Lawinen & Rutsche
Lesen Sie vor jeder Tour das Lawinenbulletin des SLF, passen Sie Ihre Route der Gefahrenstufe an und respektieren Sie Sperrungen strikt. Führen Sie LVS, Schaufel und Sonde mit und beherrschen Sie deren Gebrauch. Meiden Sie bei Murgang-Gefahr Bachläufe und Hänge; im Notfall alarmieren Sie die Rega über 1414.
Lawinen, Murgänge und Erdrutsche bedrohen Siedlungen und Verkehrswege im Alpenraum — besonders nach intensiven Schneefällen, Wind (Triebschnee) oder Dauerregen. Lawinen gefährden vor allem den Wintersport im freien Gelände; Murgänge und Rutsche treten ganzjährig auf, oft als Folge von Starkregen.
Das Lawinenbulletin des SLF (Institut für Schnee- und Lawinenforschung) ist das zentrale Planungsinstrument: Es nennt täglich eine fünfstufige Gefahrenstufe für jede Region. Die meisten tödlichen Lawinenunfälle werden von den Betroffenen selbst ausgelöst.
Dass die Gefahr real ist, zeigt die Geschichte: Der Lawinenwinter 1951 forderte rund 98 Todesopfer, der Bergsturz von Bondo 2017 acht. Verbaute Schutzbauten und Frühwarnsysteme haben die Opferzahlen seither stark gesenkt — aber im Gelände bleibt Eigenverantwortung entscheidend.
Risiko-Einstufung
Eintrittswahrscheinlichkeit: Mittel · Schadensausmass: Mittel → Gesamtrisiko: Mittel.
| Schadensausmass | |||
|---|---|---|---|
| Gering | Mittel | Hoch | |
| Hoch | |||
| Mittel | Einstufung dieser Gefahr | ||
| Gering | |||
Legende: Gering (grün) · Mittel (gelb) · Hoch (rot). Das Gesamtrisiko ergibt sich aus Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmass.
Lawinen, Murgänge und Hangrutsche bedrohen alpine Regionen und Verkehrswege. Lokale Lageberichte und Sperrungen sind verbindlich.
Sofortmassnahmen
- Lawinenbulletin (SLF) prüfen
- Gesperrte Routen respektieren
- Notfallausrüstung im Gelände
Warnanzeichen
- SLF-Lawinenbulletin: Gefahrenstufe 3 (erheblich), 4 (gross) oder 5 (sehr gross)
- Frischer Triebschnee, „Wummgeräusche" oder Risse im Schnee, kürzlich abgegangene Lawinen (deutlichste Alarmzeichen im Gelände)
- Starker Neuschnee in kurzer Zeit, starker Wind, rascher Temperaturanstieg/Regen auf Schnee
- Bei Murgang/Rutsch: anschwellende, trübe Bäche, rieselnde Steine, Risse oder Sackungen im Hang
- Behördliche Strassen-/Pistensperrungen (verbindlich, nicht „Empfehlung")
Vorher · Während · Nachher
Vorher
- Lawinenbulletin (SLF) lesen & verstehen
- Touren der Gefahrenstufe anpassen
- LVS, Schaufel & Sonde mitführen und beherrschen
Während
- Gesperrte Strassen & Pisten strikt respektieren
- Bei Murgang-Gefahr: Bachläufe & Hänge meiden
- Im Notfall 1414 (Rega) alarmieren
Nachher
- Verschüttetensuche: erst Überblick, dann LVS-Suche
- Lokale Behördeninfos zur Rückkehr abwarten
Das ist real passiert
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2025 Bergsturz Blatten (VS)
Am 28. Mai 2025 kollabierte der Birchgletscher unter abgestürzten Felsmassen; mehrere Millionen Kubikmeter Schutt und Eis verschütteten das zuvor evakuierte Dorf Blatten im Lötschental grossteils. Eine Person kam ums Leben; die Schuttmassen stauten die Lonza zu einem See auf.
Quelle -
2023 Felssturz Brienz/Brinzauls (GR)
Nach jahrelang beschleunigter Hangbewegung stürzten in der Nacht auf den 16. Juni 2023 rund 1,2 Mio. m³ Fels ins Tal; die Gesteinsmassen kamen wenige Meter vor dem zuvor evakuierten Dorf Brienz zum Stillstand.
Quelle -
2019 Lawinenwinter
Der schneereiche Winter 2018/19 führte im Januar 2019 verbreitet zur höchsten Lawinenwarnstufe 5; gemäss SLF-Bilanz wurden in jenem Winter 217 Personen von Lawinen erfasst, 20 Menschen kamen ums Leben.
Quelle -
2017 Bergsturz Bondo
Am 23. August 2017 stürzten rund 3 Mio. m³ Fels vom Piz Cengalo; der ausgelöste Murgang erreichte das Dorf Bondo (GR) und tötete acht Wanderer — die Dorfbevölkerung wurde dank Frühwarnsystem rechtzeitig evakuiert.
Quelle -
1999 Lawinenunglück Evolène
Im Lawinenwinter 1999 starben am 21. Februar in Evolène (VS) 12 Menschen; schweizweit forderte der Winter rund 17 Todesopfer trotz besserer Schutzmassnahmen.
Quelle -
1951 Lawinenwinter
Der katastrophalste Lawinenwinter des 20. Jahrhunderts forderte in der Schweiz rund 98 Todesopfer und zerstörte etwa 1500 Gebäude; besonders betroffen waren Vals, Andermatt und Airolo.
Quelle
Häufige Fragen
Wie bereite ich mich auf Touren bei Lawinengefahr vor?
Lesen und verstehen Sie das Lawinenbulletin des SLF und passen Sie Ihre Tour der fünfstufigen Gefahrenskala an. Führen Sie LVS, Schaufel und Sonde mit und üben Sie deren Gebrauch, bevor Sie ins Gelände gehen.
Woran erkenne ich akute Lawinen- oder Rutschgefahr?
Deutliche Alarmzeichen im Gelände sind frischer Triebschnee, «Wummgeräusche», Risse im Schnee und kürzlich abgegangene Lawinen. Bei Murgang- und Rutschgefahr warnen anschwellende, trübe Bäche sowie Risse oder Sackungen im Hang.
Was ist nach einem Lawinenabgang zu tun?
Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick und starten Sie dann die LVS-Suche nach Verschütteten. Alarmieren Sie die Rega über 1414 und warten Sie mit der Rückkehr die Informationen der lokalen Behörden ab.
Offizielle Quellen
- SLF Lawinenbulletin
- White Risk Lawinenwissen & Touren
- Rega Alarmierung 1414
- Anleitung: Bergnotfall alarmieren 1414 richtig absetzen: Koordinaten, Meldeschema, Notsignal