enthält – am Telefon, am Funkgerät oder auf einem Zettel für einen Boten. Für den Notruf kennt die Schweiz ein eigenes Muster: die sechs W-Fragen aus dem Nothelferkurs. Beide Schemas nützen nur, wenn eine Meldung auch unverfälscht weitergegeben wird.

Was ist eine SALUTE-Meldung?

Eine SALUTE-Meldung ist eine Beobachtungsmeldung, deren Inhalt einem festen Schema aus der Ausbildung der US Army folgt. Belegt ist das Schema in Army-Handbüchern von FM 21-75 (1984) bis zum Ranger Handbook (TC 3-21.76, Ausgabe 2025); dieses verlangt, alle Informationen „quickly, completely, and accurately“ – schnell, vollständig und genau – zu melden und dafür das SALUTE-Format zu verwenden.

Im Soldatenhandbuch STP 21-1-SMCT (2017) wird SALUTE ausdrücklich als Hilfe für den Beobachter bezeichnet, damit er die wesentlichen Angaben meldet. Die Army nutzt es für den Spot Report, eine Meldung von Beobachtungen, die sofort gebraucht werden.

Ausserhalb des Militärs ist SALUTE selten belegt: Ein Merkblatt auf der Website der Feuerwehr von Riverside County in Kalifornien empfiehlt es für Verdachtsmeldungen an die Polizei – mit dem Zusatz, sich dabei nicht in Gefahr zu bringen und nicht selbst zu ermitteln. Eine Schweizer Behörde, die SALUTE verwendet, ist nicht bekannt. Die Schweizer Armee bildet zwar im „Beobachten, Melden, Skizzieren“ aus, ein SALUTE-Schema ist dort aber nicht belegt.

Im Schweizer Hochdeutsch heisst eine solche Meldung auch Rapport: Der Duden führt „rapportieren“ im Sinn von „Meldung machen“ als schweizerischen Gebrauch.

Ein festes Schema hat einen praktischen Vorteil: Der Notfunk-Leitfaden der Internationalen Amateurfunk-Union (IARU) empfiehlt vorformatierte Meldungen, weil sie schneller übermittelt werden und weniger fehleranfällig sind. SALUTE dient dazu, das zu melden, was du ohnehin gesehen hast – nicht dazu, gezielt zu beobachten oder nachzuforschen.

Wofür stehen die sechs Buchstaben?

Jeder der sechs Buchstaben von SALUTE steht für eine Angabe mit eigener Leitfrage – von der Anzahl bis zur Ausrüstung. Schon das Army-Handbuch FM 21-75 (1984) verlangt, dass eine Meldung die Fragen wer, was, wo und wann beantwortet; das Handbuch TC 3-21.75 (2013) ordnet jeder SALUTE-Zeile eine Frage zu: wer, was, wo, wer, wann und wie.

Beim U ist die Army selbst uneinheitlich: Die neuesten Ausgaben – FM 6-99 (2021), ATP 3-21.8 (2024) und das Ranger Handbook (2025) – lösen es mit „Unit“ (Einheit) auf; TC 3-21.75 (2013) schreibt im Text „uniform“, in der eigenen Tabelle aber „(U)nit/Who“. Für eine zivile Meldung zählt, was sichtbar ist: Ist die Einheit unbekannt, sollen schon nach FM 21-75 (1984) Erkennungsmerkmale gemeldet werden, und STP 21-1-SMCT (2017) nennt ausdrücklich Uniformen und Fahrzeugmarkierungen.

Wie eine ausgefüllte Meldung aussieht, zeigt das Ranger Handbook (2025) in Tabelle 2-7: sechs Zeilen mit der Anzahl der Personen, der Bewegungsrichtung, einer Kartenkoordinate, der Uniform mit Abzeichen, einer Datum-Zeit-Angabe und der mitgeführten Ausrüstung. Die U-Zeile ist dort mit „UNIT / UNIFORM“ beschriftet.

Die kalifornische Zivilfassung aus dem Riverside-Merkblatt deutet U als „Unique identification“, also als Personenbeschreibung, und T als Datum, Uhrzeit und Dauer. Ähnliche Angaben erfragt in der Schweiz die Polizei als Signalement, bei der Kantonspolizei Thurgau zum Beispiel Anzahl und Geschlecht der Personen, Grösse und Statur, Kleidung, besondere Merkmale wie Tätowierungen oder Narben, das Fahrzeug und die Fahrtrichtung.

Für Einsteiger: Zählen statt umschreiben – „vier Personen“ statt „eine Gruppe“. Musst du schätzen, sag es dazu: „etwa zwanzig, geschätzt“.

Experten-Tipp: Ohne Karte gibst du den Ort als Entfernung und Richtung ab einem bekannten Punkt an – FM 21-75 zeigt als Beispiel „300 meters south of the Ken River Bridge“; bei Bewegung nennst du, von wo nach wo. Mit Karte oder App nennst du die Schweizer Koordinaten (LV95): Ostwert und Nordwert in Metern.

SALUTE: die sechs Punkte mit Leitfrage und zivilem Beispiel
Buchstabe Bedeutung Leitfrage Ziviles Beispiel
S – Size Anzahl der Personen, Fahrzeuge oder Gegenstände; zählen, notfalls schätzen Wie viele? „zwei Personen, ein Lieferwagen“ statt „eine Gruppe“
A – Activity Tätigkeit: was genau geschieht Was geschieht? „Wasser fliesst über die Strasse in eine Tiefgarage“
L – Location Ort: Adresse, Koordinate oder Entfernung und Richtung ab einem bekannten Punkt; bei Bewegung von wo nach wo Wo genau? „Dorfstrasse 12, Einfahrt Werkhof“ oder „200 m nördlich der Kirche, unterwegs Richtung Bahnhof“
U – Unit Einheit; zivil: sichtbare Erkennungsmerkmale wie Kleidung, Aufschriften, Kontrollschild Wer – woran erkennbar? „rote Jacke, grauer Rucksack; Aufschrift Muster AG am Wagen“
T – Time Zeitpunkt der Beobachtung, nicht der Meldung; wenn möglich mit Dauer Wann gesehen? „gesehen von 21:35 bis 21:40 Uhr“, auch wenn du erst um 21:50 Uhr anrufst
E – Equipment Mitgeführtes: Fahrzeuge, Werkzeug, Gegenstände; Unbekanntes beschreiben oder skizzieren Womit? „weisser Lieferwagen, Kontrollschild beginnt mit ZH, Rest nicht lesbar“

Bedeutungen nach FM 21-75 (1984), TC 3-21.75 (2013) und STP 21-1-SMCT (2017), die Dauer bei T nach der kalifornischen Zivilfassung; die Beispiele sind erfunden.

Sicherheit zuerst: beobachten, nicht verfolgen

Eine SALUTE-Meldung entsteht aus dem, was du aus sicherer Distanz ohnehin siehst; sie ist nie ein Grund, näher heranzugehen, jemandem zu folgen oder an einem gefährlichen Ort zu bleiben.

Die Kantonspolizei Bern rät bei verdächtigen Beobachtungen: „Bringen Sie sich nicht in Gefahr. Halten Sie immer eine sichere Distanz.“ und „Melden Sie Ihre Beobachtungen sofort über die Nummer 112 oder 117.“ Die Schweizerische Kriminalprävention schreibt für den Fall, dass jemand Einbrecher ertappt: „Ziehen Sie sich schnell zurück und rufen Sie die Polizei (117).“ Die Kantonspolizei Basel-Stadt schreibt zum Notruf 117 knapp: „Nicht eingreifen – z. B. bei Einbruch.“

Bei akuter Gefahr gilt die Reihenfolge Flüchten – Verstecken – Alarmieren: Die Polizei 117 alarmierst du, sobald du selbst in Sicherheit bist; fedpol schreibt dazu: „Ihre eigene Sicherheit hat dabei immer Vorrang.“ Auch nach einem Gewaltereignis helfen Zeugen der Polizei mit genau diesen Angaben – erst in Sicherheit, dann melden. Wie du dich in einer solchen Lage verhältst, erklärt die Anleitung Schutz bei Terror & Gewalt.

Filmen ersetzt weder den Rückzug noch die Meldung. Aufnahmen, die helfen können, einen Vorfall aufzuklären, überlässt du laut Kantonspolizei Basel-Stadt der Polizei; erkennbare Personen haben nach dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten ein Recht am eigenen Bild.

Für Einsteiger: Bei Fahrzeugen fragt die Kantonspolizei Bern nach Kontrollschild, Farbe, Marke, Typ, Auffälligem und Fahrtrichtung. Präg dir zuerst das Kontrollschild und die Richtung ein.

Experten-Tipp: Schreib die Uhrzeit der Beobachtung auf, bevor du telefonierst – gefragt ist, wann etwas geschah, nicht wann du anrufst.

  1. Abstand halten: nichts tun, was dich in Gefahr bringt – auch nicht, um ein Kontrollschild besser zu lesen.
  2. Niemandem folgen, niemanden festhalten oder zur Rede stellen.
  3. Sofort melden, auch wenn noch Angaben fehlen: Was du nicht weisst, fragt die Zentrale nach.
  4. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig melden – so formulieren es die Kantonspolizeien Bern und Thurgau.
  5. Verhalten beschreiben, nicht Personengruppen: Verdächtig ist, was jemand tut.
  6. Beobachtung und Vermutung trennen: „Zwei Personen drücken Türfallen“ ist eine Beobachtung, „Einbrecher“ eine Deutung.

Beispiele: SALUTE im Alltag

Drei erfundene Beispielmeldungen zeigen, wie SALUTE eine Beobachtung in der Schweiz ordnet: als Zeugenmeldung am Telefon, als Lagemeldung per PMR446-Funk und als schriftliche Botennachricht.

Beispiel 1 – Zeugenmeldung an die Polizei 117: Du siehst an einem Donnerstagabend aus dem Fenster, wie zwei Personen an mehreren Häusern deiner Strasse die Türfallen drücken und wieder in einen Lieferwagen steigen. Du bleibst drinnen, notierst das Wichtigste und wählst 117. Deine Notiz nach SALUTE: „S: zwei Personen, ein Lieferwagen. A: drücken an mehreren Hauseingängen die Türfallen, steigen wieder ein. L: Lindenweg in Musterwil, zuerst bei Nummer 4, dann bei Nummer 8; der Wagen fährt Richtung Bahnhof. U: eine Person mit roter Jacke und Kappe, eine mit dunkler Regenjacke; am Wagen keine Aufschrift. T: gesehen von 21:35 bis 21:40 Uhr. E: weisser Lieferwagen, Kontrollschild beginnt mit ZH, Rest nicht lesbar.“

Am Telefon führt die Zentrale das Gespräch: Die Kantonspolizei Basel-Stadt etwa fragt bei 117 zuerst, was passiert ist, dann wo und wann. Du antwortest aus deiner Notiz in der Reihenfolge, in der gefragt wird, und sagst auch, was du nicht erkennen konntest.

Beispiel 2 – Lagemeldung per PMR446 im Quartier: Nach einem Gewittersturm melden sich die Haushalte eines Quartiers wie vorher abgemacht auf dem gemeinsamen PMR446-Kanal; Jonas sammelt die Meldungen. Nora funkt: „An Jonas von Nora, Meldung: Zwei Bäume liegen quer über der Waldstrasse, 100 Meter nach der Abzweigung zum Sportplatz, kein Durchkommen für Autos. Gesehen um 18:10 Uhr. Birkenweg 7 alle unverletzt, kein Strom. Umfahrung über die Bahnhofstrasse, antworten.“ Jonas quittiert: „Jonas, Meldung verstanden, antworten.“ Nora schliesst: „Verstanden, Schluss.“

In Beispiel 2 stecken S, A, L und T in den ersten beiden Sätzen; U und E bleiben leer, weil es weder Personen noch Fahrzeuge zu beschreiben gibt. Punkte ohne Inhalt lässt du weg – auch das Army-Soldatenhandbuch STP 21-1-SMCT (2017) erlaubt, im Notfall Zeilen auszulassen. Der Umfahrungsvorschlag steht getrennt am Schluss, so wie das Army-Formular SPOTREP Einschätzung und Freitext in eigenen Zeilen nach den Beobachtungen führt. Die Quittung „Meldung verstanden“ folgt den Sprechregeln des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS). Ist jemand verletzt oder in Gefahr, kommt zuerst der Notruf; der Quartierfunk ersetzt ihn nicht.

Beispiel 3 – schriftliche Botennachricht: Am nächsten Morgen sind Strom und Handynetz im Birkenweg noch immer weg. Nora schreibt ihrer Schwester Sara im Nachbardorf und gibt den Zettel Jonas mit, der ohnehin dorthin geht – mit dem klaren Auftrag, ihn nur Sara zu übergeben und ihre Antwort zurückzubringen. Der Kopf folgt dem Meldezettel des Zivilschutzes (Empfänger, Absender, Datum, Zeit, Betreff, Inhalt, Visum); im Text stehen die Zeiten der Ereignisse, im Kopf die Zeit des Schreibens. Der Zettel:

  1. An: Sara Keller, Musterberg
  2. Von: Nora Keller, Birkenweg 7, Musterwil
  3. Datum und Zeit: Sonntag, 15.03., 08:15 Uhr
  4. Betreff: Lage Birkenweg nach dem Sturm
  5. Meldung: Waldstrasse seit gestern 18:10 Uhr durch zwei umgestürzte Bäume gesperrt, Umfahrung über die Bahnhofstrasse. Birkenweg seit gestern 18:30 Uhr ohne Strom und Handynetz. Bei uns alle vier unverletzt, Vorrat reicht.
  6. Nächster Kontakt: heute 17:00 Uhr am vereinbarten Treffpunkt.
  7. Visum (Unterschrift): Nora Keller

Die W-Fragen: so läuft ein Notruf in der Schweiz

Die W-Fragen sind sechs Fragen für den Notruf: Wo? Wer? Was? Wann? Wie viele? Weiteres? Für Notrufe sind diese sechs W-Fragen in der Schweiz das eingeübte Schema: Man lernt sie im Nothelferkurs, und im Kanton Thurgau nennen die Kantonale Notrufzentrale und die Kantonspolizei dieselben sechs Fragen in derselben Reihenfolge.

Pflicht ist der Kurs für alle, die sich zur Basistheorieprüfung für einen Lernfahrausweis der Kategorien A, B, A1 oder B1 anmelden (Verkehrszulassungsverordnung, Art. 10, mit Ausnahmen, zum Beispiel für Ärztinnen und Ärzte). Die Kursnorm, nach der sich die Kurse laut Bundesamt für Strassen richten, führt die sechs Fragen unter „Meldevorgang (gemäss Anweisungen der Notrufzentralen)“. Von „W-Fragen“ sprechen die Schweizer Unterlagen selbst nicht: Die Kursnorm nennt es Meldevorgang, Notrufzentralen und Samariter nennen es Meldeschema oder Abfrageschema. Die Kursinhalte werden überarbeitet, die Einführung ist per 1. Januar 2027 vorgesehen (Stand September 2026).

Die Notrufzentralen fragen nach einem ähnlichen Muster ab und führen das Gespräch: Du musst die Fragen nicht in der richtigen Reihenfolge aufsagen, sondern ruhig und vollständig antworten. Die Stadt Zürich spricht von einem standardisierten Abfrageprotokoll, der Sanitätsnotruf 144 Zentralschweiz sagt, er „übernimmt die Gesprächsführung“. In Basel-Stadt veranlasst die Zentrale die Alarmierung der Einsatzmittel bereits während des Telefongesprächs.

Reihenfolge und Anzahl der Fragen unterscheiden sich je Zentrale; der Ort kommt fast immer zuerst. Die Rega (1414) fragt nach Wo, Wer, Was, Wie viele, der Situation vor Ort und dem Wetter. Die Kantonspolizei Basel-Stadt nennt für 117 zuerst Was, dann Wo und Wann; für 118 und 144 fragt sie nach Ort, Rückrufnummer und Ereignis. Die Samariter Schweiz verstehen unter „Weiteres“ die Frage nach besonderen Gefahren.

Leg erst auf, wenn die Zentrale das Gespräch beendet. Rettung St. Gallen begründet das damit, dass so alle für den Einsatz wichtigen Informationen vorhanden sind, und rät, am Mobiltelefon die Combox zu deaktivieren, damit die Zentrale zurückrufen kann. Die Samariter Schweiz schreiben: „Beenden Sie den Anruf erst, wenn man Ihnen bestätigt hat, Sie verstanden zu haben.“

Die Notrufnummern der Schweiz sind 117 (Polizei), 118 (Feuerwehr), 144 (Sanität) und 1414 (Rega); im Kanton Wallis alarmierst du bei Bergnotfällen über 144. Die europäische Notrufnummer 112 verbindet laut ch.ch mit der Alarmzentrale der Polizei. Die Organisation Notrufe Schweiz hält fest, dass für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst 117, 118 und 144 zu verwenden sind; ein Notruf 112 wird an die zuständige Zentrale weitergeleitet, ein allfälliger Zeitverlust wird dabei in Kauf genommen.

Beispiel – derselbe Sturm als Notruf an 144: Auf der Waldstrasse hat ein Ast einen Velofahrer getroffen; er ist gestürzt und ansprechbar. Luca kommt dazu, bleibt ausserhalb des Bereichs, in dem weitere Äste fallen können, wählt 144 und beantwortet die Fragen der Zentrale, etwa in dieser Reihenfolge:

Für Einsteiger: Merk dir vor allem „der Ort zuerst“ – den Rest fragt die Zentrale ab.

Experten-Tipp: Am Berg nennst du der Rega den Ort mit Koordinaten, Kanton, Ortschaft, Flurname und markanten Punkten – so steht es im Rega-Merkblatt zur Alarmierung.

  1. Wo? – „Waldstrasse in Musterwil, 100 Meter nach der Abzweigung zum Sportplatz.“
  2. Wer? – „Luca Meier, ich bin unter dieser Handynummer erreichbar.“
  3. Was? – „Ein Ast hat einen Velofahrer getroffen, er ist gestürzt und hat starke Schmerzen am Bein.“
  4. Wann? – „Vor etwa fünf Minuten, um 18:20 Uhr.“
  5. Wie viele? – „Eine verletzte Person.“
  6. Weiteres? – „Zwei Bäume liegen quer über der Strasse, von der Dorfseite kommt kein Auto durch.“
  7. Danach die Anweisungen der Zentrale befolgen und erst auflegen, wenn sie das Gespräch beendet.

SALUTE oder W-Fragen – wann nutzt du was?

SALUTE und die W-Fragen schliessen sich nicht aus: Die W-Fragen tragen dich durch einen Notruf, bei dem die Zentrale fragt; SALUTE ordnet eine Beobachtung, die du selbst formulieren musst – am Funk, auf einem Zettel oder als Notiz vor dem Anruf.

Am Funk beginnt jede Durchsage damit, wen du rufst und wer du bist; das Beispiel der Rega für den Notfunk lautet „Rega von Urs, Bergunfall, 900 Meter südlich Mattstock, antworten“. Deshalb steht am Funk das Wer vorn, während die Zentrale am Telefon meist zuerst nach dem Ort fragt.

Auch der Zivilschutz arbeitet mit einem Frageschema: Der Meldezettel im Handbuch Führungsunterstützung des BABS fragt „Wann? Wer? Was? Wie? Wo? Wie ist die Umwelt?“ – in anderer Reihenfolge als der Nothelferkurs und für die Arbeit im Lagezentrum, nicht für Anrufende.

Experten-Tipp: Im Army-Formular SPOTREP (FM 6-99, Ausgabe 2021) tragen die Zeilen 3 bis 8 die Namen der sechs SALUTE-Punkte, ohne dass das Wort SALUTE im Formular steht; die Meldezeit steht in Zeile 1, die Beobachtungszeit in Zeile 7, die Einschätzung folgt in Zeile 9. Diese Trennung von Beobachtung, Zeitpunkt und Deutung lohnt sich auch für zivile Meldungen.

  1. Du wählst 117, 118, 144 oder 1414: Antworte auf die Fragen der Zentrale; eine Notiz nach SALUTE hilft dir, nichts zu vergessen.
  2. Du meldest ohne Zentrale – per Funk, Zettel oder Bote: Bau die Meldung nach SALUTE auf und lass leere Punkte weg.
  3. Du gibst eine fremde Meldung weiter: nichts umbauen, sondern wörtlich weitergeben, mit Absender und Zeit.
SALUTE und W-Fragen im Vergleich
Kriterium SALUTE W-Fragen (Nothelferkurs)
Herkunft Handbücher der US Army, belegt von FM 21-75 (1984) bis zum Ranger Handbook (2025) Kursnorm des Nothelferkurses (gültig ab 2012), „gemäss Anweisungen der Notrufzentralen“
Zweck Eine Beobachtung kurz und vollständig melden Einen Notruf absetzen und die Rettung auslösen
Wer führt das Gespräch? Du: Du formulierst die Meldung selbst Die Notrufzentrale: Sie fragt, du antwortest
Typische Lage Verdächtige Beobachtung, Lagemeldung, Botennachricht Unfall, Brand, medizinischer Notfall, Polizeinotfall
Empfänger Polizei (als Zeugenangaben), Familie, Quartier, Treffpunkt Notrufzentrale über 117, 118, 144 oder 1414; ein Notruf 112 wird an die zuständige Zentrale weitergeleitet
Kanal Telefon, Funk (z. B. PMR446), Zettel, Bote Telefon; die Rega auch über den Notfunk-Kanal 161,300 MHz
Stärke Fester Aufbau; die Zeit meint den Moment der Beobachtung Bekannt aus dem Nothelferkurs; die Zentrale fragt nach, was fehlt
Grenze Bei keiner Schweizer Behörde bekannt; das U passt zivil nur als Erkennungsmerkmale Reihenfolge und Anzahl je Zentrale verschieden; ohne Zentrale (Funk, Zettel) fehlt die Gesprächsführung

Meldung weitergeben, ohne sie zu verfälschen

Eine Meldung weitergeben heisst, sie beim nächsten Empfänger so abzuliefern, wie du sie erhalten hast – vollständig, wörtlich und mit Herkunft. In Versuchen zur mündlichen Weitergabe gingen nach fünf bis sechs Stationen rund 70 Prozent der Einzelheiten verloren; Namen von Personen und Orten fielen fast immer weg oder wurden entstellt (Allport und Postman, 1947). In Versuchen mit schriftlicher Weitergabe aus dem Gedächtnis veränderte sich der Inhalt stark, während die Beteiligten teils überzeugt waren, alles Wichtige kaum verändert weitergegeben zu haben (Bartlett, 1932).

Entscheidend ist, woher eine Angabe stammt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz bewertet Informationen im Lagebehelf in vier Stufen: gesichert, von der Informationsquelle beobachtet, gehört und bestätigt, gehört, aber nicht bestätigt. Sag deshalb beim Weitergeben dazu, ob der Absender etwas selbst gesehen oder nur gehört hat.

Gerüchte gibst du nicht als Tatsache weiter. Der Notfunk-Leitfaden der IARU warnt davor, selbst zur Quelle eines Gerüchts zu werden, und verlangt, Schätzungen klar als Schätzung zu kennzeichnen – etwa „geschätzt zwölf beschädigte Häuser“.

Zurückgelesen wird nicht jede Meldung: Nach den Sprechregeln des Bevölkerungsschutzes quittiert der Empfänger einer gewöhnlichen Meldung mit „verstanden“; wer eine Meldung über eine Zwischenstation weiterleitet (Transit), wiederholt sie vollständig und erhält „richtig“, bevor er sie weitergibt. Für den Alltag heisst das: Wer eine Meldung weitergeben soll, liest sie zurück.

  1. Annehmen: zuhören oder den Zettel lesen, solange der Absender noch da ist, und Unklares sofort nachfragen.
  2. Notieren: die Meldung sofort aufschreiben – mit Datum, Uhrzeit, von wem sie stammt und, falls genannt, wann das Beobachtete geschah.
  3. Zurücklesen: die Notiz dem Absender vollständig vorlesen und erst weitergeben, wenn er sie mit „richtig“ bestätigt; bei einem Fehler sagt er „falsch, ich wiederhole“ und wiederholt den betreffenden Teil.
  4. Herkunft nennen: die Weitergabe mit Absender und Zeit beginnen, etwa „Meldung von Nora Keller, beobachtet um 18:10 Uhr: …“, und sagen, ob sie es selbst gesehen oder gehört hat.
  5. Wörtlich weitergeben: nichts weglassen, nichts ausschmücken, nichts „verbessern“; was falsch wirkt, klärt nur der Absender.
  6. Vermerken: auf der Notiz festhalten, wann und an wen du die Meldung weitergegeben hast, und die Notiz aufbewahren.

Häufige Fehler

Typische Fehler beim Melden und Weitergeben betreffen Zeit, Zahl, Ort, Deutung, Gesprächsende und Herkunft; jeder lässt sich mit einer einfachen Regel vermeiden.

  1. Die Uhrzeit der Meldung statt der Beobachtung angeben: Gefragt ist, wann du etwas gesehen hast.
  2. Umschreiben statt zählen: „eine Gruppe“ oder „viele“ sagt wenig; „vier Personen“ oder „etwa zehn, geschätzt“ hilft weiter.
  3. Vermutung als Tatsache melden: Beschreibe, was jemand tut, und kennzeichne Vermutungen als Vermutung.
  4. Den Ort ohne Bezugspunkt nennen: „beim Wald“ findet niemand; Entfernung und Richtung ab einem bekannten Punkt oder Koordinaten angeben.
  5. Warten, bis alles klar ist: Sofort melden – was fehlt, fragt die Zentrale nach.
  6. Zu früh auflegen: Das Gespräch beendet die Zentrale, nicht du.
  7. Hinterhergehen oder filmen, um mehr zu sehen: Abstand geht vor Vollständigkeit.
  8. Beim Weitergeben kürzen oder ausschmücken: wörtlich weitergeben, mit Absender und Zeit.
  9. Hörensagen als eigene Beobachtung ausgeben: immer sagen, ob gesehen oder gehört.

Üben: so wird das Schema zur Gewohnheit

Ein Meldeschema lässt sich im Alltag üben, ohne Ausrüstung und in wenigen Minuten – in der Familie, im Quartier oder allein.

Für Einsteiger: Leg einen Zettel mit den sechs W-Fragen und den sechs SALUTE-Punkten neben das Telefon und ins Notgepäck.

Experten-Tipp: Prüf eure Meldekette ab und zu mit einer Testmeldung, die zum Absender zurückläuft. Laut den Richtlinien des Meldungsnetzes der US-Funkamateure (ARRL National Traffic System) kann sich ein solcher Test lohnen, weil beim Weiterleiten Fehler entstehen, die sonst kaum jemand bemerkt.

  1. Szene beschreiben: Eine Person beschreibt eine Alltagsszene in einer Minute nach SALUTE, etwa eine Baustelle – wie viele Leute, was sie tun, wo genau, woran erkennbar, seit wann, welche Maschinen.
  2. Stille-Post-Probe: Eine kurze Meldung geht mündlich über drei oder vier Personen; danach vergleicht ihr das Ergebnis mit dem Original. Dann dasselbe mit Notiz und Zurücklesen.
  3. Funkprobe im Quartier: Auf dem abgemachten PMR446-Kanal eine erfundene Lagemeldung durchgeben und mit „Meldung verstanden“ quittieren lassen.
  4. Notruf trocken üben: Für eine erfundene Lage die sechs W-Fragen durchgehen – ohne eine Nummer zu wählen.

Häufige Fragen

Wofür stehen die sechs Buchstaben von SALUTE?

SALUTE steht für Size, Activity, Location, Unit, Time und Equipment: Anzahl, Tätigkeit, Ort, Einheit, Zeitpunkt der Beobachtung und Ausrüstung. In den neuesten Army-Handbüchern bedeutet U „Unit“; einzelne Ausgaben schreiben „Uniform“, und das Ranger Handbook (2025) beschriftet die Zeile in seinem Beispiel mit „UNIT / UNIFORM“. In einer zivilen Meldung gehören unter U die sichtbaren Erkennungsmerkmale wie Kleidung, Aufschriften oder Kontrollschilder.

Welche W-Fragen stellt die Notrufzentrale in der Schweiz?

Die Schweizer Notrufzentralen fragen nach einem ähnlichen Muster ab, wie es der Nothelferkurs mit sechs Fragen lehrt: Wo? Wer? Was? Wann? Wie viele? Weiteres? Reihenfolge und Anzahl unterscheiden sich je Zentrale, der Ort kommt fast immer zuerst; die Rega fragt zusätzlich nach der Situation vor Ort und dem Wetter. Die Zentrale führt das Gespräch – du antwortest ruhig und legst erst auf, wenn sie es beendet.

Sind es fünf oder sechs W-Fragen?

Die Kursnorm des Nothelferkurses nennt sechs Fragen; eine für alle Notrufzentralen feste Zahl gibt es in der Schweiz aber nicht. Andere Stellen nennen nur drei Punkte oder fragen zusätzlich nach Alter, Bewusstsein und Atmung, und die Schweizer Unterlagen selbst sprechen nicht von „W-Fragen“, sondern von Meldevorgang oder Meldeschema. Wichtiger als die Zahl ist der Ablauf: Der Ort kommt fast immer zuerst, und durch die übrigen Fragen führt dich die Notrufzentrale.

Wie gibst du eine Meldung weiter, ohne dass sie verfälscht wird?

Eine Meldung gibst du unverfälscht weiter, indem du sie sofort mit Datum, Uhrzeit und Absender aufschreibst, dem Absender vorliest und erst nach seinem „richtig“ wörtlich weitergibst. Beginne mit der Herkunft, etwa „Meldung von Nora, beobachtet um 18:10 Uhr“, und sag dazu, ob sie es selbst gesehen oder nur gehört hat. Ändern darf nur der Absender – auch Stellen, die dir falsch vorkommen.

Darfst du einer verdächtigen Person folgen oder sie filmen, um genauer melden zu können?

Folgen solltest du niemandem: Die Kantonspolizei Bern rät „Bringen Sie sich nicht in Gefahr. Halten Sie immer eine sichere Distanz.“ und bittet, Beobachtungen sofort über 117 oder 112 zu melden. Filmen ersetzt weder den Rückzug noch den Anruf. Hast du Aufnahmen, die zur Aufklärung beitragen können, überlässt du sie laut Kantonspolizei Basel-Stadt der Polizei; erkennbare Personen haben laut EDÖB ein Recht am eigenen Bild.

Offizielle Quellen