Erste Hilfe

Zeckenstich

Notruf 144. Bei Bewusstlosigkeit, Atemstillstand oder lebensbedrohlicher Blutung sofort die Sanitätsnotrufzentrale alarmieren und deren Anweisungen folgen.

Zecken sind in der ganzen Schweiz verbreitet und übertragen zwei relevante Krankheiten: FSME (eine Virus-Hirnhautentzündung, gegen die man impfen kann) und Borreliose (eine bakterielle Infektion, die mit Antibiotika behandelbar ist). Die meisten Stiche sind harmlos – entscheidend ist, die Zecke rasch und richtig zu entfernen und die Warnzeichen zu kennen. Die Zeckensaison dauert etwa von März bis November, mit einem Höhepunkt im Frühling und einem zweiten im Herbst.

Zecke richtig entfernen

  1. Ruhe bewahren – je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer das Infektionsrisiko. Ein Hilfsmittel bereitlegen: feine, spitze Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte
  2. Die Zecke so nahe wie möglich an der Haut fassen – direkt an den Mundwerkzeugen, nicht am vollgesogenen Hinterleib
  3. Die Zecke langsam und gleichmässig senkrecht herausziehen – nicht ruckartig, nicht drehen
  4. Bleiben Reste der Mundwerkzeuge in der Haut, ist das kein Grund zur Sorge: Sie werden vom Körper ausgestossen wie ein Holzsplitter – nicht in der Haut herumstochern
  5. Die entfernte Zecke entsorgen oder für eine spätere Bestimmung aufbewahren

Das gehört NICHT zur Zeckenentfernung

  1. Kein Öl, kein Klebstoff, kein Nagellack, kein Alkohol, keine Hitze (Streichholz)
  2. Den Körper der Zecke nicht quetschen – dabei können Erreger in die Wunde gedrückt werden
  3. Die Zecke nicht herausdrehen und nicht ruckartig reissen
  4. Keine breite, stumpfe Pinzette – sie quetscht die Zecke; eine spitz zulaufende Pinzette ist besser
Achtung: Sogenannte «Erstickungsmethoden» reizen die Zecke und erhöhen das Risiko, dass sie Erreger in die Wunde abgibt. Nie Öl, Klebstoff, Nagellack, Alkohol oder Hitze verwenden.

Nach der Entfernung

  1. Die Einstichstelle desinfizieren und die Hände waschen
  2. Datum und Ort des Stichs notieren – das hilft der Ärztin oder dem Arzt bei späteren Beschwerden
  3. Die Einstichstelle in den folgenden Wochen beobachten (eine Markierung oder ein Foto hilft)
  4. Achte auf eine sich ausbreitende Rötung sowie auf grippeartige Beschwerden oder Fieber in den Tagen bis Wochen danach

Wann zum Arzt

  1. Eine Rötung, die sich um die Einstichstelle ausbreitet oder ringförmig wird (Wanderröte) – auch Tage bis Wochen später
  2. Grippeartige Beschwerden, Fieber, Kopf- oder Gelenkschmerzen nach einem Zeckenstich
  3. Neurologische Zeichen wie Lähmungen, starke Nackensteife oder Bewusstseinstrübung – rasch abklären lassen
  4. Eine schlecht heilende oder sich entzündende Einstichstelle
  5. Im Zweifelsfall, besonders bei kleinen Kindern und in der Schwangerschaft, früher ärztlich abklären
  6. Eine kleine (unter ca. 1 cm), nicht wachsende Rötung, die innert Stunden von selbst verschwindet, ist dagegen eine harmlose lokale Reaktion
Achtung: Ein Zeckenstich allein ist kein Notfall. Bei schwerer allergischer Reaktion mit Atemnot, Kreislaufkollaps oder Bewusstseinsstörung gilt jedoch immer: sofort Sanitätsnotruf 144.

FSME – Hirnhautentzündung durch Zecken

  1. FSME wird durch ein Virus übertragen. Es gibt keine ursächliche Behandlung – nur die Symptome lassen sich lindern. Umso wichtiger ist die Impfung
  2. Typisch ist ein zweiphasiger Verlauf: zuerst grippeähnliche Beschwerden, nach einem beschwerdefreien Fenster bei einem Teil der Betroffenen eine zweite Phase mit Hirnhaut- oder Hirnentzündung
  3. Das BAG empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen (im Allgemeinen ab 3 Jahren), die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort aufhalten
  4. Als Risikogebiet gilt die ganze Schweiz mit Ausnahme des Kantons Tessin
  5. Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfdosen, danach wird eine Auffrischung etwa alle 10 Jahre empfohlen

Borreliose – die Wanderröte erkennen

  1. Borreliose wird durch Bakterien (Borrelien) übertragen und lässt sich mit Antibiotika behandeln – je früher, desto besser
  2. Leitsymptom ist die Wanderröte: eine Rötung an der Einstichstelle, die sich über Tage ausdehnt und oft ringförmig wird. Sie tritt typischerweise einige Tage bis Wochen nach dem Stich auf (rund 1 bis 30 Tage)
  3. Möglich sind auch grippeähnliche Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, leichtes Fieber und Gelenkschmerzen
  4. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung – umso wichtiger sind Vorbeugung, rasche Entfernung und das Beobachten der Stichstelle

Zecken in der Schweiz – Zahlen und Saison

  1. Zeckenstiche nehmen zu: Die Suva registriert bei Erwerbstätigen rund 15'000 Zeckenstich-Unfälle pro Jahr (2020–2024), mit steigender Tendenz
  2. FSME ist meldepflichtig – jährlich werden rund 200 bis 500 Fälle gemeldet, mit steigendem Trend (2020 gut 400, 2025 über 500 Fälle)
  3. Borreliose ist nicht meldepflichtig – geschätzt erkranken pro Jahr rund 8'000 bis 15'000 Personen (BAG-Schätzung)
  4. Zecken sind ab etwa 7 bis 8 °C aktiv, die Saison dauert grob von März bis November mit einem Höhepunkt im Frühling und einem zweiten im Herbst
  5. In der Schweiz kommen Zecken heute bis in Höhen von rund 2000 Metern über Meer vor

Vorbeugen – Zeckenstiche vermeiden

  1. Geschlossene, den Körper bedeckende Kleidung tragen; lange Hosen, Socken über die Hosenbeine ziehen
  2. Helle Kleidung wählen – darauf sind Zecken besser sichtbar
  3. Insektenschutzmittel mit belegten Wirkstoffen verwenden (DEET oder Icaridin) – die Wirkdauer ist begrenzt, deshalb nachcremen
  4. Nach dem Aufenthalt im Grünen den ganzen Körper absuchen – besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln, Bauchnabel, Hals und Haaransatz; bei Kindern zusätzlich Kopf und Haaransatz
  5. Je kürzer die Zecke saugt, desto geringer das Infektionsrisiko – deshalb rasch absuchen und entfernen

Weiterführende Quellen

Diese Inhalte dienen der Information und ersetzen keine Erste-Hilfe-Ausbildung. Wir empfehlen einen anerkannten Nothilfe- oder BLS-AED-Kurs.