Staudammbruch
Der Wasseralarm – 12 tiefe Dauertöne – gilt nur unterhalb von Stauanlagen und bedeutet: sofort handeln, nicht auf weitere Informationen warten. Verlassen Sie das gefährdete, tiefer liegende Gebiet umgehend und begeben Sie sich auf höher gelegenes Gelände. Kehren Sie nicht zurück, um etwas zu holen, und warnen Sie andere unterwegs.
Die Schweiz ist ein Land der Talsperren: Über 200 grosse Stauanlagen unterstehen der Bundesaufsicht, darunter die Grande Dixence im Wallis, mit 285 Metern die höchste Staumauer der Schweiz. Ein Versagen oder Überlaufen einer solchen Sperre würde eine Flutwelle auslösen, die tiefer liegende Siedlungen im Tal in kurzer Zeit erreichen kann. Auslöser können ein Bauwerksversagen, ein Überlauf oder – wie beim Vajont 1963 in Italien – ein Bergsturz in den Stausee sein.
Die Aufsicht über die grossen Talsperren liegt beim Bundesamt für Energie (BFE); die Anlagen werden laufend überwacht. Für den Ernstfall betreibt der Bund das Wasseralarm-System: In den gefährdeten Gebieten unterhalb von Stauanlagen stehen eigene Sirenen, die mit rund 630 Anlagen den Bereich abdecken, den eine Flutwelle innert zwei Stunden erreichen könnte. Ausgelöst wird der Wasseralarm manuell durch den Betreiber, nie automatisch.
Der Wasseralarm ist ein eigenes Signal – zwölf tiefe Dauertöne von je 20 Sekunden mit Pausen von je 10 Sekunden. Anders als beim allgemeinen Alarm bleibt hier keine Zeit, erst Informationen abzuwarten: Wer das Signal hört, verlässt das gefährdete Gebiet sofort und begibt sich auf höher gelegenes Gelände.
Risiko-Einstufung
Eintrittswahrscheinlichkeit: Gering · Schadensausmass: Hoch → Gesamtrisiko: Mittel.
| Schadensausmass | ||||
|---|---|---|---|---|
| Gering | Mittel | Hoch | ||
| Eintrittswahrscheinlichkeit | Hoch | |||
| Mittel | ||||
| Gering | Einstufung dieser Gefahr | |||
Legende: Gering (grün) · Mittel (gelb) · Hoch (rot). Das Gesamtrisiko ergibt sich aus Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmass.
Bricht oder überflutet eine Talsperre, rast eine Flutwelle ins Tal. Im gefährdeten Gebiet warnt der Wasseralarm – dann sofort auf höher gelegenes Gelände.
Sofortmassnahmen
- Wasseralarm (12 tiefe Töne) bedeutet: sofort handeln
- Gefährdetes Gebiet umgehend verlassen
- So rasch wie möglich auf höher gelegenes Gelände
Warnanzeichen
- Wasseralarm-Sirene: zwölf tiefe Dauertöne von je 20 Sekunden, Pausen von je 10 Sekunden (nur unterhalb von Stauanlagen)
- Ungewöhnlich rasch steigender oder sinkender Wasserstand unterhalb der Sperre
- Sichtbare Risse, Sickerwasser oder Verformungen an der Staumauer
- Hangbewegungen oder Felsstürze oberhalb des Stausees
- Behördenmeldungen über Alertswiss und Radio zur Lage der Stauanlage
Vorher · Während · Nachher
Vorher
- Wissen, ob man in einer Wasseralarm-Zone unterhalb einer Talsperre wohnt
- Wasseralarm-Signal vom allgemeinen Alarm unterscheiden können
- Fluchtweg in höher gelegenes Gelände im Voraus festlegen
- Örtliche Merkblätter der Gemeinde zum Wasseralarm beachten
Während
- Beim Wasseralarm nicht auf weitere Informationen warten
- Tiefer liegende Gebiete sofort verlassen, auf Anhöhen flüchten
- Nicht ins gefährdete Tal zurückkehren, nichts holen gehen
- Andere warnen und mitnehmen, gefährdete Personen unterstützen
Nachher
- Erst zurückkehren, wenn die Behörden Entwarnung geben
- Vor dem Betreten unterspülte/beschädigte Gebäude prüfen lassen
- Auf weitere Murgänge, Schlamm und beschädigte Infrastruktur achten
Das ist real passiert
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2023 Dammbrüche von Derna (Libyen)
In der Nacht auf den 11. September 2023 brachen nach dem Sturm «Daniel» zwei marode Dämme oberhalb der Stadt Derna; die Flutwelle zerstörte ganze Stadtteile und forderte mehrere tausend Tote — ein Beispiel für die Folgen vernachlässigter Stauanlagen.
Quelle -
2023 Zerstörung Kachowka-Staudamm (Ukraine)
Am 6. Juni 2023 wurde der Kachowka-Staudamm am Dnipro im Krieg zerstört; die Überflutung dauerte fast drei Wochen, betroffen waren rund 80 Gemeinden und die Wasserversorgung von hunderttausenden Menschen.
Quelle -
2019 Dammbruch von Brumadinho (Brasilien)
Am 25. Januar 2019 brach der Rückhaltedamm einer Eisenerzmine bei Brumadinho; rund 12 Mio. m³ Schlamm begruben Anlagen und Siedlungen und töteten mindestens 270 Menschen.
Quelle -
1963 Vajont-Katastrophe (Italien)
Am 9. Oktober 1963 stürzten rund 270 Mio. m³ Fels vom Monte Toc in den Stausee und verdrängten eine gewaltige Flutwelle über die Mauer. Sie zerstörte Longarone und Nachbardörfer und forderte über 2000 Tote – die Staumauer selbst blieb weitgehend intakt.
Quelle -
1965 Mattmark-Unglück (VS)
Am 30. August 1965 brach während des Baus des Mattmark-Staudamms ein Teil des Allalingletschers ab; rund 2 Mio. m³ Eis und Geröll verschütteten die Baustelle und töteten 88 Menschen. Es war ein Gletscherabbruch auf die Baustelle, kein Versagen der Talsperre.
Quelle
Häufige Fragen
Woran erkenne ich den Wasseralarm und wie unterscheidet er sich vom allgemeinen Alarm?
Der Wasseralarm besteht aus zwölf tiefen Dauertönen von je 20 Sekunden mit Pausen von je 10 Sekunden und ertönt nur in den gefährdeten Gebieten unterhalb von Stauanlagen. Anders als beim Allgemeinen Alarm (auf- und absteigender Heulton) bleibt keine Zeit, Informationen abzuwarten: Wer ihn hört, verlässt das Gebiet sofort und flüchtet in höher gelegenes Gelände.
Wie bereite ich mich auf einen möglichen Staudammbruch vor?
Klären Sie, ob Sie in einer Wasseralarm-Zone unterhalb einer Talsperre wohnen, und legen Sie einen Fluchtweg in höher gelegenes Gelände im Voraus fest. Lernen Sie, den Wasseralarm vom allgemeinen Alarm zu unterscheiden, und beachten Sie die örtlichen Merkblätter Ihrer Gemeinde zum Wasseralarm.
Wie wahrscheinlich ist ein Staudammbruch in der Schweiz?
Die Schweiz hat über 200 grosse Stauanlagen unter Bundesaufsicht; sie werden laufend überwacht, die Aufsicht liegt beim Bundesamt für Energie (BFE). Ein Versagen ist sehr selten, die Folgen wären aber gravierend. Für den Ernstfall betreibt der Bund ein eigenes Wasseralarm-System mit rund 630 Sirenen, das den Bereich abdeckt, den eine Flutwelle in zwei Stunden erreichen könnte.
Offizielle Quellen
- Alertswiss Was bedeutet Wasseralarm?
- BABS Sirenen und Alarmierung
- BFE Talsperrenaufsicht
- Anleitung: Schutzraum Schweiz Schutz und Zuweisung im Ereignisfall