Sonnensturm
Ein starker geomagnetischer Sturm kann Stromnetz, GPS und Funk stören und im Extremfall (Stufe G5 der NOAA-Skala) einen grossflächigen Blackout auslösen. Die wirksamste Vorsorge ist dieselbe wie beim Stromausfall: Licht, Wasser, Bargeld und ein batteriebetriebenes Radio bereithalten. Verfolgen Sie Behördeninformationen über Radio und Alertswiss und rechnen Sie mit GPS- und Funkungenauigkeiten.
Ein Sonnensturm beginnt mit einer Sonneneruption und oft einem koronalen Massenauswurf (CME) – einer riesigen Plasmawolke, die ins All geschleudert wird. Trifft sie die Erde, entsteht ein geomagnetischer Sturm. Die Strahlung der Eruption erreicht die Erde in rund 8 Minuten (Lichtgeschwindigkeit), die langsamere Plasmawolke meist in 1 bis 3 Tagen. Dieses Zeitfenster ist zugleich die Vorwarnzeit, in der Netzbetreiber das Weltraumwetter über das NOAA Space Weather Prediction Center (SWPC) verfolgen.
Die Hauptgefahr für die Schweiz sind geomagnetisch induzierte Ströme (GIC) in langen Hochspannungsleitungen: Sie können Transformatoren sättigen und überhitzen und im Extremfall einen grossflächigen Stromausfall auslösen. Daneben stören starke Stürme GPS/GNSS, den Kurzwellenfunk auf der Tagseite und können Satelliten schädigen. Die NOAA misst geomagnetische Stürme auf einer Skala von G1 (gering) bis G5 (extrem).
Extreme Stürme sind selten, aber real: Im Mai 2024 trat erstmals seit 2003 wieder ein G5-Sturm auf. Die wirksamste private Vorsorge ist dieselbe wie beim Stromausfall – Licht, Wasser, Bargeld und ein batteriebetriebenes Radio. Bei der genauen Wiederkehrwahrscheinlichkeit eines Carrington-Jahrhundertereignisses gehen die wissenschaftlichen Schätzungen auseinander; sie wird daher nur als Bandbreite angegeben.
Sonnenzyklus – wo wir gerade stehen
Sonnenzyklus 25: Absteigende Phase – das Maximum wurde im Oktober 2024 erreicht (NASA/NOAA)
Warum das zählt: Rund um das solare Maximum sind Sonnenflecken am zahlreichsten – und damit auch Sonneneruptionen, koronale Massenauswürfe und starke geomagnetische Stürme deutlich häufiger als im solaren Minimum. Das Maximum von Zyklus 25 wurde im Oktober 2024 erreicht; seither stehen wir in der absteigenden Phase, die erfahrungsgemäss weiterhin schwere Stürme bringt – der stärkste Sturm seit rund 20 Jahren (der G5-Gannon-Sturm) fiel in den Mai 2024. Für die Schweiz zählt vor allem das Risiko geomagnetisch induzierter Ströme im Stromnetz: 1989 legte ein solcher Sturm das Netz der kanadischen Provinz Québec in rund 90 Sekunden lahm und liess etwa 6 Millionen Menschen ohne Strom.
Risiko-Einstufung
Eintrittswahrscheinlichkeit: Gering · Schadensausmass: Hoch → Gesamtrisiko: Mittel.
| Schadensausmass | ||||
|---|---|---|---|---|
| Gering | Mittel | Hoch | ||
| Eintrittswahrscheinlichkeit | Hoch | |||
| Mittel | ||||
| Gering | Einstufung dieser Gefahr | |||
Legende: Gering (grün) · Mittel (gelb) · Hoch (rot). Das Gesamtrisiko ergibt sich aus Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmass.
Ein starker geomagnetischer Sturm kann Stromnetze, GPS und Funk stören. Im Extremfall droht ein grossflächiger Blackout – Vorsorge wie beim Stromausfall hilft.
Sofortmassnahmen
- Bei Blackout-Gefahr: Vorsorge wie beim Stromausfall aktivieren
- Batteriebetriebenes Radio/Kurbelradio für Informationen bereithalten
- Mit GPS-/Funk-Ungenauigkeiten rechnen
Warnanzeichen
- Sturmwarnung des NOAA SWPC (geomagnetische Skala G1 bis G5)
- Polarlichter ungewöhnlich weit südlich sichtbar (bis Mitteleuropa) – Zeichen eines starken Sturms
- Auffällige GPS-/GNSS-Ungenauigkeiten und Kurzwellen-Funkstörungen
- Meldungen der Stromnetzbetreiber zu erhöhter Belastung
- Behördenhinweise über Radio und Alertswiss
Vorher · Während · Nachher
Vorher
- Blackout-Grundausstattung bereithalten: Licht, Wasser, Bargeld, Powerbank
- Kurbel-/Batterieradio (UKW/DAB+) für den Informationsempfang
- Wissen, dass Netzbetreiber bei Vorwarnung Gegenmassnahmen treffen
Während
- Behördeninformationen über Radio und Alertswiss verfolgen
- Bei Stromausfall die Massnahmen des Szenarios Stromausfall anwenden
- GPS-/Navigationsdaten kritisch prüfen, Alternativen nutzen
- Empfindliche Geräte bei Bedarf vom Netz trennen
Nachher
- Geräte und Verbindungen nach der Störung prüfen
- Vorräte und Bargeldreserve wieder auffüllen
- Offizielle Entwarnung und Lageberichte abwarten
Das ist real passiert
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2024 Gannon-Sturm
Im Mai 2024 trat der stärkste geomagnetische Sturm seit 2003 auf (G5); weltweit kam es zu GPS- und Funkstörungen, und Energieversorger mussten ihre Netze aktiv stabil halten. Polarlichter waren bis in die Schweiz sichtbar.
Quelle -
2022 Starlink-Satellitenverlust
Ein geomagnetischer Sturm erhöhte am 3. Februar 2022 den Luftwiderstand in der unteren Erdumlaufbahn stark; rund 40 von 49 frisch gestarteten Starlink-Satelliten konnten ihre Bahn nicht halten und verglühten — ein Beispiel für direkte technische Folgen des Weltraumwetters.
Quelle -
2017 Stärkste Sonneneruption seit 2005
Am 6. September 2017 schleuderte die Sonne eine Eruption der höchsten Klasse (X9.3) hervor — die stärkste seit 2005. Die einsetzende Strahlung störte den Kurzwellen-Funkverkehr, der unter anderem für Schiffe, Flugzeuge und den Notfunk genutzt wird.
Quelle -
1989 Blackout in Québec
Am 13. März 1989 löste ein geomagnetischer Sturm in der kanadischen Provinz Québec innert weniger Minuten einen Netzkollaps aus; rund sechs Millionen Menschen waren etwa neun Stunden ohne Strom.
Quelle -
1859 Carrington-Ereignis
Der stärkste je aufgezeichnete geomagnetische Sturm (1./2. September 1859) liess weltweit Telegrafenleitungen funken und teils in Brand geraten – ein vergleichbares Ereignis träfe heute eine viel stärker vernetzte Infrastruktur.
Quelle
Häufige Fragen
Wie viel Vorwarnzeit gibt es bei einem Sonnensturm?
Ein Sonnensturm beginnt mit einer Sonneneruption und oft einem koronalen Massenauswurf (CME). Die Strahlung der Eruption erreicht die Erde mit Lichtgeschwindigkeit in rund 8 Minuten, die langsamere Plasmawolke meist in einem bis drei Tagen. Dieses Zeitfenster ist zugleich die Vorwarnzeit, in der Netzbetreiber das Weltraumwetter über das NOAA Space Weather Prediction Center verfolgen und Gegenmassnahmen treffen.
Warum ist ein Sonnensturm für die Schweiz gefährlich?
Die Hauptgefahr sind geomagnetisch induzierte Ströme (GIC) in langen Hochspannungsleitungen: Sie können Transformatoren sättigen, überhitzen und im Extremfall einen grossflächigen Stromausfall auslösen. Daneben stören starke Stürme GPS/GNSS, den Kurzwellenfunk auf der Tagseite und können Satelliten schädigen. Die NOAA misst geomagnetische Stürme auf einer Skala von G1 (gering) bis G5 (extrem).
Wann gab es zuletzt einen starken Sonnensturm?
Im Mai 2024 trat mit dem Gannon-Sturm erstmals seit 2003 wieder ein G5-Sturm auf; weltweit kam es zu GPS- und Funkstörungen, Polarlichter waren bis in die Schweiz sichtbar. Historisch gilt das Carrington-Ereignis von 1859 als stärkster je aufgezeichneter Sturm. Wie oft sich ein solches Jahrhundertereignis wiederholt, schätzt die Wissenschaft nur als Bandbreite – ein Fixwert wäre unseriös.
In welcher Phase des Sonnenzyklus stehen wir und warum erhöht das das Sturmrisiko?
Wir befinden uns im Sonnenzyklus 25, dessen Maximum-Phase NASA und NOAA am 15. Oktober 2024 als erreicht verkündet haben. Seither sinkt die Sonnenfleckenzahl langsam – Anfang 2026 stehen wir in der absteigenden Phase. Das ist keine Entwarnung: Rund um das Maximum und in den Jahren danach treten Sonneneruptionen, koronale Massenauswürfe und geomagnetische Stürme deutlich häufiger und stärker auf als im solaren Minimum, und einige der heftigsten Stürme ereigneten sich erst nach dem eigentlichen Höhepunkt. Der genaue Zeitpunkt des Maximums lässt sich zudem erst rückblickend sicher bestimmen. Die Vorsorge bleibt daher relevant.
Offizielle Quellen
- NOAA SWPC Weltraumwetter & Sturmwarnungen (G-Skala)
- Alertswiss Aktuelle Meldungen
- OSTRAL Strom-Mangellage