Erste Hilfe

Unterkühlung & Erfrierungen

Notruf 144. Bei Bewusstlosigkeit, Atemstillstand oder lebensbedrohlicher Blutung sofort die Sanitätsnotrufzentrale alarmieren und deren Anweisungen folgen.

Ohne Heizung, im Gelände oder nach einem Sturz ins Wasser kühlt der Körper schneller aus, als viele denken. Unterkühlung entwickelt sich schleichend: Erst Zittern und kalte Glieder, später Verwirrtheit und gefährliche Teilnahmslosigkeit. Wer die Zeichen kennt, kann früh und richtig reagieren – das ist gerade bei längeren Stromausfällen im Winter relevant.

Unterkühlung erkennen

Ohne Thermometer richtet sich die Einschätzung nach dem Bewusstsein, nicht nach dem Zittern – Zittern kann ausbleiben und ist kein Zeichen der Entwarnung (ERC-Leitlinien 2025).

Fachleute ordnen die Stufen der Körperkerntemperatur zu: leicht 35–32 °C, mittel unter 32–28 °C, schwer unter 28 °C (ERC-Leitlinien 2025). Im Notfall lässt sie sich meist nicht zuverlässig messen – deshalb zählt das Bewusstsein.

  1. Leichte Unterkühlung: Person ist wach und klar, zittert meist
  2. Mittlere Unterkühlung: Bewusstsein getrübt – schläfrig, verwirrt, reagiert nur auf Ansprache
  3. Schwere Unterkühlung: bewusstlos, atmet aber – Lebensgefahr, sofort 144
  4. Keine Lebenszeichen («Scheintod»): kein Todesurteil – bei starker Unterkühlung sind Puls und Atmung oft kaum zu finden, und auch ein Herzstillstand ist oft noch umkehrbar

Erste Hilfe bei wacher Person

  1. Aus Wind, Nässe und Kälte bringen – Windschutz improvisieren, Boden isolieren
  2. Nasse Kleidung durch trockene ersetzen, Kopf bedecken
  3. In Decken oder Rettungsdecke wickeln, gemeinsam aufwärmen
  4. Nur wenn die Person wach und klar ist und gut schlucken kann: warme, gezuckerte Getränke geben – KEIN Alkohol
  5. Kein heisses Bad und keine heisse Dusche
  6. Aktive Bewegung nur bei leichter Unterkühlung sinnvoll

Erste Hilfe bei schläfriger oder bewusstloser Person

  1. Sofort 144 alarmieren (im Gelände: Rega 1414)
  2. Person flach lagern und so wenig und so langsam wie möglich bewegen
  3. Vor weiterer Auskühlung schützen: Isolation nach unten, Decken, Rettungsdecke
  4. Bewusstlos mit normaler Atmung: behutsam in die stabile Seitenlage bringen, dabei Rumpf und Gelenke möglichst wenig bewegen und danach nicht mehr umlagern; Atmung laufend überwachen
  5. Bis zu einer Minute nach Lebenszeichen suchen, vor allem nach der Atmung (ERC-Leitlinien 2025)
  6. Keine normale Atmung: Reanimation beginnen und weiterführen, bis der Rettungsdienst übernimmt – auch wenn es lange dauert. Ob weiter wiederbelebt wird, entscheidet das Spital nach dem Aufwärmen
Achtung: Ab mittlerer Unterkühlung nicht gehen lassen, nicht aufstellen, keine heissen Bäder – grobe oder ruckartige Bewegungen können einen Kreislaufzusammenbruch und gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen (Bergungstod).

Erfrierungen an Fingern, Zehen, Nase und Ohren

  1. Ist die Person zugleich unterkühlt, geht das vor: zuerst den ganzen Körper schützen und wärmen
  2. Gefühllose, blasse und harte Stellen nicht reiben, nicht mit Schnee einreiben und keiner direkten Hitze aussetzen (Feuer, Ofen)
  3. Erst auftauen, wenn die Stelle danach sicher warm bleibt – erneutes Einfrieren schadet mehr, als gefroren zu bleiben
  4. Im Freien: Hände oder Füsse an der Achsel oder Leiste einer Begleitperson wärmen
  5. Ist ärztliche Hilfe nicht rasch erreichbar: rasch im körperwarmen Wasserbad auftauen – 37–39 °C, mit dem Ellbogen prüfen, nie heiss (Internationale Kommission für Alpines Rettungswesen IKAR; Internationale Rotkreuz-Föderation IFRC)
  6. Blasen nicht öffnen, betroffene Stellen locker und möglichst steril abdecken
  7. Auf einem aufgetauten Fuss nicht mehr gehen – tragen oder Transport organisieren. Muss sich jemand selbst retten, geht er besser auf dem noch gefrorenen Fuss und taut ihn erst am Ziel auf
  8. Jede Erfrierung ärztlich beurteilen lassen

Kaltwasser- und Eiswasser-Schock (Kälteschock)

  1. Fällt man plötzlich in kaltes Wasser (unter rund 15 °C), löst die Kälte einen unwillkürlichen, tiefen Atemzug aus – wer dabei untertaucht, atmet Wasser ein
  2. Es folgen eine unkontrollierbar schnelle Atmung (Hyperventilation) und ein steiler Anstieg von Puls und Blutdruck – das kann beim Schwimmen handlungsunfähig machen
  3. Richtig: nicht in Panik geraten, an etwas festhalten oder sich treiben lassen und die erste Atemnot abklingen lassen, bevor man schwimmt
  4. Nach der Rettung sofort vor weiterer Auskühlung schützen und auf eine einsetzende Unterkühlung achten
Achtung: Der Kälteschock kann schon in der ersten Minute zum Ertrinken führen – noch bevor eine Unterkühlung einsetzt.

Einbruch ins Eis – Selbst- und Fremdrettung

  1. Selbstrettung: Ruhe bewahren, laut um Hilfe rufen, sich in Richtung der gebrochenen Kante drehen, an der Eiskante festhalten
  2. Sich flach auf das tragende Eis schieben oder rollen, das Gewicht grossflächig verteilen und liegend in Richtung Ufer robben
  3. Fremdrettung: dich zuerst selbst sichern – nie aufrecht auf die Bruchstelle zugehen, sondern liegend annähern
  4. Hilfsmittel reichen (Ast, Seil, Leiter, Schal), um Abstand zur Bruchstelle zu halten
  5. Notruf 144 alarmieren – nach der Rettung droht die Unterkühlung weiter

Vorbeugen in der Kälte

  1. Mehrere Kleidungsschichten («Zwiebelprinzip»), Mütze und Handschuhe
  2. Trocken bleiben – nasse Kleidung kühlt um ein Vielfaches schneller aus
  3. Regelmässig essen und warm trinken, der Körper braucht Brennstoff
  4. Bei Stromausfall im Winter: ein Zimmer als warme Basis einrichten und gemeinsam nutzen

Weiterführende Quellen

Diese Inhalte dienen der Information und ersetzen keine Erste-Hilfe-Ausbildung. Wir empfehlen einen anerkannten Nothilfe- oder BLS-AED-Kurs.