Mesh-Funk
LoRa-Mesh-Netze wie Meshtastic oder MeshCore funktionieren komplett ohne Infrastruktur: Jedes Gerät ist gleichzeitig Sender und Relais. Nachrichten hüpfen verschlüsselt von Knoten zu Knoten – ideal für Quartier-Netze, Wandergruppen oder als Familien-Rückfallkanal. Während Meshtastic jede Nachricht durchs ganze Netz flutet, geht MeshCore einen anderen Weg: feste Repeater bilden ein Rückgrat, persönliche Geräte leiten bewusst nicht weiter, und Nachrichten folgen einem gelernten Pfad statt das Funkband zu überschwemmen.
Wie LoRa-Mesh funktioniert
LoRa-Mesh überträgt kleine Datenpakete über grosse Distanzen bei winziger Sendeleistung. Jedes Gerät ist gleichzeitig Sender und Relais: Nachrichten werden per Store-and-Forward von Knoten zu Knoten weitergereicht (Hops), bis sie das Ziel erreichen – komplett ohne Mobilfunk und ohne Internet.
Bei Meshtastic ist die Hop-Anzahl standardmässig auf 3 begrenzt (maximal 7). Mehr Hops erhöhen die Reichweite, belasten aber das Netz stärker.
- Übertragen werden nur Text-, Positions- und Telemetriedaten – LoRa ist schmalbandig, kein Sprechfunk, kein Video.
- Verschlüsselung: AES-256 mit einem geteilten Schlüssel (PSK) pro Kanal. Der öffentliche Standardkanal ist effektiv unverschlüsselt – für Privates einen eigenen Kanal mit eigenem Schlüssel anlegen.
- Je mehr Knoten in der Region, desto robuster und weitreichender das Netz.
Was MeshCore ist
MeshCore ist ein quelloffenes System (MIT-Lizenz) für sichere, textbasierte Kommunikation über LoRa-Funkmodule – komplett ohne Mobilfunk und Internet. Es liefert sowohl die Geräte-Firmware als auch das zugrundeliegende Routing-Protokoll. Die offizielle Projektseite ist meshcore.io.
Der zentrale Unterschied zu Meshtastic liegt im Routing: Meshtastic flutet jede Nachricht durchs Netz (jeder Knoten leitet weiter). MeshCore lernt stattdessen einen Pfad und sendet danach gezielt – das hält das Funkband frei und macht grössere, geplante Netze stabiler. Beide laufen oft auf derselben Hardware, sind aber nicht miteinander kompatibel: Ein Gerät trägt entweder die eine oder die andere Firmware, und beide können nicht im selben Netz kommunizieren.
- Offizielle Einsatzzwecke laut Projekt: Off-Grid-Kommunikation, Notfall- und Katastrophenhilfe, Outdoor-Aktivitäten, Sicherheitsanwendungen und Sensornetze.
- Firmware und Routing sind quelloffen; Ausnahmen sind die T-Deck-Firmware und die nativen Smartphone-Apps.
- Für Einsteiger: MeshCore ist messaging-orientiert – du brauchst zum Start kein Funkwissen, nur ein geflashtes Gerät und die App.
Die Geräte-Rollen – das Herzstück von MeshCore
MeshCore denkt in Rollen. Welche Aufgabe ein Gerät im Netz übernimmt, entscheidet sich beim Flashen über das gewählte Firmware-Image. Dieses rollenbasierte Modell ist der Grund, warum MeshCore effizienter skaliert als reines Fluten: Nur dedizierte Geräte leiten weiter, persönliche Geräte halten sich heraus.
- Companion (dein persönliches Gerät): Verbindet sich per Bluetooth oder USB mit Smartphone, PC oder Web-Client und ist dein Messenger-Endpunkt. Wichtig: Ein Companion leitet keine fremden Pakete weiter. Das ist Absicht – so überschwemmen nicht Dutzende Handgeräte gleichzeitig das Funkband mit Wiederholungen.
- Repeater (das Rückgrat): Verlängert die Reichweite und leitet Pakete Richtung Ziel weiter – aber nicht blind jedes Paket, sondern entlang gelernter Pfade. Repeater gehören an hohe, gut sichtbare Standorte. Sie senden standardmässig alle 12 Stunden eine Kennung („Flood-Advert“), damit das Netz sie findet.
- Room Server (Themen-/Gruppenräume): Ein einfacher Nachrichtenserver (BBS-Prinzip), der Beiträge speichert und an Clients nachliefert (store-and-forward). Anders als bei normalen Kanälen kann man sich später wieder einloggen und verpasste Nachrichten abholen (vergleichbar mit einem Mailserver). Beim Einloggen erhält man die letzten 32 ungesehenen Nachrichten.
- Warum das skalierbarer ist: Beim reinen Fluten (Meshtastic) löst eine einzige Nachricht netzweit viele redundante Wiederholungen aus. Bei MeshCore leiten nur Repeater/Room Server weiter, und das gezielt entlang eines Pfades – weniger Funkverkehr, weniger Kollisionen, mehr Durchsatz in dichten Netzen.
- Für Einsteiger: Hast du nur zwei Geräte und keine MeshCore-Nutzer in der Nähe, flashe beide als Companion und funke direkt miteinander. Erst wenn du Reichweite brauchst, kommt ein Repeater dazu.
- Experten-Tipp: Repeater und Room Server möglichst auf getrennten Geräten betreiben. Für ein Quartiernetz wenige Repeater hoch und mit Sicht platzieren statt viele auf Strassenniveau.
Routing, Verschlüsselung und Technik
Schickt man zum ersten Mal eine Nachricht an ein noch unbekanntes Ziel, findet diese per Fluten den Weg. Das Zielgerät schickt eine Empfangsbestätigung zurück, die alle durchlaufenen Repeater auflistet – daraus lernt der Sender den Pfad. Jede weitere Nachricht trägt diesen Pfad eingebettet bei sich; ein Repeater leitet sie nur weiter, wenn er selbst auf dem Pfad liegt. Bricht ein Pfad ab, versucht das Gerät es einige Male und flutet dann neu.
- Gruppen- bzw. Kanal-Nachrichten haben keinen festen Pfad und werden geflutet – Repeater-Betreiber können dieses Flutaufkommen aber begrenzen.
- Das interne Hop-Limit liegt bei 64 – in der Praxis kaum erreichbar.
- Verschlüsselung: MeshCore arbeitet Ende-zu-Ende verschlüsselt (AES); jedes Gerät hat ein eigenes kryptografisches Schlüsselpaar, und die Kennungen sind signiert, um Fälschung zu verhindern. Gruppen/Kanäle nutzen einen geteilten Schlüssel. Achtung: Der öffentliche Standardkanal verwendet einen allgemein bekannten Schlüssel und ist damit effektiv nicht privat – für Vertrauliches einen eigenen Kanal mit eigenem Schlüssel anlegen.
- Unterstützte Hardware (Auswahl): Heltec V3, RAK WisBlock (RAK4631), LilyGo T-Beam/T-Deck/T-Pager, Heltec T114, Seeed T1000-E, Station G2. Die jeweils aktuelle Geräteliste steht im Web-Flasher.
- Apps/Clients: native Android-/iOS-App (Bluetooth) sowie ein Web-Client für USB-Anbindung. Geräte wie das T-Deck lassen sich auch eigenständig ohne Smartphone betreiben.
Reichweite, Frequenz und Recht (Schweiz)
In Europa funkt Meshtastic im 868-MHz-ISM-Band, das in der Schweiz Teil des lizenzfreien SRD-Bereichs (863–870 MHz) ist. Wichtig: Sendeleistung und erlaubte Sendezeit sind teilbandabhängig geregelt – im typischen Bereich 868,0–868,6 MHz gilt 25 mW ERP bei 1 % Duty Cycle (Sendezeitbegrenzung). Die Firmware hält diese Grenzen für die Schweiz/EU automatisch ein.
- Reichweite (Erfahrungswerte): bei freier Sicht mehrere Kilometer bis über 16 km; in der Stadt ohne Sicht oft nur einige hundert Meter; im dichten Wald rund 0,4 bis 2,5 km.
- Entscheidend ist die Sichtverbindung – Höhe und Antennenposition bringen mehr als Sendeleistung.
- Sehr geringer Stromverbrauch – ein Knoten läuft tagelang auf Akku.
MeshCore oder Meshtastic?
Beide nutzen dieselbe Hardware und dasselbe Band, sind aber nicht miteinander kompatibel – ein Gerät trägt entweder die eine oder die andere Firmware.
- Meshtastic: echtes Ad-hoc-Mesh, jeder Knoten leitet weiter (Flooding). Sehr flexibel und selbstorganisierend, dafür mehr Funkverkehr. Grösste Community.
- MeshCore: rollenbasiert – persönliche Geräte (Companions) leiten nicht weiter, feste Repeater übernehmen das Routing. Effizienter und besser skalierbar für geplante Quartier-/Regionsnetze.
- Für Einsteiger: Starte mit Meshtastic – grösste Verbreitung, einfachste App, meiste Anleitungen.
- Experten-Tipp: Für ein dauerhaftes Quartiernetz mit fixen Standorten ist MeshCores Repeater-Modell ressourcenschonender.
- Beide nutzen dasselbe 868-MHz-Band und meist dieselben Boards, können aber nicht im selben Netz kommunizieren – sie verstehen sich gegenseitig nicht.
MeshCore starten – Schritt für Schritt
- Unterstütztes Board besorgen (z. B. Heltec V3, RAK WisBlock, LilyGo T-Deck).
- Über den Web-Flasher (flasher.meshcore.io) die passende Rollen-Firmware flashen – Companion für persönliche Geräte, Repeater fürs Rückgrat.
- Region/Frequenz auf das EU-Preset (868 MHz) setzen – die Parameter werden dabei automatisch korrekt gewählt.
- Companion per App (Android/iOS) oder Web-Client koppeln; für Privates einen eigenen Kanal mit eigenem Schlüssel anlegen.
- Reichweite testen, Antenne hoch und mit freier Sicht platzieren.
- Realistische Reichweite (Erfahrungswerte, keine garantierten Werte): bei freier Sicht im ländlichen Raum rund 10 km, in bebauter Umgebung eher 1–3 km, von erhöhten Standorten deutlich mehr. Entscheidend ist die Sichtverbindung.
- Typische Anwendungsfälle: Quartier- oder Regionsnetz mit festen Repeatern, Wandergruppe, Familien-Rückfallkanal oder Ergänzung zum Notfunk.
- Experten-Tipp: Plane das Repeater-Rückgrat zuerst (Standorte mit Sicht/Höhe), dann skaliert das Netz sauber.
Gut zu wissen
- 868 MHz ist in der Schweiz lizenzfrei
- Sehr geringer Stromverbrauch – läuft tagelang auf Akku
- Je mehr Knoten in der Region, desto robuster das Netz
Weiterführende Quellen
- Meshtastic Open-Source-Projekt
- MeshCore (offizielle Seite) Projektseite
- MeshCore-Doku & FAQ Dokumentation
- MeshCore Web-Flasher Firmware flashen
- MeshCore (GitHub) Quellcode