Kommunikation · Satellit · Unabhängiger Fernkanal

Satellitenkommunikation

Starlink · Iridium · Redundanz

Satellitenkommunikation ist der einzige Kanal, der bei einem grossflächigen Ausfall von Strom, Mobilfunk und Internet weiterhin nach aussen funktioniert – weil er die gesamte terrestrische Infrastruktur der Schweiz umgeht. Für Haushalte gibt es zwei praktische Wege: ein Iridium-Satellitentelefon bzw. einen Satelliten-Messenger wie Garmin inReach als portable, stromsparende Sprach- und Text-Lebensader – und Starlink als vollwertige, aber stromhungrige Internet-Basisstation, die nur mit vorbereitetem Notstrom sinnvoll ist.

ReichweiteGlobal · Pol-zu-Pol
LizenzIn CH frei nutzbar
StromIridium sparsam · Starlink hoch

Warum ein Satellitenkanal die entscheidende Redundanz ist

Mobilfunk und Festnetz-Internet teilen dieselben Schwachstellen: das Stromnetz, die Glasfaser im Hintergrund (Backhaul) und das Kernnetz der Betreiber. Fällt einer dieser Bausteine grossflächig aus, sind meist beide Kanäle gleichzeitig tot. Ein Satellitenkanal hängt an keinem davon – er funktioniert genau dann, wenn die terrestrischen Netze versagen.

Statt über Antennenmasten und Kabel läuft die Verbindung über Satelliten. Für Notfallzwecke zählen vor allem erdnahe Umlaufbahnen (LEO, Low Earth Orbit): Sie ermöglichen geringe Latenz und – bei Iridium – echte weltweite Abdeckung.

  • Satcom ergänzt das Notfunk-Konzept, ersetzt es aber nicht: Es steht als Stufe 4 (unabhängiger Fernkanal) neben dem Empfang amtlicher Warnungen per Kurbelradio (Stufe 1), dem lizenzfreien Nahbereichsfunk PMR446 (Stufe 2) und dem Amateurfunk (Stufe 3).
  • Ehrliche Grenze: Auch Satcom ist nicht vollständig autark. Starlink hängt an den SpaceX-Satelliten, an einer erreichbaren europäischen Bodenstation und an SpaceX als Firma; Iridium am Iridium-Betreiber. Beide brauchen freie Sicht zum Himmel und Strom fürs Gerät.
  • Grundregel für alle Satcom: Es braucht freie Sicht zum offenen Himmel. Kein Satelliten-Gerät funktioniert zuverlässig im Innenraum, im Keller oder im Schutzraum – dort bleibt das Batterie- oder Kurbelradio das Mittel der Wahl.

Zwei grundverschiedene Wege: Breitband oder Lebensader

Für Schweizer Haushalte sind zwei Systeme praktisch relevant. Sie lösen unterschiedliche Bedürfnisse und schliessen sich nicht aus.

  • Iridium-Satellitentelefon oder Satelliten-Messenger (z. B. Garmin inReach, Iridium 9575 Extreme): eine portable, stromsparende Sprach- und Text-Lebensader. Läuft tage- bis wochenlang auf dem eigenen Akku, funktioniert weltweit im Freien und setzt Notruf (SOS) sowie kurze Nachrichten ab. Für ein Lebenszeichen oder einen Notruf ist das die empfohlene Basis-Redundanz für die meisten Haushalte.
  • Starlink (LEO-Breitband): eine vollwertige Internet-Basisstation für Video, VoIP-Telefonie und eine Familien- oder Nachbarschafts-Koordinationszentrale. Sie ist aber ortsgebunden, braucht Dauerstrom und freie Himmelssicht – und lohnt sich als Notfall-Lösung nur, wenn eine Notstromversorgung (grosse Powerstation, Solar oder Generator) bereitsteht.
  • Kurz: Iridium ist die portable Notruf-Lebensader, Starlink die stromhungrige Breitband-Zentrale. Wer nur einen Kanal aufbaut, startet in der Regel mit dem Ersten.

Starlink: Funktionsweise und Hardware

Starlink ist ein LEO-Netz aus mehreren tausend Satelliten auf rund 550 km Höhe. Der Nutzer-Terminal (die „Dish“) funkt zum nächsten Satelliten; dieser leitet die Daten über eine Bodenstation (Gateway) oder per Laser-Verbindung zwischen den Satelliten weiter. Ist keine Bodenstation in Reichweite und kein Laserlink verfügbar, kann ein Gebiet nicht bedient werden.

Die Antenne ist elektronisch gesteuert und braucht ein freies Sichtfeld nach oben. Hindernisse wie Bäume oder Dachkanten unterbrechen die Verbindung – schon eine kleine Teilverdeckung führt bei Starkregen zu Aussetzern.

  • Standard-Dish (Gen 3): grössere Antenne (rund 3 kg) mit separatem WLAN-Router, fest oder teilportabel, Betrieb an der Netzsteckdose. Die leistungsfähigere, aber stromhungrigere Variante.
  • Starlink Mini: deutlich kleiner (Antenne rund 1 kg, Paket rund 2,7 kg) mit integriertem Router und einem DC-Eingang für 12–48 V. Rucksacktauglich und spürbar sparsamer – für Prepper und Off-Grid die relevante Variante.
  • Beide Varianten brauchen einen Standort mit freier Himmelssicht; die Mini lässt sich schneller auf- und abbauen und mitnehmen.

Starlink in der Schweiz: Verfügbarkeit und Stromverbrauch

Starlink ist in der ganzen Schweiz nutzbar – satellitengestützt und damit faktisch landesweit, aber immer nur mit freier Himmelssicht am jeweiligen Standort. Es ist kein flächendeckender Dienst im terrestrischen Sinn, sondern eine Sichtlinie zum Himmel.

Der grösste Praxis-Faktor im Notfall ist der Strom: Starlink hat keinen internen Akku und läuft nur, solange eine Stromquelle das Gerät versorgt. Genau deshalb steht und fällt der Notfall-Nutzen mit einer vorbereiteten Notstromversorgung.

  • Starlink Mini: im Feld rund 25–30 W im Betrieb (Leerlauf rund 15 W). Das ergibt grob 600–720 Wh an einem 24/7-Tag; bei 8 Stunden Nutzung rund 200 Wh.
  • Standard-Dish (Gen 3): rund 65 W als Planungswert (Nennwerte reichen bis 75–100 W, im Feld eher 40–90 W). Das sind grob 1,5–2,4 kWh pro 24/7-Tag – deutlich anspruchsvoller für reinen Solarbetrieb.
  • Alle Watt-Werte sind Momentaufnahmen (Stand Juli 2026) und firmware-abhängig; bei Frost und Niederschlag addiert die Schneeschmelz-Heizung 10–20 W. Vor dem Kauf am aktuellen Datenblatt gegenprüfen.
  • Effizient off-grid: die Mini direkt per DC an eine 12–48-V-Batterie betreiben spart die Verluste eines Wechselrichters. Faustregel: eine rund 500-Wh-Powerstation trägt die Mini etwa 1–2 Tage, mit einem 100–200-W-Solarpanel wird sie bei brauchbarer Sonne netto autark; für 24/7-Betrieb eher rund 1000 Wh Speicher plus mindestens 200 W Solar einplanen. Die Dimensionierung steht in der Anleitung Notstrom & Solar.

Starlink: Leistung, Preise und Grenzen

Beim Tempo liefert Starlink echtes Breitband: die Standard-Dish bis rund 400 Mbit/s im Download, die Mini real etwa 100–200 Mbit/s, jeweils mit rund 30–40 ms Latenz. Regen, Schnee und Nebel dämpfen das Signal (Rain Fade) – leichter Regen kaum, Starkregen mit gelegentlichen kurzen Aussetzern.

  • Preise (ca., Stand Juli 2026 – ändern sich häufig, vor dem Kauf beim Anbieter live prüfen): Hardware ab rund CHF 240 für die Mini bzw. rund CHF 330 für die Standard-Dish; Monatsabo ab grob CHF 30–35. Belastbare, aktuelle Preise nennt nur die offizielle Starlink-Seite.
  • Kein Gateway auf Schweizer Boden (Stand Juli 2026): Schweizer Verkehr läuft über europäische Bodenstationen in Frankreich, Deutschland und Italien. Eine erste CH-Bodenstation in Leuk (VS) ist geplant, aber noch nicht in Betrieb.
  • Single-Provider-Risiko: Starlink ist gegen lokale Schweizer Ausfälle robust, bleibt aber vollständig von SpaceX und der ausländischen Gateway-Infrastruktur abhängig. Das ist eine bewusste Abwägung, keine vollständige Autarkie.
  • Direct-to-Cell (SMS direkt vom normalen Handy über Starlink-Satelliten) ist in der Schweiz Stand Juli 2026 KEIN verlässlicher Notfalldienst. Salt testete 2025 auf einer Versuchslizenz; ein kommerzieller Betrieb wird frühestens um 2027 erwartet. Nicht darauf verlassen.

Iridium: die portable Sprach- und Text-Lebensader

Iridium ist das Gegenstück zu Starlink: schmalbandig, aber weltweit und stromsparend. 66 aktive LEO-Satelliten auf rund 780 km sind quervernetzt und funken sich gegenseitig zu – das ergibt eine echte Pol-zu-Pol-Weltabdeckung, inklusive Ozeane und Gebirge. Handgeräte müssen nicht ausgerichtet werden, brauchen aber freie Sicht zum offenen Himmel.

Die Bandbreite ist bewusst klein: Handgeräte übertragen mit rund 2,4 kbit/s – genug für Sprache und Kurznachrichten, untauglich für echtes Internet. Das ist der Preis für Robustheit und geringen Stromverbrauch.

  • Iridium 9555 und 9575 Extreme: klassische Satellitentelefone für Sprache, SMS und Kurzdaten. Das 9575 Extreme ist robust (Militärnorm, staub- und spritzwassergeschützt) und hat GPS sowie eine One-Touch-SOS-Taste.
  • Iridium GO! und GO! exec: machen das eigene Smartphone per WLAN-Hotspot zum Satelliten-Gerät für Sprache, Nachrichten und – beim exec – etwas Basis-Datenverkehr.
  • Stromsparend und portabel: interner Akku für grob 4 Stunden Gespräch bzw. rund 30 Stunden Bereitschaft, nachladbar per USB oder Solar. Damit hält ein Iridium-Gerät im Blackout tage- bis wochenlang durch.
  • Preise (ca., Stand Juli 2026 – live prüfen): echtes Iridium-Satellitentelefon grob CHF 1'600–2'100, dazu SIM und Airtime (grob 1–3 CHF bzw. USD pro Minute, SMS je Nachricht). Guthaben verfällt. In der Schweiz über autorisierte Händler wie Pulsar-Electronic erhältlich, teils auch mietweise.

Starlink vs. Iridium im direkten Vergleich

Beide Systeme lösen unterschiedliche Aufgaben. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wann welches passt (alle Angaben ca., Stand Juli 2026).

  • Abdeckung: Starlink landesweit in der Schweiz, aber gateway-abhängig (EU-Bodenstationen); Iridium echte Pol-zu-Pol-Weltabdeckung. Beide nur mit freier Himmelssicht.
  • Bandbreite: Starlink Breitband (Mini rund 100–200 Mbit/s, Standard bis 400 Mbit/s) für Video und VoIP; Iridium Schmalband (Handgerät rund 2,4 kbit/s) nur für Sprache und Kurztext.
  • Strom: Starlink stromhungrig (Mini rund 25–30 W, Standard rund 65 W im Schnitt) und ohne internen Akku; Iridium sehr sparsam mit tage- bis wochenlanger Akkulaufzeit.
  • Portabilität: Starlink Mini rucksacktauglich, Standard-Dish ortsgebunden; Iridium voll portabel als Handgerät, ohne Aufbau.
  • Preis: Starlink ab rund CHF 240 (Mini) plus Abo ab rund CHF 30–35 im Monat; Iridium-Satellitentelefon grob CHF 1'600–2'100 plus teure Airtime, ein Garmin-inReach-Messenger dagegen ab rund CHF 240–400 plus günstiges Abo.
  • Katastrophen-Eignung: Starlink ist die Breitband-Basisstation für eine Gruppe oder einen Haushalt – aber nur mit vorbereitetem Notstrom; Iridium und inReach sind die portable Lebensader, die überall und sofort funktioniert.

Für wen lohnt sich was?

Die Wahl hängt davon ab, was im Ernstfall gebraucht wird – ein Lebenszeichen oder eine ganze Kommunikationszentrale.

  • Basis für die meisten Haushalte: ein Iridium-Satelliten-Messenger wie der Garmin inReach (Mini 2 oder Messenger). Portable Text- und SOS-Lebensader mit wochenlanger Akkulaufzeit, ab rund CHF 240–400 plus Abo. Der garantierte „Hilfe rufen / mir geht es gut“-Kanal, wenn das Netz weg ist.
  • Starlink lohnt sich, wenn echtes Internet für Haushalt, Büro oder Koordination gebraucht wird und gleichzeitig ausreichend Notstrom (Generator, grosse Batterie, Solar) vorbereitet ist. Ohne vorbereiteten Strom ist es als persönliche Blackout-Lebensader überdimensioniert.
  • Smartphone-Satelliten-SOS als dritte Schicht: Neuere iPhones (14 und aufwärts) bieten in der Schweiz einen Notruf-SOS über Satellit – gratis und „schon in der Tasche“, aber auf den Notruf beschränkt. Das ergänzt, ersetzt aber kein dediziertes inReach.
  • Redundanz-Prinzip „two is one, one is none“: mindestens ein Kommunikationsweg, der die gemeinsame Strom- und Mast-Abhängigkeit der terrestrischen Netze nicht teilt.

Weitere Optionen kurz erklärt

  • Garmin inReach (Mini 2, Messenger): nutzt das Iridium-Netz für Zwei-Weg-Text und SOS über eine 24/7-Notrufzentrale. Günstig, stromsparend, SOS eingebaut – für viele CH-Haushalte die empfohlene Einstiegs-Redundanz.
  • Apple Notruf-SOS via Satellit: in der Schweiz verfügbar (iPhone 14 und neuer), nach aktuellem Stand mindestens bis November 2026 gratis. Vollwertige Satelliten-SMS über den Mobilfunkanbieter sind in der Schweiz dagegen noch nicht verlässlich verfügbar.
  • Android-Satelliten-Dienste (Pixel, Samsung): in Europa bislang nur über einzelne Anbieter und Tests, ohne bestätigte Schweizer Consumer-Verfügbarkeit (Stand 2026).
  • Thuraya (geostationär): deckt die Schweiz technisch ab, braucht aber einen flachen Blick nach Südosten und ist in Alpentälern und engen Häuserschluchten problematisch. Für CH-Prepper ist Iridium die robustere Wahl.

Recht und ehrliche Grenzen in der Schweiz

Rechtlich sind beide Wege für Endnutzer in der Schweiz gangbar – mit einer wichtigen baulichen Einschränkung bei Starlink.

  • Starlink: Der Betreiber hat seit August 2023 eine BAKOM-Konzession, die Heim-Dishes sind für Endkunden legal nutzbar; eine eigene Funkkonzession braucht es nicht. Die Einschränkung ist baurechtlich, nicht funkrechtlich: Für die Montage einer Schüssel braucht es die Erlaubnis des Vermieters, je nach Gemeinde und Ortsbildschutz auch eine Bewilligung.
  • Satellitentelefone (Iridium): in der Schweiz offen über autorisierte Händler an Private erhältlich; eine Bewilligungspflicht für Endnutzer ist nicht bekannt (die Schweiz steht auf keiner Satellitentelefon-Verbotsliste). Diese Einordnung stützt sich auf Händler- und Sekundärquellen – im Zweifel direkt beim BAKOM verifizieren.
  • Ehrliche Grenzen: Beide Systeme brauchen freie Himmelssicht und Strom fürs Gerät – im Keller oder Schutzraum funktioniert nichts. Starlink hängt zusätzlich an ausländischen Bodenstationen und an SpaceX; Direct-to-Cell ist in der Schweiz vor rund 2027 kein verlässlicher Notfalldienst. Preise und firmware-abhängige Watt-Werte ändern sich laufend.

So gehst du vor

  • Zuerst die portable Lebensader sichern: ein Iridium-Satellitentelefon oder einen Garmin-inReach-Messenger beschaffen, aktivieren und die SOS-Funktion einmal im Testmodus des Anbieters prüfen.
  • Nur wenn echtes Breitband gebraucht wird: Starlink Mini einplanen und gleichzeitig die Notstromversorgung dimensionieren – ohne vorbereiteten Strom bringt die Dish im Blackout nichts.
  • Standort mit freier Himmelssicht festlegen und vorab testen; Auf- und Abbau der Mini üben, solange das Netz noch da ist.
  • Preise, Abos und Watt-Werte kurz vor dem Kauf an der Primärquelle gegenprüfen (offizielle Anbieterseiten, Schweizer Händler) – sie ändern sich häufig.
  • Satcom in den Notfallplan einordnen: als Stufe 4 (unabhängiger Fernkanal) neben Kurbelradio (Empfang), PMR446 (Nahbereich) und Amateurfunk (regional).

Gut zu wissen

  • Starlink hat keinen internen Akku – ohne Notstrom kein Betrieb
  • Iridium und inReach laufen tage- bis wochenlang auf dem eigenen Akku
  • Kein Satcom funktioniert im Keller oder Schutzraum – immer freie Himmelssicht nötig
  • Alle Preise und Watt-Werte sind Momentaufnahmen (Stand Juli 2026) und vor dem Kauf live zu prüfen

Weiterführende Quellen

→ Passende Notfunk-Frequenzen ansehen