Jodtabletten richtig
Auf Aktualität geprüft am 09.10.2026
Jodtabletten (Kaliumiodid 65 SERB, 65 mg Kaliumiodid je Tablette) werden ausschliesslich auf behördliche Anweisung eingenommen. Kinder über 12 Jahre und Erwachsene nehmen 2 Tabletten auf einmal pro Tag; für Personen über 45 Jahre wird die Einnahme nicht mehr empfohlen. In der Schweiz werden sie vorsorglich an die Bevölkerung im Umkreis von 50 Kilometern um ein Kernkraftwerk verteilt.
Jodtabletten (Kaliumiodid) sättigen die Schilddrüse mit stabilem Jod, damit sie bei einem KKW-Störfall kein radioaktives Jod aufnimmt. Im Umkreis von 50 km um die Kernkraftwerke Beznau, Gösgen und Leibstadt werden sie vorsorglich an alle Haushalte verteilt; ausserhalb lagern die Kantone Vorräte.
Wie wirken Jodtabletten bei einem AKW-Störfall?
Bei einem schweren Störfall in einem Kernkraftwerk kann radioaktives Jod freigesetzt werden. Die Schilddrüse nimmt Jod auf, ohne zwischen stabilem und radioaktivem zu unterscheiden. Jodtabletten sättigen die Schilddrüse vorher mit stabilem Jod, sodass kein Platz mehr für das radioaktive bleibt.
Wichtig: Jodtabletten schützen AUSSCHLIESSLICH die Schilddrüse. Sie sind kein Allheilmittel gegen Strahlung. Deshalb gilt zusätzlich immer: ins Haus, Fenster und Türen schliessen, Lüftung aus, Radio und Alertswiss verfolgen.
Die Einnahme erfolgt NUR auf behördliche Anweisung. Erst messen die Behörden, dann folgt die Anweisung über Radio und Alertswiss – danach die Tabletten möglichst rasch einnehmen. Zu früh eingenommen verlieren sie ihre Schutzwirkung.
Das musst du wissen
- Einnahme NUR auf behördliche Anweisung (Radio, Alertswiss)
- Nach der Anweisung möglichst rasch einnehmen – zu früh eingenommen verlieren sie ihre Schutzwirkung
- Schützen NUR die Schilddrüse – deshalb gilt zusätzlich: drinnen bleiben
- In der verschlossenen Originalpackung bei Raumtemperatur (15–25 °C) an einem festen Ort lagern
- Mit reichlich Flüssigkeit und möglichst nicht auf nüchternen Magen einnehmen; für Kinder in einem Getränk auflösen und sofort trinken lassen
Dosierung (gem. Packungsbeilage)
Eine Tablette Kaliumiodid 65 SERB enthält 65 mg Kaliumiodid, das entspricht 50 mg Iod. Die Dauer der Einnahme ordnen die Behörden an.
- Kinder über 12 Jahre sowie Erwachsene: 2 Tabletten auf einmal pro Tag
- Kinder ab dem 4. Jahr bis 12 Jahre: 1 Tablette pro Tag (das 4. Lebensjahr beginnt am 3. Geburtstag)
- Kinder ab dem 2. Monat bis 3 Jahre: ½ Tablette pro Tag
- Neugeborene bis 1 Monat: ¼ Tablette einmalig – auch wenn für ältere Kinder die Einnahme mehrere Tage angeordnet wird
- Schwangere und Stillende: 2 Tabletten auf einmal pro Tag, an höchstens 2 Tagen
Personen über 45 Jahre
- Personen über 45 Jahre: Einnahme nicht mehr empfohlen. Das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, nimmt mit dem Alter stark ab – mögliche Nebenwirkungen der Tabletten erhalten dadurch mehr Gewicht.
- Wer über 45 die Einnahme trotzdem erwägt, lässt sich in der Arztpraxis, Apotheke oder Drogerie beraten.
- Ausnahme: Schwangere und Stillende nehmen die Tabletten auch über 45 ein.
Wer darf keine Jodtabletten nehmen?
Nicht einnehmen bei bekannter Jodüberempfindlichkeit, unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion oder den seltenen Krankheiten Dermatitis herpetiformis, Iododerma tuberosum, hypokomplementämische Vaskulitis und Myotonia congenita (Packungsbeilage).
Wer eine Schilddrüsenüberfunktion hat und medikamentös gut eingestellt ist, nimmt die Tabletten laut Packungsbeilage ein, führt die Behandlung weiter und geht nach dem Ereignis zur Ärztin oder zum Arzt.
Hinweis: Dies ersetzt keine medizinische Beratung. Bei einer bekannten Schilddrüsenerkrankung oder Jodunverträglichkeit kläre schon heute mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, was im Ereignisfall für dich gilt.
Wer bekommt Jodtabletten und woher?
Im Umkreis von 50 km um die Kernkraftwerke Beznau, Gösgen und Leibstadt werden Jodtabletten vorsorglich an alle Haushalte verteilt. Ausserhalb dieser Zone lagern die Kantone Vorräte und verteilen sie im Ereignisfall innerhalb von zwölf Stunden ab der Anordnung.
- Wissen, wo die Tabletten zu Hause liegen (fester, bekannter Ort)
- Abgelaufene Tabletten (Haltbarkeitsdatum überschritten) nicht im Abfall entsorgen: aufbewahren, bis die Behörden zur Rückgabe auffordern – dann in eine Apotheke oder Drogerie zurückbringen
- Alertswiss installieren, um die Einnahme-Anweisung sicher zu empfangen
Häufige Fehler
- Tabletten vorsorglich «auf Verdacht» einnehmen – ohne behördliche Anweisung kein Nutzen, aber Nebenwirkungsrisiko
- Glauben, Jodtabletten schützten den ganzen Körper – sie schützen nur die Schilddrüse
- Dosierung der Kinder falsch zusammenfassen – die Altersstaffelung genau einhalten
- Über 45 ohne Beratung trotzdem einnehmen (Ausnahme: Schwangere und Stillende)
- Nur Tabletten nehmen, aber nicht drinnen bleiben
| Personengruppe | Dosis |
|---|---|
| Kinder über 12 Jahre sowie Erwachsene | 2 Tabletten auf einmal pro Tag |
| Kinder ab dem 4. Jahr (ab dem 3. Geburtstag) bis 12 Jahre | 1 Tablette pro Tag |
| Kinder ab dem 2. Monat bis 3 Jahre | ½ Tablette pro Tag |
| Neugeborene bis 1 Monat | ¼ Tablette einmalig |
| Schwangere und Stillende | 2 Tabletten auf einmal pro Tag, an höchstens 2 Tagen (Alterslimite gilt nicht) |
| Über 45 Jahre | Einnahme nicht mehr empfohlen – Beratung in Arztpraxis, Apotheke oder Drogerie |
Einnahme nur auf behördliche Anweisung; die Dauer ordnen die Behörden an. Verteilung in der 50-km-Zone um ein Kernkraftwerk. Wortlaut der Packungsbeilage Kaliumiodid 65 SERB. Ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Wie sind Jodtabletten dosiert?
Laut Packungsbeilage: Kinder über 12 Jahre sowie Erwachsene: 2 Tabletten auf einmal pro Tag · Kinder ab dem 4. Jahr (ab dem 3. Geburtstag) bis 12 Jahre: 1 Tablette pro Tag · Kinder ab dem 2. Monat bis 3 Jahre: ½ Tablette pro Tag · Neugeborene bis 1 Monat: ¼ Tablette einmalig · Schwangere und Stillende: 2 Tabletten auf einmal pro Tag, an höchstens 2 Tagen. Die Dauer ordnen die Behörden an.
Wer erhält Jodtabletten in der Schweiz?
Im Umkreis von 50 km um die Kernkraftwerke Beznau, Gösgen und Leibstadt werden sie vorsorglich an alle Haushalte verteilt; ausserhalb lagern die Kantone Vorräte und verteilen sie im Ereignisfall innerhalb von zwölf Stunden ab der Anordnung.
Schützen Jodtabletten vor allen Auswirkungen von Radioaktivität?
Nein. Jodtabletten (Kaliumiodid) schützen ausschliesslich die Schilddrüse, indem sie sie mit stabilem Jod sättigen, damit sie kein radioaktives Jod aufnimmt. Sie sind kein Allheilmittel gegen Strahlung. Deshalb gilt zusätzlich immer: ins Haus gehen, Fenster und Türen schliessen, Lüftung ausschalten und Radio sowie Alertswiss verfolgen.
Warum wird Personen über 45 Jahren die Einnahme von Jodtabletten nicht empfohlen?
Das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, nimmt mit dem Alter stark ab; mögliche Nebenwirkungen der Tabletten erhalten dadurch mehr Gewicht. Deshalb empfehlen die Behörden die Einnahme über 45 Jahren nicht mehr. Wer sie trotzdem erwägt, lässt sich in der Arztpraxis, Apotheke oder Drogerie beraten. Ausnahme sind Schwangere und Stillende: Sie nehmen die Tabletten auch über 45 ein. Grundsätzlich gilt die Einnahme nur auf behördliche Anweisung über Radio oder Alertswiss.
Offizielle Quellen
- Jodtabletten.ch Offizielle Infos & Bezug
- NAZ Radioaktivität überwachen
- BAG Strahlenschutz
- Szenario: Radioaktivität Verhalten bei KKW-Störfall